Rezension

Ein Roman, der alle Klappen- und U4-Texte Lügen straft

Die gefährliche Mrs. Miller -

Die gefährliche Mrs. Miller
von Allison Dickson

Keine "höchste Gefahr", keine "gefährliche Mrs. Miller" und überhaupt: kein Thriller. "Die gefährliche Mrs. Miller" ist ein völlig anderer Roman, als man dank Klappentext und U4-Text erwarten mag.

Der U4-Text verspricht, dass zwei Frauen sich beobachten, dass die Vernachlässigung dieser Tätigkeit die Protagonistin Phoebe in höchste Gefahr bringt...
Der Klappentext hingegen behauptet, dass Phoebe sich kaum für den Wagen samt Stalkerin interessiere, dass es aber jene Stalkerin auf Phoebes gesamtes Leben abgesehen habe...
Der Roman hingegen erzählt eine Geschichte, die weder dem U4- noch dem Klappentext entspricht. Natürlich könnte man diesem leisen Vorwurf entgegenhalten, dass beide Texte nur einen Vorgeschmack auf den Roman bieten sollen, dass sie keineswegs den Roman 1:1 wiedergeben, aber sie wecken falsche Erwartungen und die werden leider enttäuscht.

Leider deswegen, weil sich der Roman eigentlich gut lesen lässt. Der Stil macht es einen leicht, in die Geschichte einzutauchen und die Beschreibung und Darstellung der Protagonistin, ihrer Gefühle, Gedanken, Ängste etc. sind eingängig und ausführlich. Das macht den ersten Teil (den fast noch spannendsten Teil des gesamten Romans, weil man als Leser viele lose Fäden in die Hände bekommt, sich viele verschiedene Abgründe auftun, sich wirklich jede Figur als merkwürdig und verdächtig-auffällig entpuppt) aber mehr zu einer Personenstudie als zu einem Thriller. Unglücklicherweise sind diese Personen aka Figuren ausschließlich alles andere als sympathisch. Phoebe erscheint, wenn auch nicht gerade einnehmend, doch immerhin authentisch. Immerhin schließt der erste Teil mit einer Wendung, die man so überhaupt nicht erwartet hätte und die dem Roman einen wirklich großen Pluspunkt einbringt. Doch auch dieser verpufft leider völlig ungenutzt. Im Gegenteil führt diese Wendung zu einem Handlungsverlauf, der nicht nur stark konstruiert und dadurch unglaubwürdig wirkt, sondern den Plot und die Twists auch zunehmend vorhersehbar machen. Und so hat der aufmerksame Leser am Ende auch den Coup durchschaut und den Mörder ermittelt – und zwar auch ohne die Autorin bzw. die zweite Hauptfigur, die einem die Lösung dann doch noch mal fein säuberlich präsentieren und erklären muss.

Und somit lautet mein abschließendes Urteil: Dem Roman fehlt leider die „gefährliche Mrs. Miller“. Stattdessen wartet er einen konstruierten Plot und wenig Spannung auf. Überzeugen konnte lediglich der erste Teil des Romans, dank der gelungenen Personenstudie - trotz unsympathischer Hauptfigur (dem einzig authentischen Element im ganzen Roman).