Rezension

Alte Seilschaften

Schlüssel 17
von Marc Raabe

Bewertet mit 3 Sternen

Tom Babylon ist ein junger Kommissar in Berlin, der zu einem außergewöhnlich grausamen Mord gerufen wird. Im Dom findet sich die aufgehängte und brutal gefolterte Leiche einer bekannten Kirchenfrau, Brigitte Riess. Was Babylon jedoch mehr erschüttert als das Verbrechen an sich ist der Schlüssel, der sich am Hals der Toten befindet. Nummer 17 steht darauf, und Babylon kennt diesen Schlüssel. Fast zwanzig Jahre zuvor, als 14jähriger, haben er und seine Clique einen Toten im Kanal gefunden, der einen identischen Schlüssel um den Hals trug. Und zur selben Zeit verschwand auch seine kleine Schwester. Doch dann gehen die Ermittlungen völlig schief und jemand dezimiert Babylons alte Clique, und der Schlüssel spielt dabei eine immer wiederkehrende Rolle.

Positiv an dem Krimi fand ich die gute, flüssige Schreibweise des Autors und wie routiniert er seinen Fall entwickelte. Kurze, knackige Kapitel hielten bei der Stange. Überhaupt nicht anfreunden konnte ich mich mit Babylon selbst, dem Hauptdarsteller. Ich empfand ihn als unprofessionell und nervig, und eigentlich gehört er in ernsthafte psychologische Behandlung, wenn nicht sogar richtig in die Klapse. Er läuft permanent auf Medis, sieht seine tote und/oder verschwundene Schwester ständig bei sich und labert mit ihr. Hört sich das gesund an? Und wie er gleich zu Beginn den Tatort völlig kontaminiert hat, war unter aller Sau. Mir war jedenfalls der Polizist, der als Antagonist herhalten sollte, Morten, bedeutend näher und sympathischer, obwohl er zweifellos ein Ar... ist. Warum man auch wieder böse Ex-DDR-Behörden samt Stasi aus der Mottenkiste auspacken musste, kapiere ich auch nicht. Es hätte ein richtig guter Thriller werden können, wenn die Lösung am Ende nicht so absurd und abgedroschen gewesen wäre.

Kommentare

lex kommentierte am 19. Februar 2018 um 10:31

Irre Ermittler sind offenbar IN. Detective Wolf und Co sind ja auch ein Fall für den Psychiater. :-)

Vielleicht sollten die Autoren aber auch einfach mal versuchen, ein bisschen weniger überkandideltes Drama in ihre Bücher zu packen

e-möbe kommentierte am 19. Februar 2018 um 12:59

Hast du das Buch schon gelesen? Es hat schon Spaß gemacht, aber man darf echt nicht eine Sekunde lang sein Hirn einschalten. :D

lex kommentierte am 19. Februar 2018 um 13:11

Nein, noch nicht und bisher hatte ich es auch nicht vor. Wenn du meinst, es macht Spaß (mehr Spaß als Ragdoll ;-)), dann lese ich mal rein. Das Hirn ist praktischerweise sowie gerade ausgeschaltet, Stichwort Jordan Harper.

e-möbe kommentierte am 19. Februar 2018 um 16:31

Bei Jordan hab ich das Hirn ab- und Popcorn bereitgestellt. Dann macht es richtig Spaß. Schreiben kann er ja, nur WAS er schreibt, ist halt übelst Unsinn. Manchmal bis meistens. :D

Ich würde Schlüssel 17 als geringfügig besser als Ragdoll einstufen.

lex kommentierte am 19. Februar 2018 um 17:25

Geringfügig besser? Ooooooch, ist in der Wuli gerade wieder weit nach unten gerutscht. :-D