Rezension

Schönes Debüt mit kleinen Schwächen

Zwischen Ewig und Jetzt - Marie Lucas

Zwischen Ewig und Jetzt
von Marie Lucas

Bewertet mit 3.5 Sternen

Am ersten Tag auf der neuen Schule hat Julia nur ein Ziel: sie will ihre Vergangenheit vergessen und die Unbeschwertheit einer 16-Jährigen zurück. Deshalb ignoriert sie ihr Interesse an Niki, dem Außenseiter der Klasse, was nur Stress bedeuten kann. Bei Felix fühlt sie sich wohl, kann Spaß haben und sich wieder Gedanken über sinnlose Dinge machen. Auch wenn sie ihm gegenüber nicht ganz ehrlich ist. Doch dann gerät ihre Welt wieder ins Schwanken als Niki zu ihr kommt mit einer Botschaft von ihren Opa. Der ist allerdings tot. Für Niki kein Problem. Er kann mit Verstorbenen reden.

„An Liebe auf den ersten Blick glaubt jeder, oder fast jeder. Aber es gibt auch die Trennung auf den zweiten. Von Menschen, die man sich einfach nicht erlauben kann. Weil sie zu schön sind, zu allein. Oder weil sie ein Geheimnis haben.“ S. 5

Als ich „Zwischen Ewig und Jetzt“ zum ersten Mal sah, sprach mich zu nächst nur das Cover an. Das Motiv ist nicht nur unglaublich schön – und ein wenig schaurig! – sondern auch farblich toll abgestimmt. Ein dickes Lob an den Gestalter! Etwas Besonderes ist auch das Format des Buches: es ist ein kleines Hardcover – etwas größer als ein Taschenbuch und mit einem Hardcover. Ich mag dieses Format unheimlich gern, weil es einen festen Einband hat, aber nicht so schwer in der Hand liegt, wie das übliche Hardcover.

„Wir sind alle Engel, wenn wir lieben. Nur die Berührung mit der Erde macht uns sterblich.“ S. 368

Der Einstieg beginnt mit dem Moment als Julia ihren ersten Tag an der neuen Schule hat und dabei zum ersten Mal Niki sieht. Ihre Gefühle schlagen Purzelbäume, weshalb man sehr schnell weiß, das zwischen den beiden noch was passieren wird, auch wenn es zu nächst nicht so aussieht. Diese Purzelbäume bekommt der Leser unzensiert mit, da die Geschichte aus ihrer Sicht geschildert wird. So bleibt einen auch nicht verborgen, dass auch Julia etwas verheimlicht. Das wird nach und nach von ihr Preis gegeben und sorgt vor allem am Anfang für eine gewisse Spannung, da der Hauptstrang, erst etwas später richtig ins Rollen kommt.

Julia ist ein Hauptcharakter, der einen sehr schnell sympathisch wird. Das wird vor allem durch Mitleid bestimmt, da etwas in ihrer Vergangenheit passiert ist, was ihr sehr zu schaffen macht. Dadurch drückt man auch ein Auge zu, wenn sie zu ihren neuen Freunden nicht ganz ehrlich ist. Allerdings verwirkt sie das mehr und mehr, je näher das Ende rückt. Denn ab einen bestimmten Punkt, begann Julia mich ein wenig zu nerven. Zum einen konnte ich es nicht mehr mit ansehen, wie sie Felix ausnutzt. Denn es entspinnt sich eine Dreiecksbeziehung zwischen Julia, Felix und Niki. Dem Leser ist schnell klar, wer den Kürzeren ziehen wird, Julia braucht da ein bisschen länger. Mir tat Felix dann unheimlich leid, weil er Julia wirklich liebt und sie auch gewisse Gefühle für ihn hat, aber mehr Interesse an dem Gefühl hat, was ihr Felix vermittelt: Unbeschwertheit.
Dazu kommt ihre Passivität hinzu, die am Anfang noch sehr gut reinpasst, aber später für die Geschichte hinderlich ist. Für Aktion sind eher Niki & Felix zuständig. Die beiden sind wiederum echt klasse! Vor allem Felix konnte mich überraschen, da ich ihn zu nächst für einen überheblichen Womanizer hielt. Sehr schnell musste ich meine Meinung über ihn ändern, weil er zwar ein wenig arrogant sein kann, aber im Grunde ein echt guter Kerl ist, der es mit Julia ehrlich meint. Ihn und Niki lernt ihr dann auch besser kennen als herauskommt, dass sie früher einmal befreundet waren. Die langsame Aufarbeitung ihrer Beziehung bzw. ihrer Vergangenheit, ist mit das schönste am Buch, da die beiden dadurch sehr tiefgründig und real wirken.
Hinter dem Klappentext verbirgt sich auch mehr, wie es scheint. (Wieso ich auch nicht zu viel von der Geschichte verraten möchte.) Eines der dicken Pluspunkte von „Zwischen Ewig und Jetzt“ sind die vielen kleinen Handlungsstränge, die sich immer mehr verdichten und zum Schluss zusammenlaufen. Dadurch ist eine sehr vielfältige Geschichte entstanden, die nicht nur Mystery-Fans etwas bieten kann, sondern auch mit kleinen Krimielementen zum mit Rätseln animiert.

„Und dann kommt Niki herein, und wie immer klopft mein Herz schneller, das dumme Ding. Ich hasse mein Herz. Es tut nie, was es tun soll.“ S. 14

Marie Lucas kann stolz auf ihr Debütwerk sein. Es mag ein paar kleine Schwächen haben, begeistert aber mit einen tollem Genré-Mix, vielen Überraschungen und einer schönen grusligen Atmosphäre. Auch Marie Lucas Schreibstil lässt hoffen, dass wir bald mehr von ihr lesen dürfen.