Rezension

Spröde aber großartig

Alles was glänzt
von Marie Gamillscheg

Bewertet mit 5 Sternen

Es fällt mir schwer, dieses Buch zu beschreiben, obwohl es mir sehr gefallen hat. Es ist relativ kurz und eine Handlung im klassischen Sinn gibt es wenig, es handelt sich eher um eine Momentaufnahme, die uns einen Ort und seine Einwohner vor Augen führt.

Ein kleiner Ort, der von Alters her vom Bergbau, später auch vom Tourismus lebte, ist im Niedergang begriffen. Ein Journalist aus der Hauptstadt macht alles schlimmer, ein Regionalmanager kommt, dessen Aufgabe niemand versteht, der Bürgermeister unternimmt hilflose Versuche, die Stimmung zu heben. „Die einen ziehen in die Stadt, die anderen setzen sich ins Auto und fahren sich tot“, fasst ein Einwohner die Situation zusammen.

Der Leser folgt einzelnen Einwohner*innen des Ortes durch ihren Alltag und ihre Gedanken im Angesicht des baldigen Untergangs. Ausgangspunkt ist der Unfalltod eines jungen Mannes. Der fortschreitende Verfall wird anhand einzelner kleiner Szenen beschrieben. Dabei wird vieles nur angedeutet, manche Ereignisse werden nie wirklich klar.

Durch die Erzählweise wird insgesamt eine düstere, hoffnungslose Atmosphäre erzeugt. Der Schreibstil ist reduziert und trocken, was gut zur Geschichte passt. Die Erzählung hat einen sehr durchdachten Aufbau und scheint komplett durchkomponiert. Dennoch wirkt sie nicht künstlich oder steif. Sie ist literarisch anspruchsvoll, aber meines Erachtens gut lesbar und nicht zu „verschwurbelt“.

Beim Lesen sind bei mir sofort Bilder vor dem inneren Auge entstanden und ich hatte das Gefühl, den Ort und seine Einwohner zu kennen. Das Buch lässt mich auch nach dem Lesen nicht mehr los. Ich bin beeindruckt von diesem Debüt!

[Diese Rezension beruht auf einem kostenlosen Leseexemplar]