Rezension

"Das Vermächtnis des Vaters" von Jeffrey Archer

Das Vermächtnis des Vaters
von Jeffrey Archer

Bewertet mit 4 Sternen

Bei "Das Vermächtnis des Vaters" handelt es sich um den zweiten Teil der Clifton-Saga, die sich rund um die Familen Clifton und Barrington dreht. Der erste Teil war definitiv eines meiner Jahreshighlights. HIER könnt ihr nochmal nachlesen, warum das so war. Nun endlich also der zweite Teil, auf den ich nach dem miesen Cliffhanger in Band 1 schon sehnsüchtig gewartet habe.
 

Inhalt
Harry Clifton, aufgewachsen bei den Hafendocks in Bristol, und Giles Barrington, Nachkömmling einer großen Schifffahrt-Dynastie, verbindet seit ihrer Jugend eine tiefe Freundschaft. Aus der Enge des Arbeitermilieus hat Harry es auf eine Eliteschule geschafft und steht als junger Mann jetzt an der Seite seiner großen Liebe Emma, der Schwester von Giles. Mit dem Eintritt Englands in den Zweiten Weltkrieg 1939 werden die Schicksale beider Familien erschüttert. Giles gerät in Kriegsgefangenschaft und Harry verschlägt es von Bristol nach New York, wo er eines Mordes angeklagt und verhaftet wird. Emma, macht sich auf, um den Mann zu retten, den sie liebt ...

Am Ende des ersten Teils musste der Leser hilflos mit ansehen, wie Harry bei der Einreise in die USA verhaftet wurde, da er sich dort unter falschem Namen ausgab. Natürlich konnte ich es daher kaum erwarten, endlich zu erfahren, wie es mit Harry weitergeht. Und obwohl schon der erste Teil einen eher gemächlichen Schreibstil hatte und nicht ständig nur Tempo hinter der Story war, habe ich mir auch bei Teil 2 wieder eine spannende Geschichte versprochen.

Obwohl ich ehrlich sagen muss, dass ich mir nicht mehr an jedes Detail erinnern konnte (obwohl ich das Buch erst vor wenigen Wochen gelesen habe), war ich doch recht schnell wieder in der Geschichte drin. Kleinigkeiten waren vielleicht nicht mehr ganz präsent, aber das große Ganze war damals so beeindruckend, dass ich mich daran auf jeden Fall noch erinnern konnte. Auch die Figuren waren sofort alle wieder da, mit ihren Fehlern und Eigenheiten.

Die Geschichte umfasst, wie schon erwartet, die Handlung aus mehreren Jahren. Die Protagonisten sind zu Anfang über den ganzen Globus verteilt und mehr als einmal habe ich mir gefragt, wie die jemals wieder ein gemeinsames Schicksal haben sollen. Doch irgendwie sind sie trotzdem die ganze Zeit miteinander verknüpft - Harry, der zu Anfang in Amerika im Gefängnis sitzt, Giles, der doch noch dem Militär beitritt und direkt an der Front landet und Emma, die  zwischenzeitlich Harrys Sohn zur Welt gebracht hat und nicht daran glaubt, dass der Vater ihres Kindes tatsächlich tot ist.

Im Aufbau des Buches tauchen allerdings schon einige Unterschiede zum Vorgänger auf. Wo Spiel der Zeit noch flüssige Übergänge zwischen den einzelnen Zeit- und Personensprüngen hatte, war das im Nachfolger etwas holprig. Das Buch ist eingeteilt in Kapitel aus Sicht der verschiedenen Protagonisten, in denen eine bestimmte Zeitspanne erzählt wird. Dabei kann es gerne mal vorkommen, dass die Geschichte mit einer anderen Person wieder zurück in eine Zeit springt, die ein anderer Charakter bereits erlebt hat. Das verleiht dem Ganzen noch eine unglaubliche Spannung und erhält die Kurzweiligkeit.

Die meisten "Kapitel" enden dabei mit einer kleinen Cliffhanger, doch dieses Mal hat mich das ein wenig gestört. Bestimmte Gegebenheiten wurde einfach unter den Tisch gekehrt, ohne sie dem Leser ausreichend zu erklären. Das war im Vorgänger echt besser gelöst, da blieben keine offenen Fragen. Aber dieses Mal wird Harry auf dem einen Kontinent verwundet und wacht auf dem anderen wieder auf, im Kreise seiner Familie, aber wie er da hingekommen ist? Da darf sich der Leser gerne selbst ne Erklärung für geben...

Und obwohl mich der Rest der Charaktere begeistern konnte, hatte ich dieses Mal echt Schwierigkeiten mit Emma, die zwar eine riesen Entwicklung durchmacht, dabei blieb ihre Glaubwürdigkeit aber leicht auf der Strecke. Nicht nur, dass die ihre Kleinkind einfach mal so für mehrere Monate in England zurücklässt während sie selbst sich nach Amerika begibt. Viel schlimmer fand ich ihre Einstellung Harry gegenüber. Ich meine, jeder, der herausfindet, dass der eigene Partner eventuell der eigene Bruder ist, würde doch wohl eher nicht zum Alltag übergehen und so tun, als würde es diesen Verdacht nicht geben.

Doch trotz dieser Stolpersteine flogen die Seiten nur so an mir vorbei, da Jeffrey Archer einen flüssigen, klaren Schreibstil hat. Die Geschichte nimmt einen von der ersten Seite an an die Hand und es fällt schwer, das Buch wieder zur Seite zu legen. Trotz einiger logischer Unebenheiten kam keine Langeweile auf und auch die Charaktere haben sich mal mehr, mal weniger entwickelt.

Sehr spannend war für mich aber der Umstand, dass Harry (der immerhin seinen Nachnamen für die Namensgebung der Saga hergeben musste) nur am Anfang und am Ende des Buches wirklich richtig auftritt. Zwar ist er immer wieder Thema, doch dabei tritt er zumeist passiv auf. Das Buch wird vor allem durch die Nebencharaktere ausgemacht, von denen allerdings recht viele ihr Leben lassen müssen, weswegen ich schon gespannt bin, wie Jeffrey Archer das dritte Buch der Reihe aufbauen wird.

Insgesamt reicht Das Vermächtnis des Vaters nicht an seinen Vorgänger heran, der allerdings mit vollen 5 Punkten kaum erreichbar war. Zusammenhänge werden nicht richtig herausgearbeitet und die Handlungen mancher Charaktere waren eher weniger nachvollziehbar. Trotzdem hat mich die Story wieder fesseln können und das Buch war in wenigen Tage durchgelesen. Nun warte ich sehnsüchtig auf Band 3, der am 11. April 2016 auf dem Buchmarkt erscheinen wird.