Rezension

Düster, abgründig - datt Ding hat jesessen!

Stalker – Er will dein Leben. -

Stalker – Er will dein Leben.
von Arno Strobel

Bewertet mit 5 Sternen

Eric Sanders ist Schauspieler. Nach seiner Rolle im Tatort erlangt er Berühmtheit - vor allem in den sozialen Medien. Doch jemand scheint ihm diesen Erfolg nicht zu gönnen, denn es tauchen Fake-Profile auf, in denen sich ein Unbekannter als Eric ausgibt und seltsame Posts verfasst. Eric fühlt sich verfolgt und erhält geheime Botschaften. Als dann auch noch seine Frau und sein Sohn entführt werden, gerät alles außer Kontrolle. Und die Forderungen des unbekannten Stalkers werden immer perfider. Um seine Familie zu retten, soll Eric gestehen, dass er als Kind ein anderes Kind getötet hat. Doch Eric hat kaum noch Erinnerungen an seine Kindheit. Er weiß nur, dass seine Eltern bei einem Brand ums Leben kamen. Ist er tatsächlich ein Mörder?

Eric ist ein wirklich außergewöhnlicher Protagonist. Sein schauspielerisches Talent ist großartig, und wäre der irre Stalker ihm nicht in die Quere gekommen, stünden ihm alle Türe offen. Dass sich sein Leben schlagartig so verändert, tat mir unglaublich leid. Dennoch war ich fasziniert von Erics Enthusiasmus und seinem Mut, sich in Rückführungssitzungen mit seinem Psychiater seiner Vergangenheit zu stellen. Die Wahrheit, die dadurch ans Licht kommt, könnte für Eric grausamer nicht sein und stellt sein Leben von jetzt auf gleich auf den Kopf.

Ich mochte den typisch strobel‘schen Schreibstil total. Der Autor hat mich sogartig mitgerissen, auf falsche Fährten gelockt und mir somit spannende Lesestunden beschert. Die Story hat mich zunächst ein wenig an Strobels letztes Werk „Fake“ erinnert und ich hatte Bedenken, dass dieses Buch ebenfalls in diese Richtung abdriften könnte. Aber schon nach kurzer Zeit war klar, dass es sich hier um eine komplett andere Story handelt. Eine Story, die ich mit Neugier und Fingernägelkauen verfolgt habe, denn es war äußerst interessant, mal einen Mann zu begleiten, der Opfer eines Stalkers wird. Und nicht nur das. Im Fokus steht eigentlich die Hintergrundgeschichte des jungen Eric, die diesen Psychothriller auszeichnet und mir ordentlich den Atem geraubt hat.

Als sich die Ereignisse im Schlussteil überschlagen, gab es für mich kein Halten mehr. Angetrieben von meiner Neugier habe ich das Ende nur so inhaliert, und als die Auflösung eigentlich schon zum Greifen nah war, haut Strobel nochmal eine Wendung raus, die sich gewaschen hat. Ganz großes (Kopf)Kino!

Fazit: Strobel gräbt verborgene Kindheitserlebnisse aus und kreiert darum einen Psychothriller, der mich voll geflasht hat. Düster, abgründig und voller Überraschungen. Datt Ding hat jesessen!