Rezension

Unterhaltsames Wintermärchen, das mich nicht wirklich fesseln konnte

So kalt wie Eis, so klar wie Glas
von Oliver Schlick

Bewertet mit 3 Sternen

Inhalt:

Nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter taucht auf einmal Coras tot geglaubter Großvater auf, der sich dann auch noch als berühmter Schneekugelmacher und Nachfahr des ersten Schneekugelmachers herausstellt. Kurzerhand zieht Cora zu ihm in den abgelegenen Ort Rockenfeld. Schnell wird auch sie von der Faszination der Schneekugeln ergriffen, doch gleichzeitig stößt sie auf Geheimnisse. Wer ist der Fremde, der eines Tages in der Werkstatt ihres Großvaters auftaucht? Und wieso behauptet er, Cora sei in Gefahr?

Meine Meinung:

So richtig zu fesseln vermochte mich das Buch nicht. Das mag daran liegen, dass die Elemente zu Beginn, mit denen Spannung aufgebaut wurde, nicht direkt neu sind - der Tod der alleinerziehenden Mutter, Umzug in ein abgelegenes Dorf mit Geheimnissen, ein verschwundenes Mädchen vor einigen Jahren, ein belauschtes Gespräch mit noch mehr Geheimnissen ... Wobei man Cora zugutehalten muss, dass sie zumindest nicht wie sonst mit Trotz und Stursinn reagiert, sondern offen eingestellt ist.
Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich das Buch teilweise nicht ernst nehmen konnte. Zum Beispiel, wenn Cora urplötzlich das brennende Verlangen verspürt, auch eine Schneekugelmacherin zu werden und ihr Großvater dann pathetisch verkündet, die Kugeln hätten sie „auserwählt“.

Dabei ist es nicht so, dass die Idee nicht sogar ziemlich cool wäre: Mythen werden verwoben mit der Kunst der Schneekugeln und der winterlichen Atmosphäre. Die Idee selbst ist somit sogar durchaus ungewöhnlich.
Die Geschichte des Einzelbandes lässt sich auch flüssig durchlesen, erzählt aus der Ich-Perspektive von Cora im Präsens mit einem lockeren, leicht humorvollen Schreibstil.

Was ich vollkommen verpasst habe, ist die Entwicklung der Liebesgeschichte. Zwischen „Wer ist er?“ und „Ich bin unsterblich verliebt“ kam irgendwie nichts, dementsprechend konnte ich die Gefühle auch nicht nachempfinden. Eigentlich schade, denn hier war unheimlich viel Potenzial enthalten.
Außerdem blieb der Love Interest eher blass, was bei den anderen Charakteren überhaupt nicht der Fall ist. Viele sind vielschichtig, die meisten exzentrisch und ausgefallen. Sei es die tollpatschige, aber liebenswürdige Elsa mit ihrer leicht burschikosen Art, der betont schwule, ironische und aufgedrehte Moritz oder eine andere Schneekugelmacherin im Dorf, Marlene, deren Kugeln morbide, oft brutale Szenen darstellen. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen.
Unterhaltung bot das Buch generell auf jeden Fall, gerade durch die Charaktere, aber auch durch Coras Sarkasmus. Im Allgemeinen war Cora eine angenehme Protagonistin - selbstbewusst, entschlossen zu handeln, tatkräftig.

Fazit: Unterhaltsames Wintermärchen mit einer faszinierenden Idee und exzentrischen Charakteren, leider aber auch einer überhaupt nicht nachvollziehbaren Liebesgeschichte, das mich nicht wirklich fesseln konnte