Rezension

Mein Lesehighlight 2016

Willkommen in Night Vale - Joseph Fink, Jeffrey Cranor

Willkommen in Night Vale
von Joseph Fink Jeffrey Cranor

Bewertet mit 5 Sternen

Die einen lieben es. Die anderen hassen es. Ich feier das Buch! Mein Lesehighlight 2016, eben weil es so skurril ist! Aber Night Vale, diese kleine verrückte Stadt, existiert bereits seit einigen Jahren:
~ Seit 2012 produzieren Joseph Fink und Jeffrey Cranor „Welcome to Night Vale“. Sofort schossen sie die iTunes-Podcast-Charts hinauf […]
[Deutschlandradio Kultur]

Wer, so wie ich, erst über das Buch erfahren hat, dass es überhaupt einen Podcast über Night Vale & seine Bewohner gibt, kann sich auf der Homepage weitere Infos holen ~ hier soll es ja schließlich ums Buch & meine Leseeindrücke gehen ;)

Das Buch spaltet die Leserwelt! Ein wenig kann ich es verstehen … es ist abgedreht, surreal & skurril ~ für mich somit genau die richtigen Zutaten! Und doch fällt es mir so schwer Worte zu meinen Eindrücken zu finden, ein Zitat auszuwählen! Ernsthaft, ich könnte fast das gesamte Buch zitieren! Ich hätte es mir am liebsten zwischen den Wörtern bequem gemacht, ich tauchte regelrecht in Night Vale ein.

Immer wieder begegnete ich einer Stimme aus dem Off, welche mich näher an das Sein von & in Night Vale heranführte …
~ Das einzige Pfandhaus in der Stadt Night Vale wird von der sehr jungen Jackie Fierro betrieben. Es hat keinen Namen, aber wenn Sie es brauchen, werden Sie wissen, wo es ist. Dieses Wissen kommt ganz plötzlich, zum Beispiel wenn Sie unter der Dusche stehen. [S. ° 7 ° ]

Die Dusche ist wichtig. In Night Vale passiert vieles unter der Dusche.

Manchmal aber war die Off-Stimme auch frustriert:
~ Stellen Sie sich einen fünfzehnjährigen Jungen vor.
 Nö. Das war total daneben. Versuchen Sie es noch einmal.
 Nein.
 Nein.
 Okay, aufhören. [S. ° 18 °]

Und genau dies ist die Art Humor, der Schreibstil, welcher mich in seinen Bann zog. Je unkommerzieller geschrieben wird, desto eher hat man mich als Leserin gewonnen! Wenn obendrauf noch solch eine Geschichte darin versteckt ist, bin ich begeistert, verliebt!

Müsste ich das Buch in Schlagworte wiedergeben, dann, ja dann nur solche:
humorvoll, skurril, irritierend, sonderbar, unkommerziell, verträumt, ausgefallen, eigen, wortgewaltig …

Da ist die Pfandhausbesitzerin Jackie, 19 Jahre alt ~ seit sie denken kann ist sie so alt.
 Dann das Haus. Das Haus mit Gedanken. Und einer alten Frau die versteckt darin wohnt, doch sie ist irrelevant für die Geschichte. Und dann leben dort noch Diane & ihr Sohn Josh. Josh verändert sich, täglich.
Und die Stimme von Night Vale!
 Nicht zu vergessen Josie und ihre … das darf ich an dieser Stelle nicht sagen, denn die Wesen die bei Josie leben existieren nicht!
Und dann ist da dieser Mann in seinem hellbraunen Jackett und seinem Hirschlederkoffer, der Mann mit dem Zettel den niemanden mehr los lässt, der Mann namens Everett … oder Emmett … oder Ethan … war es doch Evan? Die Bewohner wissen es nicht mehr, denn eigentlich wissen sie nichts von ihm, nichts über ihn & schon gar nichts über ihre Begegnung mit ihm. Nur das er da war, da sind sich alle einig!

Ob es überhaupt Zusammenhänge gibt, es sich zu einer sinnvollen Geschichte entwickelt? JA! Mit Tiefgang! Doch ich denke hier haben viele LeserInnen unterschiedliche Eindrücke, Assoziationen, Wahrnehmungen. Und das ist noch einer der vielen Pluspunkte des Buches! Die freie Interpretationsmöglichkeit. Hier jedoch möchte ich nicht wirklich ins Detail gehen, denn die Nicht-LeserInnen des Buches sollen nicht von meinen persönlichen Eindrücken beeinflusst werden!

Ich neige ab und wann gewisse Bücher quer zu lesen oder zu mindestens einige Passagen. Dies habe ich an keiner Stelle in diesem Buch getan, zu groß war die Angst einen dieser wundervollen Sätze zu verpassen!
~ Schlaf ist verwirrend. Träume sind rätselhaft.
 Die Idee des Übergangs von einer vermeintlichen Realität in eine andere ist geduldeter Wahnsinn. [S. ° 250 °]
~ Stellen Sie sich einen zweiunddreißig Jahre alten Mann vor, der mit der Fähigkeit geboren wurde, alles für alle zu sein, aber nichts für eine einzige Person. Stellen Sie sich sein Gesicht vor, wenn er […] die Frau entdeckt, die er […] für kurze Zeit immer geliebt hat. [S. ° 361 °]

Es geht um Night Vale, eine Stadt in der die Bewohner schon immer gelebt haben und für immer leben. Eine Stadt die noch nie von ihren Bewohnern verlassen wurde … nun ja, abgesehen der Radio-Praktikantinnen, dieser Job ist einfach lebensgefährlich!
Und so kann man auch den Fremden,  den alle vergessen, nicht vergessen. Und dieser Fremde stellt Night Vale auf den Kopf. Mit einem Zettel auf dem ‚King City‘ steht, eine Stadt, zu der keine Straße führt. Steigt man in Night Vale Richtung King City ein, steigt man in Night Vale aus. In Night Vale geht es verrückt zu? Ja! Und eben dass habe ich geliebt!

Die Autoren verstehen es mit den Worten zu spielen & traumhafte Sätze zu erschaffen! Ein Buch, welches ich nicht auslesen wollte, weil es mich einnahm!

Mein Fazit?
 Ich ziehe aus!
 Ich ziehe um!
 Ich ziehe nach Night Vale!