Rezension

Leben in der Dunkelheit

Königreich der Schatten: Die wahre Königin - Sophie Jordan

Königreich der Schatten: Die wahre Königin
von Sophie Jordan

Bewertet mit 3 Sternen

Sophie Jordan kennt der Jugendbuch Leser ja vielleicht schon von Infernale oder Firelight. Ich selbst habe von der Autorin noch nichts gelesen und somit ging ich ganz unvoreingenommen an Die wahre Königin heran.

Eine Welt in ewiger Finsternis
In der von der Autorin geschaffenen Welt herrscht ewige Dunkelheit. Eine unnatürliche, anhaltende Sonnenfinsternis macht das Königreich Relhok zu einem finsteren Ort und als wäre die ewige Nacht, die nur von einer Stunde Licht am Tag unterbrochen wird, nicht schon schlimm genug, lauern in der Dunkelheit gefährliche Monster, die alles fressen, was in ihren tentakelbewährten Schlund passt.
Sophie Jordan gelingt es mit der Schilderung dieses finsteren Ortes eine packendende, dichte Atmosphäre zu erzeugen, ohne den Jugendbereich durch allzu detaillierte Brutalität zu verlassen. Sie zeigt auf, wie ein Leben unter ständiger Bedrohung das Dunkelste im Menschen hervorbringen kann und verpasst dem Buch eine beklemmendes Gefühl, das den Leser mit sich zieht und auch mir sehr gut gefallen hat. Ein bisschen mehr Hintergrund zu der Finsternis und den Monstern hätte ich mir gewünscht, aber vielleicht kommt das ja im Folgeband.

In dieser Welt wächst die verloren geglaubte Thronerbin Luna, wohl behütet und versteckt in einem Turm auf. Gleich zu Beginn enthüllt das Buch eine Überraschung was Luna angeht und ich bin so froh, dass dies nicht schon im Klapptext verraten wird, denn es war ein Detail, dass mich wirklich überrascht hat, deswegen werde ich es euch natürlich auch tunlichst nicht verraten, auch wenn es dadurch schwierig wird, noch vielmehr zu Luna zu sagen. Dieses gewisse Detail jedenfalls macht ihren Charakter überaus interessant und einzigartig.
Fowler war dagegen für YA Verhältnisse recht durchschnittlich. Der grimmige Love Interest, der durch die Zuwendung der Heldin aufblüht. Tatsächlich ist es etwas weniger kitschig erzählt, als ich es gerade überspitze, in seinen Grundzügen folgt es aber diesem Muster.

Etwas Passiv
Auch die Handlung erfindet das Rad mit Sicherheit nicht neu, war aber im Großen und Ganzen solide und unterhaltsam. Das einzige was mich gestört hat ist, dass Luna recht passiv agiert. Sie wird als eine unabhängige, für sich selbst sorgende Frau geschildert, nach dem ersten Treffen mit Fowler ist sie dann aber doch recht passiv in ihren Handlungen und latscht dem Waldläufer mehr oder weniger hinterher und gerade als sie beschließt, ihren eigenen Weg zu gehen, landet sie wieder an einem Ort, an dem man versucht über sie zu bestimmen und Luna, setzt dem, für meinen Geschmack, viel zu wenig entgegen. Auch dass sie sich über Fowlers Herkunft, wofür ja niemand etwas kann, so aufregt, konnte ich nicht wirklich nachvollziehen und es erschien mir gekünstelt aufgebauscht. Das Ende hält jedoch einen Cliffhanger bereit, von dem ich mir erhoffe, dass Luan im zweiten Band deutlich aktiver wird und mehr für sich und ihren Anspruch einstehen wird.

Fazit:
Die Geschichte hat Potenzial. Die interessante Protagonistin und eine düstere Atmosphäre haben mich gut unterhalten, es ist aber noch Luft nach oben. Ich hoffe, dass die genannten Makel im Folgeband ausgebessert werden.