Rezension

Spannende Dystopie mit nicht zufriedenstellendem Ende

LÚM - Zwei wie Licht und Dunkel
von Eva Siegmund

Bewertet mit 3.5 Sternen

Inhalt:

Meleike gehört zu der angesehensten Familie in der Trümmerstadt Adeva, und obwohl nur ein Teil der Fünfzehnjährigen jedes Jahr in der Nacht der Mantai eine Gabe erhält, erwarten alle von ihr, dass sie eine bedeutende Begabung bekommen wird. Doch sie geht leer aus - bis zu einem grausamen Zwischenfall, der eine herausragende Gabe enthüllt, die mit einer enormen Verantwortung verbunden ist ...

Flynn lebt in der Hauptstadt LÚM, doch er muss sein gesamtes Weltbild ändern. Seitdem er eine Gabe entwickelt hat, die in seiner Welt nicht existieren sollte, hat sich sein eigener Vater gegen ihn gewandt. Gefangen in einer immer schwarzen Zelle wächst Flynns Hass auf den grausamen Wissenschaftler - und der Wunsch, zu entfliehen ...

Meine Meinung:

Das Buch scheint ein Einzelband zu sein, und obwohl man sich in der Masse an Reihen, gerade im Fantasy-Bereich, ja über jeden Einzelband freut, hat das dieser Geschichte eher geschadet. Sie enthält unheimlich viel Potenzial, das in meinen Augen besser über mehrere Bände hätte ausgearbeitet werden sollen.

Die Grundidee ist nicht direkt neu - zerstörte Welt nach dem Dritten, ziemlich atomaren Weltkrieg. Neue Gesellschaftsordnung. Wie diese aufgebaut ist, fand ich aber eigentlich ganz interessant, ebenso, was die Mantai in Adeva, wo die Menschen noch glauben, allein zu sein, angeht. Letztendlich hätte ich mir viel mehr Informationen gerade zu diesen Aspekten gewünscht, die jedoch aufgrund der Kürze nur angerissen werden.
Auch am Ende bleiben einige Fragen offen, das Ganze wirkte wie ein Auftaktband, bei dem die eigentliche Geschichte erst passieren wird, und obwohl die Story selbst abgeschlossen ist, war das Ende für mich einfach nicht zufriedenstellend.

Die Geschichte wird hauptsächlich aus den Perspektiven von Meleike und Flynn im Er-Erzähler erzählt, zwischendurch kommen aber auch immer wieder andere Sichten wie die der Antagonisten hinzu, sodass hier Spannung geschürt wird und man einen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelten der meisten Charaktere erhält. Somit sind diese oft tiefgründig, da dem Leser auch Schuldgefühle und Zweifel übermittelt werden - auch bei den Antagonisten. Teilweise fand ich die Nebencharaktere fast vielschichtiger als die Protagonisten.
Was mir bei Meleike gefiel, war, dass sie ihre Fehler erkennt und auch an ihnen zu arbeiten versucht. Nach der Nacht der Mantai ist sie enttäuscht, doch mit der neu erweckten Gabe dann wiederum überfordert. Dennoch bemüht sie sich, damit klarzukommen und ihre Familie zu beschützen ist das Wichtigste für sie.
Das gilt auch für Flynn, wenn auch nur noch in Bezug auf seine Mutter. Seinem Vater gegenüber empfindet er dagegen nur noch glühenden Hass. Er akzeptiert die 180-Grad-Wende seines Weltbildes ziemlich schnell.

Teilweise wurde über so manchen Verlust etwas schnell hinweggegangen, auf der anderen Seite erforderten das aber auch die Umstände. 
Was die Liebesgeschichte angeht, so ist ansatzweise durchaus eine Entwicklung zu erkennen, auch wenn es insgesamt schon etwas schneller geht - auch, weil nicht mehr Raum vorhanden wäre.
Die Geschichte selbst wirkt allerdings kaum gehetzt, dennoch ist sie fesselnd erzählt und durchaus unterhaltsam und spannend. 

Fazit: Spannende Dystopie mit fantastischen Elementen und tiefgründigen Charakteren, allerdings auch mit einigen offenen Fragen am Ende