Rezension

total gruselig und beängstigend. super!

Irre Seelen - Graham Masterton

Irre Seelen
von Graham Masterton

Bewertet mit 4.5 Sternen

Inhalt:

Durch einen Autounfall kommt Jack Reed von der Straße ab, als er nach dem Opfer sucht. Mitten im Wald entdeckt er ein eindrucksvolles verlassenes Gebäude, das früher einmal eine Heilanstalt war. Er will das Haus unbedingt kaufen und es in einen Country Club umbauen. Doch die Anstalt birgt ein düsteres Geheimnis. Alle 135 früheren Patienten, durchweg höchstgefährliche Irre, sind eines Nachts verschwunden. Mit Hilfe von Druiden-Magie sind sie in die Wände des Gebäudes gelangt. Aber sie leben noch immer dort, durch einen Bannzauber von einem Priester eingesperrt, und wollen endlich freigelassen werden. Als Jacks Sohn Randy von den geisteskranken Patienten gekidnappt und ebenfalls in die Wände verschleppt wird, bleibt Jack keine andere Wahl, als ihre Forderungen zu erfüllen. Mit verheerendem Ergebnis - der Bannzauber wird aufgelöst und 135 Irre sind nun wieder auf freiem Fuß. Sie ziehen eine blutige Spur durch das ganze Land und scheinen nicht aufzuhalten zu sein..

 

Meine Meinung:

Jack Reed war mir von Anfang an nicht sonderlich sympathisch, wenn ich ehrlich sein soll. Er ist total egoistisch und sturköpfig und es ist seine eigene Schuld, dass sein Sohn Randy entführt wurde. Wer nimmt denn schon sein Kind mitten in der Nacht mit in ein längst verlassenes Gebäude, um nach einem Landstreicher zu suchen, der da haust?! Und lässt es dann auch noch alleine... Im Nachhinein erfährt man zwar, dass der Anführer der Irren, Quintus Miller, Jack vermutlich gezielt auf das Gebäude aufmerksam gemacht hat, aber das entschuldigt trotzdem nicht sein egoistisches und absolut unüberdachtes Verhalten (nicht nur an dieser Stelle des Buches).
Auch wenn ich den Hauptcharakter nicht so sonderlich mag (ist ok, kommt bei Horrorbüchern ja oft vor..), hat mir das Buch vor allem anfangs trotzdem sehr gut gefallen. "Irre Seelen" beginnt richtig gruselig, als man zum ersten Mal die Heilanstalt "the oaks" betritt, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Nach den ersten Seiten der Lektüre musste ich mich öfters mal in meinem Zimmer umschauen, ob nicht doch irgendjemand hinter mir steht. Der Autor hat es geschafft, eine richtig beängstigende Grundlage für die Geschichte zu schaffen. Es macht einem schon Angst, wenn man sich vorstellt wie lauter Verrückte direkt in den Wänden der Häuser, aber später auch direkt unter den Straßen, hindurchlaufen, und einen jederzeit schnappen und in den Boden ziehen können.
 

Im Laufe des Buches wird das Ausmaß des Schreckens zwar immer enormer, aber irgendwie kommt das Gefühl des Entsetzens nicht ganz rüber, die Spannung nimmt eher wieder ab, obwohl die Geschichte wirklich großes Potential hat. Meiner Meinung nach reagieren die Protagonisten, vor allem Jack, oft unangemessen oder zu flach und nicht ganz mit dem nötigen Ernst. Vielleicht ist das aber der Übersetzung zuzuschreiben. Aber allein schon, dass er das Stofftier seines verschleppten Sohnes auch nach dessen Verschwinden immer noch "Kackwurst" nennt, nimmt der Geschichte etwas von der Seriösitiät. Lachen kann ich über die sonderbaren Scherze und Bemerkungen irgendwie nicht, vieles wirkt einfach fehl am Platz.
Was Gewaltdarstellungen angeht, kann ich mich bei dem Buch wirklich nicht beschweren. Wie immer gilt hier natürlich: nichts für jeden. Ausführlichst beschreibt Masterton, wie die Opfer qualvoll in den Boden oder die Wände gezerrt und davor oft noch von den Irren verstümmelt werden. Gut gefiel mir außerdem, dass das Thema der Druiden-Magie bis zum Ende des Buches durchgezogen und weiter entwickelt wurde.
 

Fazit:

"Irre Seelen" ist an manchen Stellen sehr überzeugend, an anderen eher schwächer. Die Idee an sich ist super und top umgesetzt, mit hoher Portion an Grusel und Gewalt, das manchmal unpassende Verhalten bzw. die Charaktere an sich geben dann aber doch einen Punkt Abzug. Jack Reed pflügt ohne Rücksicht auf Verluste und ganz ohne zu trauern einfach durch die Geschichte..