Rezension

Ernste Warnung!

Süchtig - Lorenz Gallmetzer

Süchtig
von Lorenz Gallmetzer

Bewertet mit 5 Sternen

Es hätten wesentlich mehr Informationen sein können in diesem Buch, denn es verdient den Namen Sachbuch nur durch das Nachwort. Es handelt sich "lediglich" um eine Fallsammlung. Ich finde es aber trotzdem wichtig, dass derartige Warnungen unter die LeserInnen kommen, vor allem unter die, die Kinder zu erziehen haben oder selber gefährdet sind.

Vier substanzungebundene Süchte sind als Sucht anerkannt: Spielsucht, Internet(spiel)sucht, Kaufsucht und Arbeitssucht. Substanzgebundene Süchte sind alle Arten von Drogen und „Zaubertränke“, wie Prof. Musalek sie bezeichnet, weil sie einen „Zauber“ auslösen (positiver Impuls), Sexsucht, Esssucht/Essstörungen jedoch zählen nicht zu den klassischen Suchterkrankungen. Man behandelt sie auch anders.

In „Süchtig“ zeigt der Autor Gallmetzer 14 Fallbeispiele, aufgenommen am Anton-Proksch-Institut in Kalksburg, einer Suchtklinik am südlichen Stadtrand Wiens, wovon eines davon sein eigener Fall ist.  Jedes Beispiel, ob Spielsucht, Alkoholsucht, Drogensucht oder Medikamentensucht betreffend bzw. je eine andere Abhängigkeit ist ein Schicksal, das anrührt und auch Angst macht. Die Sucht kann jeden treffen, der Suchtpotential im gesellschaftlichen Kontext unterschätzt.

Man begreift, man kann jederzeit in den Teufelskreis der Abhängigkeit geraten und das wieder Herausfinden funktioniert nicht mit Willenskraft oder mithilfe eines starken Charakters, da eine Suchterkrankung fast immer mit einer anderen psychischen Störung unterlegt ist. Ein Suchtkranker oder eine Suchtkranke ist eben wirklich k r a n k und stellt sich nicht einfach mal ein bisschen an.

Im Nachwort des Facharztes für Psychiatrie und Neurologie, Dr. Michael Musalek, Wien, stellt der Arzt einen Paradigmenwechsel in der Suchtbehandlung, das sogenannte Orpheusprinzip vor, nicht die Abstinenz, also der Verzicht wird betont, sondern, das, was das Leben lebenswert macht, gilt es wieder zu entdecken und wieder zu gewinnen.

Fazit: Suchtpotential und Verhalten, das zur Sucht führt, wird häufig unterschätzt. Es ist daher nie verkehrt, einige Berichte darüber zu lesen, mindestens zur Aufklärung.

Kategorie: Sachbuch
Verlag: Kremeyr & Scheriau, 2016
 

Kommentare

naibenak kommentierte am 28. September 2016 um 08:56

Prima! Danke für die bereits überaus interessante Zusammenfassung. Ein toller Ansatz-dieses Orpheusprinzip. Und so wichtig!!!!