Rezension

Funkenflug

Funkenflug - Izabelle Jardin

Funkenflug
von Izabelle Jardin

Bewertet mit 5 Sternen

Wie schon nach nur ein paar Kapiteln klar wird sieht man auf dem Cover die junge Clara auf dem Balkon ihres Anwesens. Im weißen Kleid steht sie da und beobachtet einen Brand, der ihr Leben verändern wird. Das Bild ist so wahnsinnig passend, denn es unterstreicht meine Gedanken in diesem Moment des Lesens sehr gelungen. Genauso einsam muss sie da gestanden haben während die Männer versuchen dem Feuer Einhalt zu gebieten.

Was dem Leser hier geboten wird ist unglaublich und rührte mich an vielen Stellen zu Tränen. Der Übergang von Faye Duncans zu Gräfin Clara Henriette. Die Ereignisse ließen mich als Leser von den Wäldern Thüringens bis nach England reisen. Und hier von London nach Bristol.

Der Beginn des Buches ist noch recht sanft. Doch schon hier bauen sich Spannungen auf. Die ständigen Provokationen von Constantins Vater gegen Faye und dazu noch die beginnende Geschichte von Clara ließen mich wirklich an den Seiten kleben.

Die Zeitsprünge sind ebenfalls sehr gut gestaltet, da sie mit einem neuen Kapitel einhergehen und ich so immer wusste wo ich mich gerade in der Zeit befand.

In der Gegenwart im Jahre 2010 sind es die Protagonisten Faye und Constantin, die mit soviel Tiefe geschildert wurden, dass sie mir innerhalb kürzester Zeit ans Herz wuchsen. In der Vergangenheit ist es Clara Henriette, die die Geschichte führt. Doch auch die weiteren Protagonisten, die an ihrer Seite agieren haben mich nachhaltig beeindruckt. Faye berichtet in der Ich-Perspektive von ihren Eindrücken und Erlebnissen, währen die Autorin für Clara die auktoriale Perspektive verwendet hat. Ich denke es macht genau so auch den meisten Sinn, denn schließlich erzählt Constantin seiner Faye die Geschichte seiner Urgroßmutter und die kann meiner Meinung nach nur in der dritten Person erfolgen.

Von jedem Charakter und allen Ereignissen bekommt man als Leser ein detailliert gezeichnetes Bild geliefert und kann sich auch die Settings der jeweiligen Ereignisse sehr gut vorstellen. An keiner Stelle kam bei mir das Bedürfnis auf das Buch wegzulegen. Dies war immer von einem leisen bedauern begleitet, denn zu gerne hätte ich mich komplett in den Seiten vergraben und wäre erst nach dem Ende des Buches wieder aufgetaucht.

Der grandiose Gesamtausdruck der Autorin hat mich völlig in eine andere Welt versetzt. Mich mit den Protagonistinnen alle Emotionen durchleben lassen. Und ich sage euch, legt euch unbedingt Taschentücher bereit. Ich habe im Laufe der Geschichte mehrmals Gebrauch davon gemacht.

Izabelle Jardin führte mich gekonnt durch die Leben zweier Frauen in zwei Epochen. Sie hat alles so miteinander verwoben, dass ich den Eindruck hatte beide Ebenen gehören untrennbar zusammen.

Für das Finale des Buches hat sich Izabelle Jardin ein abgerundetes Ende ausgedacht, das mich völlig zufrieden mit dem Gelesenen zurückgelassen hat. Ich selbst hatte den Eindruck, dass nun alles erzählt war und keine weiteren losen Fäden mich unerfüllt zurückgelassen haben.

Eine unglaublich bild- und emotionsgeladende Erzählung, die mich immer weiter hineingezogen hat in die Geschichten beider Frauen. Mich hat es noch Tage nach dem Lesen nicht losgelassen. Ich kann euch das Buch absolut empfehlen und freue mich schon auf viele weitere Bücher der Autorin. Wer jetzt noch zögert zuzugreifen, der verpasst eine grandiose und unglaublich spannende Geschichte. Lasst euch das nicht entgehen.