Rezension

Roadmovie an die Mosel

Die Witwen - Dagmar Leupold

Die Witwen
von Dagmar Leupold

Bewertet mit 4 Sternen

Nicht jeder Roman braucht Action. Dieser kommt mit Leben aus. So wie es halt ist.

„Die Witwen“ sind keine. Aber das macht nichts. Dodo, Bea, Laura und Penny haben ihre Lebensgeschichte, denn sie sind nicht mehr jung. Aber auch noch nicht alt. Sie sind Freunde seit ewig und doch hat jede den anderen etwas vorenthalten.

Auf einer Fahrt an die Mosel, umständebedingt, erzählen sie ihre bisher zurückgehaltenen Geschichten. Begleitet werden sie von einem Mann, einem Chauffeur, der weder Freund noch Feind ist und den man nicht gebraucht hätte, er hat lediglich Alibifunktion. Damit halt ein Mann im Spiel bzw. Buch ist.

Die vier Frauen sind trotz zahlreicher Details, mit denen die Autorin sie versehen hat, kaum auseinanderzuhalten, was heißt, dass ihre Charakterisierung nicht richtig gegriffen hat, anders ist es mit ihren Lebensgeschichten, diese haben durchaus überzeugt.

Der unaufgeregte Roman Dagmar Leupolds hätte mir mit seiner geruhsamen Moselatmosphäre, mit einem Ausflug längerer Verweildauer am Hartmannswillerkopf, Denkmal für die gefallenen Sodaten des Ersten Weltkriegs sowie mit seinen vielen klugen, fast philosophischen Sätzen über das Leben ganz hervorragend gefallen, denn die lyrische Erzählart fing mich ein und bezauberte mich, und alles, was sich zutrug, war in seiner Banalität ebenso real wie mit Charme durchwirkt.

Doch Dagmar Leupold hat ihrem Roman einen gekünstelten Schluss gegeben, der gar keiner ist. Warum nur? Denn einen Schluss braucht ein Buch. Jedwedes. Möglichst einen gescheiten sogar und nicht eine, wahrscheinlich gefakte „ultimative Lobhudelei“ auf sich selbst aus Zeitungsausschnitten. Natürlich könnte man sagen, ein deratiges Ende sei eben moderne Kunst, doch in diesem Fall, würde ich, durchaus für solche zu haben, sagen: Das kann weg! (Ist das Kunst oder kann das weg?)

Fazit: Gemütliches Roadmovie an die Mosel, dessen Schluss wirklich alles verdirbt und dennoch durch seine Erzählart mit vier Punkten zu Buche schlägt.

Kategorie: Anspruchsvolle Literatur, Longlist 2016
Verlag: Jung und Jung, 2016

Kommentare

Archer kommentierte am 30. September 2016 um 23:35

Aus dir werde ich nicht schlau. Gerade der für mich total bescheuerte Schluss, so dachte ich, würde dir gefallen. Oh, Mann.