Rezension

Ein Unfall mit fatalen Folgen

Alles, was ich von mir weiß
von Adele Griffin

Bewertet mit 3.5 Sternen

Nach einem schweren Autounfall, hat die 16-jährige Ember ihr Gedächtnis verloren. Die letzten sechs Monate vor ihrem Unfall sind aufgrund eines schweren Schädel-Hirn-Traumas wie ausgelöscht. Erst nach und nach kommen die Erinnerungen, an jene schlimme Nacht zurück. Und auch daran, dass sie dabei einen Jungen, Anthony, getötet hat. Für Ember sind es vor allem die Schuldgefühle, die es ihr ganz schön zu schaffen machen. Und auch die vielen helfenden Hände, ihre Eltern, ihre beste Freundin Rachel oder ihr Exfreund Holden, können ihr bei der Bewältigung ihrer Gefühle auch nicht wirklich weiterhelfen... Und immer wieder kreisen Embers Gedanken um die Frage: Was ist in dieser Nacht bloß passiert? Und wer war Anthony? Auf der Suche nach den Antworten trifft sie zufällig Kai, einen Jungen, der ihr einfach nicht mehr aus dem Sinn gehen will...

Ich habe das Buch im Zuge einer Leserunde gewonnen, und möchte mich auf diesem Weg nochmal ganz herzlich beim Team und beim Verlag dafür bedanken!

Der Einstieg war für mich etwas komisch. Da ich kurz zuvor schon ein Buch zum Thema Gedächtnisverlust gelesen hatte, war mir vieles von dem Ember gesprochen hatte, natürlich nicht allzu fremd. Das war im ersten Moment ein klein wenig seltsam, hat sich aber nach und nach wieder gelegt!:D Zu Ember, der Hauptprotagonistin, habe ich mir bis zum Schluss keine richtige Meinung bilden können. Aus irgendeinem Grund mochte ich sie nicht wirklich. Sie war nicht grundsätzlich unsympathisch, versteht mich da nicht falsch, aber ich kam mit ihrer Art und Weise in mancher Hinsicht nicht so ganz zurecht. Schon alleine die Sache mit Kai fand ich schrecklich nervig! ER bestimmte immer wann sie sich trafen, ER kam meisten zufällig vorbei, und SIE ließ dann immer alles und jeden stehen und liegen, um sich in seine Arme zu werfen! Sie belog ihre Eltern und ihre Freunde seinetwegen, und machte einfach alles, um es IHM Recht zu machen. Ich fand das in diesem Moment einfach nur total schwach vom Ember! Zwar hat sich Kais merkwürdiges Verhalten am Ende logisch erklären lassen, aber in den jeweiligen Situationen gingen mir beide entsetzlich auf die Nerven! Eine zweite Sache, die mich immens gestört hat: Wie Ember die Leute in ihrem Umfeld behandelt hat! Vor allem Holden! Der arme Holden! Ember hat ihn benutzt und ihn dann fallen gelassen, anstatt sich mal ernsthaft mit ihm und seinen Gefühlen auseinander zu setzten. Und der gut aussehende, zuvorkommende, immer gut gelaunte, humorvolle und liebenswürdige Holden lässt sich das natürlich gefallen. Warum fragt ihr euch? Tja... Was macht man nicht alles aus Liebe...? Ihren Eltern gegenüber verhielt sie sich anfänglich noch ganz passabel, aber spätestens nach ihrem kleinen „Ausraster“ hätte ich sie echt schütteln können! Ich meine, was denkt sie denn bitte? Das ihre Eltern munter dabei zusehen, dass sie fast bei einem schweren Unfall draufgeht, und sie dann einfach wieder das machen lassen, was sie will? Schon klar, dass ihre Fürsorge in mancher Hinsicht vielleicht nervig war, aber welche Eltern würden ihr Kind nach einem solchen Erlebnis nicht bemuttern? Und Ember regte sich nur darüber auf. Im Ernst, da konnte ich echt nur noch mit den Augen rollen... Holden (Er ist einfach nur ein so goldiger Schatz von einem Freund!) und Rachel fand ich beide sehr sympathisch. Schon auf den ersten Seiten lernt man Embers beste Freundin, genannt Smarty, kennen, mit ihrer frechen und aufmüpfigen Art. Sie wirkte auf mich, wie eine gute und ehrliche Freundin (was sie öfter mal unter Beweis stellte, denn ja (!) sie sagt ihr Meinung deutlich!), die immer einen guten und lockeren Spruch auf den Lippen hat. Ich mochte sie total gerne. Kai und ich wurden bis zum Schluss leider keine Freunde. Diese riesige geheimnisvolle und mysteriöse Wolke die ihn umgab, hat mich mehrmals an den Rand der Verzweiflung getrieben! Er tauchte immer auf und verschwand, wann, wie und wo es ihm passte, war unzuverlässig, und meldete sich nie wie versprochen. Alleine schon die allererste Begegnung zwischen ihm und Ember hat nur ein einziges Gefühl bei mir hervorgerufen: Häh?!. Diese Begegnung war wirklich mehr als komisch; mit allem drum und dran! :D Ich konnte Ember aber in mancherlei Hinsicht auch verstehen, dass sie diese „Romanze“ mit ihm, als eine Art Neuanfang für sich sah: Sie ließ ihr altes Leben, und damit auch Holden, hinter sich, und nahm ihr „neues“ Leben in Angriff. Aber... Ich mochte ihn eben einfach nicht. Und die beiden zusammen, erst Recht nicht!

Ein riesiger Pluspunkt ist definitiv der Spannungsbogen! Trotz der teils, für mich, unsympathischen Charaktere, bleibt man an der Geschichte dran, weil immer die große Fragen über allem schwebte: Was ist in jener Nacht wirklich passiert? Und das wird wirklich bis zum Schluss offen gelassen! Man räselt die ganze Zeit hin und her: Kannten sich Anthony und Kai? Was steckt wirklich hinter ihm? Wird Ember ihre Erinnerung zurück bekommen? Und was ist überhaupt mit ihr? Wird sie nach jenem schlimmen Unfall, bei dem ein Mensch starb, wieder so sein können wie zuvor? Will sie ihr altes Leben überhaupt zurück? Fragen über Fragen, die Stück für Stück geklärt wurden. Das überraschende Ende hat mich dann auch etwas versöhnlich gestimmt. Es hat viele seltsame Momente und Erinnerungen auf logische Weise aufgeklärt. Hier war mir Ember auch so ziemlich das erste und einzige Mal nah; an der Stelle habe ich ihren Verlust erst so wirklich spüren und auch fühlen können. Insgesamt bin ich leider nicht wirklich mit ihr warm geworden. Ich war zwar gespannt, was genau in jener Nacht passierte und interessert am Verlauf der Geschichte, aber Embers Gefühlswelt ließ mich völlig kalt. Ich konnte mich nicht richtig in sie hineinversetzen und habe keinen wirklichen Draht zu ihr gefunden, was echt schade war, da die Geschichte an sich eine Menge Potenzial hatte!

Fazit: Ich vergebe sonst ungern halbe Sterne, aber hier konnte ich mich partout nicht entscheiden, ob ich nun drei oder doch vier Sterne vergeben soll. Die Story hatte grundsätzlich gute Ansätze und war definitiv spannend und interessant gestaltet. Allerdings wurde, meiner Meinung nach, Potenzial verschenkt... Deswegen „nur“ 3,5 Sterne von mir!