Rezension

Auerhaus

Auerhaus
von Bov Bjerg

Bewertet mit 3.5 Sternen

3,5 Sterne

Sechs Freunde und ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht in Ordnern mit der Aufschrift Birth - School - Work - Death abgeheftet werden. Deshalb ziehen sie gemeinsam ins Auerhaus. Eine Schüler-WG auf dem Dorf - unerhört. Aber sie wollen nicht nur ihr Leben retten, sondern vor allem das ihres besten Freundes Frieder. Denn der ist sich nicht so sicher, warum er überhaupt leben soll. 

Der Schreibstil von Bov Bjerg ist sehr reduziert. Es tuchen sehr viele sehr kurze Sätze auf, Dialoge sind rar und wenn sie vorkommen, sind sie sehr spartanisch. Alles wirkt sehr minimalistisch.
Auch das Kennenlernen der Charaktere lief sehr kurz ab. Mit ihnen konnte ich mich leider so gar nicht identifizieren, ihre Einstellungen und Denkweisen waren mir zu abstrus. Das mag wohl daran liegen, dass ich die Zeit in welcher das Buch spielt, die 80er, nicht miterlebt habe und weit danach aufgewachsen bin. Daher kamen mir viele Sorgen, Probleme und Nöte der WG unrealistisch vor. 
Das Buch ist in drei Kapitel unterteilt, wobei das zweite das mit Abstand längste ist. Die Kapitel sind in viele kurze Unterkapitel geteilt, in welchen oft von Szene zu Szene gesprungen wird. Das Buch ist insgesamt sehr schnelllebig, die Szenen wechseln oft, die Gedanken der Charaktere springen von einer Sache zur Nächsten. Nichtsdestotrotz ist die Handlung nachvollziehbar, man muss nur viel über das Gelesene nachdenken um bestimmte Aktionen oder Zusammenhänge zu verstehen.
Die Handlung selbst hat mir jedoch gut gefallen, sie ist vielschichtig, zeichnet das Leben der sechs zumindest partiell gut nach. Die Stimmung ist meist eher gedrückt, Stimmungswechsel werden trotz der reduzierten Sprache des Autors kenntlich, so dass der Leser immer mitten im Geschehen drin ist.
Insgesamt konnte ich mit ‚Auerhaus‘ nicht so recht warm werden, was wohl daran liegt, dass das Buch in einer Zeit spielt, mit der ich absolut nichts verbinde, von der ich keine persönlichen Eindrücke habe.