Rezension

Gelungener Wissenschafts-Thriller mit einem beängstigenden Blick in die Zukunft

Neanderthal
von Jens Lubbadeh

Bewertet mit 4 Sternen

Der Autor Jens Lubbadeh entführt seine Leser in diesem gelungenen Wissenschafts-Thriller in eine nicht allzu weit entfernte Zukunft und entwirft dabei ein doch ziemlich beängstigendes Szenario.
Im Deutschland des Jahres 2053 ist fast das gesamte Leben auf das Thema Gesundheit ausgerichtet, Krankheiten und Behinderungen sind fast komplett verschwunden, die Optimierung der Menschheit beginnt auch schon weit vor der Geburt.
Doch der Wunsch bzw. die Besessenheit nach Perfektion und Schönheit hat auch seine Nebenwirkungen, die sich vor allem in einer steigender Zahl an Menschen zeigt, die an einer besonders ausgeprägten Form von Depression erkranken.

Eine seltsame aussehende Leiche führt den Düsseldorfer Kommissar Christoph Nix, der in dieser neuen Welt nur schwer zurechtkommt, zu einem Massengrab im Neandertal. Die dort gefundenen Knochen entpuppen sich dann auch als Überreste von Neandertalern, sind aber überraschenderweise nur knapp 30 jahre alt.
Als Nix den gehörlosen Anthropologen Max Stiller und dessen Kollegin Sarah Weiss um Hilfe bittet, stoßen die drei auf das Projekt "Neanderthal" und geraten dabei ins Visier einer Verschwörung, die alle Spuren zu diesem Projekt mit aller Macht vernichten will. 

Mit einem packenden Schreibstil und einer intelligent aufgebauten Geschichte liefert der Autor hier einen über weite Strecken perfekten Mix aus Spannungsmomenten und wissenschaftlichen Theorien bzw. Hintergründen und weiß dabei auch immer wieder mit überraschenden Wendungen zu überzeugen.
Die Charaktere sind zudem überwiegend sehr lebendig und vielschichtig gezeichnet.
Die Auflösung im letzen Abschnitt gerät dann zwar durchaus überzeugend und nachvollziehbar, weist aber doch ein paar kleine Schwächen auf. Der wissenschaftliche Anteil gerät hier streckenweise doch etwas zu langatmig und nimmt so ein wenig das Tempo und somit auch die Spannung aus der Geschichte.

Dieser Aspekt kann den insgesamt überzeugenden Gesamteindruck aber nur wenig trüben.
Wer auf Thriller mit wissenschaftlichem Hintergrund steht, wird hier bestens bedient und unterhalten.