Rezension

Interessante Geschichte über eine kluge Frau, jedoch sehr ins Seichte abgleitend

Frau Einstein - Marie Benedict

Frau Einstein
von Marie Benedict

Bewertet mit 3 Sternen

Mileva Marić, 1875 in Serbien geboren, ist schon als Kind ein unheimlich scharfsinniges und hochbegabtes Mädchen gewesen. Ihr Vater hat sich ihrer angenommen und hat sie gefördert. Was zur damaligen Zeit ein schwieriges Unterfangen gewesen ist, weil sie ein Mädchen ist. Schließlich haben sie gemeinsam beschlossen, Mileva in die fortschrittlichere Schweiz, ans Polytechnikum in Zürich zu schicken. Dort hat sie als eine von sehr wenigen Frauen ein Studium in Physik und Mathematik begonnen und Albert Einstein kennengelernt, ihren späteren Ehemann und Vater ihrer Kinder.

Soweit die Fakten zu dieser faszinierenden Frau, der man sich als Leserin doch sehr nahe fühlt und mit der man aufgrund der Schreibweise aus ihrer Sicht (Ich-Perspektive) sehr gut mitfühlen kann. Insbesondere das erste Drittel des Romans hat mir sehr gut gefallen. Wir begleiten Mileva nach Zürich, wo sie in einer Pension gemeinsam mit weiteren Studentinnen wohnt, wo sie Ausflüge in die wunderschöne Bergwelt macht und sich in dem dortigen Leben immer wohler fühlt. Wir erleben die zarte Annäherung an Einstein, mit dem sie sich oft zu Forschungszwecken trifft und mit ihm gemeinsam an neuen Theorien und Beweisführungen arbeitet, was beide geistig unheimlich beflügelt. Bis dahin hat mir die Lektüre wirklich Spaß gemacht.

Ab dem Zeitpunkt, wo sich aus reiner Kollegenschaft eine Liebesbeziehung entwickelt, ist der Roman für meinen Geschmack jedoch zunehmend ins Seichte abgedriftet. Und das nehme ich der Autorin tatsächlich ein bisschen übel. Die Beziehung und spätere Ehe der beiden Wissenschaftler ist eine höchst komplizierte Ehe, besonders in Gefühlsdingen, gewesen. Wohlgemerkt: aus Milevas Sicht. In diesem Roman erfahren wir nur ihre Sicht der Dinge, was den Roman zwar ganz gut füllt, ihn aber auch etwas einseitig erscheinen lässt. Es wird ab einem gewissen Punkt nur noch gejammert, gefühlsgeduselt... und die ständigen Wiederholungen im Sinne von: Weiß er denn nicht...? Wie kann er es wagen...? Ich habe doch immer... und nun das! etcpp. gehen mir als Leser irgendwann tierisch auf die Ketten ;) Natürlich tut mir diese Frau ein Stück weit leid in ihrer Rolle, die ihr mehr oder weniger aufgedrückt wird. Die Ehe scheint sich als Gefängnis für Mileva zu entpuppen. Der "Popstar" Einstein hat mit der Zeit ganz andere Prioritäten entwickelt. Ihr Licht scheint zu erlöschen im Schatten des "großen" Ehemannes. Das alles ist in vielerlei Hinsicht der damaligen Zeit geschuldet... und ja! Tragisch! Definitiv. Aber das kann ich als Leser auch ohne diese schwülstigen, dramatischen Szenen sehen und fühlen. Das hätte der Roman nicht gebraucht, und das hat ihn mir am Ende ein bisschen verleidet.

Fazit: Eine sehr interessante, extrem kluge Frau und ihr Leben an der Seite von Albert Einstein. Schön, dass ich Mileva Marić kennenlernen konnte. Eine Frau, die mir tatsächlich bislang eine Unbekannte war. Schön auch der fließende, gut lesbare Schreibstil, der in der ersten Hälfte noch sehr locker ist. Dann wird es zunehmend schwermütig und leider auch kitschig. Schade. Muss man meiner Meinung nach nicht unbedingt lesen.
       

Kommentare

LySch kommentierte am 26. Februar 2018 um 19:58

Sehr gute, reflektierte Rezi! Danke Bi! :)
Ich werde die Finger davon lassen...

naibenak kommentierte am 27. Februar 2018 um 10:08

Danke, du Liebe ♥