Rezension

Frauen an die Science Fiction Front!

Unter uns die Nacht - Becky Chambers

Unter uns die Nacht
von Becky Chambers

Bewertet mit 5 Sternen

Vor langer Zeit, als die Erde unbewohnbar wurde, klaubten die Menschen alles Brauchbare zusammen, bauten sich riesige Wohnraumschiffe und begaben sich ins All, auf der Suche nach Planeten, die sie besiedeln könnten. Generationen später trafen sie auf die Galaktische Union, die ihnen half auf den Schiffen zu überleben, die aber auch skeptisch ob einer Eingliederung der primitiven Exodaner (der geflüchteten Menschheit) gegenüberstanden.

Längst haben sie sich mit Tradition und geregeltem Umgang mit den knappen Ressourcen auf ihren Schiffen, die jetzt eine kraftspendende Sonne umkreisen, eingerichtet. Man arrangiert sich mit den verschiedenen Lebensformen der GU und diese wiederum akzeptieren die Menschen. Die ursprüngliche Mission, bewohnbare Planeten zu finden, ist zwar erfüllt, doch wagen nur wenige Menschen den Schritt auf den festen Boden. Alles was primär nur dazu gedacht war, die geistige und körperliche Gesundheit des Homo Sapiens auf seinem Exodus von der Erde zu erhalten, ist zu einem festen Bestandteil ihrer Lebensweise geworden.

Die heranwachsenden Kinder und die importierten Technologien, die Arbeitsplätze in Frage stellen, sind es, die das System in Frage stellen. Hier beendet Becky Chambers ihre Trilogie aus dem Wayfarer Universum, das so aufregend fremd und doch seltsam vertraut scheint. Erstaunliche Techniken und gewöhnungsbedürftige Lebensformen, mit all ihren Eigenheiten und Bedürfnissen fügen sich in die altbekannten Herausforderungen, die wir Menschen von jeher zu bewältigen haben: Erziehung der Kinder, Liebe und Tod, sprich, das Leben in all seinen Stadien.

Die Autorin überzeugt mit Einfühlsamkeit und Tiefgang. Sie setzt ihre Geschichte zwar in ein zukünftiges Universum mit vielen Außerirdischen, fordert den Leser aber heraus, darüber nachzudenken, was uns ausmacht, was wir wollen und was uns erwarten könnte. Werden wir dem gewachsen sein? Vieles erinnert an schon Geschehenes und ich erwischte mich beim Lesen immer wieder dabei, dass ich versuchte, die "Gegenstücke" im Hier und Heute zu entdecken, die Chambers vielleicht kryptisch anzuprangern versucht hatte. Aber die wunderbaren Aliens haben mit ihrer Andersartigkeit gleichzeitig ein ordentliches Gegengewicht zum irdischen Einerlei geschaffen und lassen hoffen, dass alles gut wird.

Ein positiver Science Fiction der mit wenig Rumgeballere und Weltraumschlachten auskommt, der die "weibliche" Seite der Zukunft in den Mittelpunkt rückt. So gewinnt man die "zweite Hälfte" der Leserschaft! Ich habe sie sehr gern gelesen!

Kommentare

wandagreen kommentierte am 27. Juni 2020 um 11:18

Oh, wieder 5 Sterne. Das muss ja gut sein.

 

Emswashed kommentierte am 27. Juni 2020 um 11:25

Die Meinungen sind geteilt, aber wenn man, so wie ich, beeinflußbar ist, blendet man alle Unzulänglichkeiten schnell aus! ;-)