Rezension

Sicher nicht jedermanns Sache - ich fand es toll

Die letzte Flaschenpost - Annika Kemmeter

Die letzte Flaschenpost
von Annika Kemmeter

Ein Buch, das polarisiert und in kein Genre wirklich passt - mir hat es gefallen

Kunststudent Janis lernt Angelina kennen und lieben. Doch liebt sie ihn auch? Sie ist geheimnisvoll, widersprüchlich, sprunghaft - und die Enkelin des berühmten Dichters Otto Maaßen, den Janis verehrt. Als Ottos Tod bekannt wird, schwimmen mehrere Flaschenposten mit seinen letzten Gedichten, somit quasi seinem Vermächtnis, im Rhein. Er hat das so gewollt. Janis und Angelina machen sich auf den Weg den Rhein hinunter auf die Spur der Flaschenposten, die nach und nach gefunden werden und kommen so Angelinas Familiengeheimnis auf die Spur.

Wer ist dieser Otto Maaßen wirklich? Was hat er mit den Gedichten in den Flaschenposten bezweckt? Und warum hat er Janis das Versprechen abgenommen, auf Angelina aufzupassen? Welches dunkle Geheimnis lastet ihr auf der Seele? Janis will Wahrheiten, und Flaschenpost zu Flaschenpost kommen sie dieser näher. Und Angelina weiß, dass sich ihr Leben verändern wird, wenn alles ans Licht kommt.

Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen. Der Schreibstil ist einfach wunderbar und so ganz anders, als ich es gewohnt bin. Ich kann ihn nur als komplex bezeichnen. Es werden im Text immer wieder essentielle Fragen gestellt, die wahrscheinlich dazu da sind, den Leser zum Nachdenken und Interpretieren zu animieren. Das ist der Autorin zumindest bei mir vortrefflich gelungen. Während des Lesens bin ich geschwankt zwischen Begeisterung für die Geschichte und Unverständnis für die Protagonisten.

Hineinfühlen in die Protagonisten konnte ich mich nicht, weil ich die Gedankengänge nicht nachvollziehen konnte. Da ist zum einen Janis, der sich in Angelina verliebt hat und alle ihre Macken und Unzulänglichkeiten akzeptiert, ohne großartig nachzufragen. Selbst als er annehmen muss, dass sie ihn heftig hintergangen hat, hält er zu ihr. Das ist einerseits wirklich nobel von ihm, andererseits dachte ich immer, er müsse doch irgendwann mal aufwachen.

Auf der anderen Seite steht Angelina, von der ich das Gefühl habe, dass sie einfach nicht ehrlich ist, tut, was sie will, ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer. Kann das mit den beiden wirklich passen???

Das Ende hat mich absolut überrascht. Es kam völlig anders als erwartet und das ist einfach großartig.

Das ist definitiv kein Buch zum Abschalten. Der Leser braucht Ruhe und Geduld mit sich selbst und Angelinas Geschichte und muss bereit sein, über den Sinn des Lebens, Kunst und die in diesem Fall absolut nicht romantische Liebe nachzudenken. Komplexe Gedankengänge ziehen sich durch die gesamte Geschichte und das Thema Kunst ist immer präsent.

Angelina Kemmeters literarische Wortgewalt sucht sicher seinesgleichen. Die Geschichte braucht Zeit, Geduld und den Willen, sich auf ein außergewöhnliches literarisches Werk einzulassen und ist sicher nichts für Jedermann. Wer sich jedoch durcharbeitet, wird mit einer Fülle von Ansichten belohnt, die zum Nachdenken anregen. Als Bewertung gebe ich volle 5 von 5 Sternen.