Rezension

Langatmiger Roman mit Geschichtsbuchcharakter

Der Untergang Barcelonas - Albert Sánchez Piñol

Der Untergang Barcelonas
von Albert Sanchez Pinol

Bewertet mit 3 Sternen

Die Geschichte beginnt um 1700: Martí Zuviría ist vierzehn Jahre alt, großmäulig und ein Taugenichts. Nachdem er betrunken einen Leichenwagen entführt und damit in ein Geschäft rast, wird er der Schule verwiesen. Doch als ihn der Graf Sébastien le Prestre Vauban, der berühmteste Baumeister seiner Zeit, der durch die Entwicklung neuer Methoden der Belagerung und des Angriffs die Poliorketik revolutioniert hat, ändert sich Martís Leben schlagartig. Von seinem Lehrmeister bekommt er Einblick in die Ingenieurskunst, sodass er beispielsweise lernt, wie man die sichersten und schönsten Festungen baut und Vaubans jüngere Tochter Jeanne führt ihn in die Liebeskunst ein. Aber dieses Glück ist nicht von Dauer, denn Vauban stirbt bald und infolge des tobenden spanischen Erbfolgekrieges droht Martís Heimatstadt Barcelona, eingenommen zu werden. Der inzwischen vom Leben gereifte Martí Zuviría zieht in den Krieg und versucht alles, um seine geliebte Stadt zu retten.

"Der Untergang Barcelonas" bekommt von mir drei Sterne. Die Unterteilung des Buches in die drei großen Kapitel VENI, VIDI, VICTUS und die Erzählweise des mittlerweile 98 Jahre alten Martí Zuvirías, der seiner Haushälterin Waltraud seine Lebensgeschichte diktiert, lassen Gutes erhoffen. Schon den Anfang, den er geradezu poetisch formuliert und in dem er bekennt ein Verräter zu sein, der seine Stadt ins Verderben gestürzt hat anstatt sie zu retten, weckt die Neugier. Besonders dieser erste Teil des Buches, der einen Einblick in die Ingenieurskunst gibt, war nicht nur informativ, sondern auch spannend zu lesen. Doch dann wird es leider etwas zäh, denn die historischen Begebenheiten werden sehr detailliert beschrieben, sodass es sich mittlerweile fast nur noch um eine Aneinanderreihung von Fakten handelt. Dabei fiel es mir auch oftmals schwer, den Überblick über die beiden Seiten zu behalten und es stellte sich mir oftmals die Frage: Ist er nun Katalane oder Kastillier? Auch die zahlreichen Personen und ihre Funktion konnte man nicht so recht im Gedächtnis behalten, wofür es aber auf den letzten Seiten glücklicherweise einen Überblick über diese und allgemein den Spanischen Erbfolgekrieg gibt. Ein weiterer Pluspunkt sind die Abbildungen, die beispielsweise Portraits von den Personen zeigen, über die gerade berichtet wird oder die von Martí beschriebenen Befestigungsanlagen zeigen. Auch die Kommentare und Beschimpfungen an seine Haushälterin, die seine Lebensgeschichte für die Nachwelt festhält, sind stets lustig und lockern so den Fluss an Informationen ein wenig auf. Empfehlenswert ist dieses Buch auf jeden Fall für alle Geschichtsfans oder Personen, die sich für den Ablauf des Spanischen Erbfolgekrieges interessieren und sich mit der Materie auch ein wenig auskennen. Als Lektüre für zwischendurch ist dieses Buch allerdings nicht zu empfehlen, denn es handelt sich hierbei eigentlich eher um ein 700 seitiges Geschichtsbuch, das zusätzlich die Lebensgeschichte eines nun 98 Jahre alten Mannes namens Martí Zuviría enthält.