Leserunde

Leserunde zu "Geordnete Verhältnisse" (Lana Lux)

Geordnete Verhältnisse -

Geordnete Verhältnisse
von Lana Lux

Bewerbungsphase: Bis zum 21.03.

Beginn der Leserunde: 28.03. (Ende: 18.04.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Hanser Verlags – 20 Freiexemplare von "Geordnete Verhältnisse" (Lana Lux) zur Verfügung. Eine Leseprobe zum Buch findet ihr hier.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

// Bei diesem Beitrag handelt es sich um bezahlte Werbung, da der Hanser Verlag uns für die Leserunde Freiexemplare zur Verfügung gestellt hat. Diese Werbung wird allen Mitgliedern von "Was liest Du?" angezeigt. //

ÜBER DAS BUCH:

Er sagt, sie sagt – Lana Lux zeigt zwei Seiten einer modernen Tragödie. »Eine unerhörte Geschichte! Jeder Satz ist eine mit Schmerz und Lachgas gefüllte Pistolenkugel.« (Daniela Dröscher)

Wenn man seine Heimat verlassen muss, kommt es immer daraufan, wo man landet und welche Leute man kennenlernt. Faina landet in einer deutschen Kleinstadt und lernt in der Schule Philipp kennen, einen Jungen mit Wutausbrüchen, der Pflanzen lieber mag als Menschen, sich aber sehnlichst einen Freund wünscht. Faina soll dieser Freund werden, also bringt er ihr Deutsch bei, und wie man Weihnachten richtig feiert. Er macht sie zu seiner Faina.Jahre später ist Philipp der Typ mit Eigentumswohnung und fester Freundin, und Faina steht als verlassene, verschuldete Schwangere vor seiner Tür. Er lässt sie hinein, doch zu welchem Preis? "Geordnete Verhältnisse" ist eine Geschichte über Wut und Obsession – und eine Frau, die sich weigert, zum Besitztum eines Mannes zu werden.

„Dieser Roman ist toll gemacht, man kann die psychotischen Verhaltensmuster nachvollziehen, ohne sie zu entschuldigen.“ Katja Schönherr, SRF1 BuchZeichen, 27.02.24
„Ohne Scheu und stellenweise sehr poetisch führt Lux in die intimsten Gedanken der Protagonisten und lässt uns Lesenden dort verweilen, bis wir selbst ganz nackig neben Faina und Philipp stehen… Schonungslos aufwühlend und erschreckend nah… Ein großartiger Roman, der in Erinnerung bleibt.“ Antonia Reissner, Ö1 Ex libris, 25.02.24
„Ein beklemmendes Meisterwerk ... Atemlos verschlingt man Seite um Seite ... Lux gewinnt den Leser mit Wärme und Humor.“ Marie-Luise Goldmann, Welt am Sonntag, 11.02.24 
„Mit viel Sinn fürs Detail verhandelt Lana Lux Fragen von Herkunft, Armut und Identität … Subtil und aufrüttelnd.“ Valentin Wölflmaier, Deutschlandfunk, 28.02.24
„Dieser Roman ist toll gemacht, man kann die psychotischen Verhaltensmuster nachvollziehen, ohne sie zu entschuldigen.“ Katja Schönherr, SRF1, 27.02.24
„Eine rasante, schonungslose Erzählung.“ Judith Hoffmann, Ö1, 19.02.24

ÜBER DIE AUTORIN:

Lana Lux ist eine deutschsprachige Schriftstellerin, Illustratorin und Moderatorin ukrainisch-jüdischer Herkunft. Sie ist 1986 in Dnipro geboren, emigrierte 1996 ins Ruhrgebiet und lebt seit 2010 in Berlin. 2017 ist ihr Debütroman "Kukolka" erschienen, 2020 ihr zweiter Roman "Jägerin und Sammlerin". Geordnete Verhältnisse ist ihr erster Roman bei Hanser Berlin.

 

18.04.2024

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
Aline Kappich kommentierte am 31. März 2024 um 20:11

SueWid kommentierte am 30. März 2024 um 20:02

Hallo ihr Lieben, da ich so hibbelig bin, lege ich schon mal mit meinem Eindruck los. :-)

Der erste Abschnitt ist für mich nur so dahin gefolgen, ich konnte das Buch kaum zur Seite legen!
Philipps Vergangenheit oder besser seine Kindheit tun mir richtig weh beim Lesen.
Die schwierigen Familienverhältnisse, eine suchtkranke Mutter, keine Vaterfigur und die eher vordergründig auf Gutmensch machende Tante allein schon sind schwer zu verkraften.
Hinzukommen noch die funktionelle Blasenstörung und das Ausgrenzen in der Schule.

Philipp ist mir nicht unsympathisch, eher tut er mir leider und man kann fast seine Wut auf Menschen nachvollziehen. Auch wenn es definitiv ein No-Go ist, dass ihn die Hand "ausgerutscht" ist (S.24).
Spannend wird es, warum Faina ihn als Mörder bezeichnet hat im Streit!

Ich freue mich auf eure ersten Eindrücke und bin gespannt, ob ihr Philipp anders wahrgenommen habt als ich.

Lilly_T kommentierte am 30. März 2024 um 22:58

Ich habe auch den 1. Abschnitt beendet und ich muss sagen, der Schreibstil gefällt mir sehr. Die Geschichte wird fesselnd erzählt und ich fliege nur so durch die Seiten. Man spürt das die Kindheit von Philipp viele Narben auf seiner Seele hinterlassen hat. Es tut mir sehr leid, das er mit einer alkoholkranken Mutter aufwachsen musste. Es steht auch im Abschnitt das seine Mutter in der Gegenwart nicht mehr lebt. Wie schrecklich als junger Mensch keinen Vater und keine Mutter  mehr zu haben . Viielleicht hat er deshalb die egozentrischen und narzistischen Grundzüge entwickelt. Er scheint auch ein Aggressionsproblem zu haben und mit Konflikten nicht angemessen umgehen zu können . Ich bin schon gespannt wie es im 2. Teil weitergeht. 

alasca kommentierte am 31. März 2024 um 19:42

Philipp ist schon ein spezieller Typ, man ahnt, dass seine Sicht der Dinge nicht unbedingt von seiner Umwelt geteilt wird. Wie unzuverlässig ist seine Darstellung? Die spießige Tante mit den sehr klaren Vorstellungen, wie alles zu sein hat, die alkoholkranke Hippiemutter mit dem Männerverschleiß, das klingt beides sehr klischeehaft. 

Wiewohl die Tante wohlmeinend zu sein scheint, zumindest hält sie den Kontakt oder versucht es. Die Mutter scheint nicht mehr am Leben zu sein, die Familie von Faina ist offenbar aus Deutschland wieder verschwunden. 

Philipp hat offenbar ein Aggressionsproblem, dazu ein emotionales, und dann wäre da noch die Inkontinenz, OMG. Gegen die er Medikamente nimmt. (?) Und die roten Haare. 

Seine Art, sich um Faina zu kümmern, hat was sehr Brutales und Besitzergreifendes. Ich bin gespannt auf Fainas Sicht; misst sie der Freundschaft mit ihm den gleichen Wert bei wie er?

Es liest sich sehr flüssig, ich bin gespannt auf die Fortsetzung. 

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
SueWid kommentierte am 01. April 2024 um 09:53

@Lilly_T:

Ich glaube auch, dass u. a. seine Aggressionsprobleme und Verlustängste in seiner Kinderheit bzw. seinen fehlenden Bezugspersonen zu tun hat. Es war sicherlich sehr prägend, kein stabiles Elternhaus zu haben.
 

 

@alasca:

Dier Art, wie er sich um Faina kümmert, hatte für mich im ersten Leseabschnitt noch nichts Brutales. (Meine Meinung nur!) Eher etwas sehr bestimmendes und vielleicht auch forderndes. Er war ja nur ein Kind und konnte das alles noch nicht überblicken. Wahrscheinlich meinte er es tatsächlich nur gut. Wollte sie auf der einen Seite an sich binden, auf der anderen Seite ihr vielleicht sogar wirklich helfen sich einzuleben.

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
alasca kommentierte am 01. April 2024 um 13:34

"Er war ja nur ein Kind und konnte das alles noch nicht überblicken. Wahrscheinlich meinte er es tatsächlich nur gut. Wollte sie auf der einen Seite an sich binden, auf der anderen Seite ihr vielleicht sogar wirklich helfen sich einzuleben."

Wir dürfen nicht vergessen, dass es der erwachsene Philipp ist, der die Geschichte der "Freundschaft" im Rückblick erzählt. Und das tut er sehr ehrlich, nicht weil Ehrlichkeit für ihn einen Wert darstellt, sondern weil er gar nicht auf die Idee kommt, dass sein Handeln oder seine Motive irgendwie verwerflich sein könnten.

So wie er es schildert, war sein Handeln rein egoistisch - endlich wollte er einen Freund haben und sah in den Merkmalen Fainas eine Schwäche, die er für sich ausnutzen konnte. Er manipuliert sie von Anfang an. Wenn er ihr wirklich wohlwollte, dann hätte er ihre wachsende Integration (z. B. durch Abtrainieren ihres Akzents) begrüßen müssen. Aber er ist eher daran interessiert, ihren Außenseiterstatus zu erhalten. Er will nicht, dass sie sich "einlebt", denn er weiß ganz genau, dass er sie dann verliert. Das ist nicht in seinem Interesse. 

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
alasca kommentierte am 01. April 2024 um 14:03

Nachtrag: Dass seine Hilfe zur besseren Integration von Faina führt, ist ein unerwünschter Nebeneffekt. "Dank meiner Hilfe wurde sie immer cooler, bis ich ihr plötzlich nicht mehr genug war."

Er will, dass sie exklusiv nur mit ihm befreundet ist. Das ist kein gesundes Verhalten.

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Maria_21 kommentierte am 02. April 2024 um 14:51

Er will, dass sie exklusiv nur mit ihm befreundet ist. Das ist kein gesundes Verhalten.

Das sehe ich auch so und war teilweise doch etwas geschockt über Philipps Verhalten.

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Minijane kommentierte am 04. April 2024 um 11:43

Ich kann euch nur zustimmen. Dieses Verhalten finde ich auch beängstigend.

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AnneMF kommentierte am 07. April 2024 um 18:51

Besitzergreifend ist nie gut und zeigt einen schlechten Charakter.

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
AnneMF kommentierte am 07. April 2024 um 18:53

Ja nicht mehr genug war, aber es hört sich so an, als sei Faina auch kein Engel. Bin wirklich gespannt was sie zu berichten hat.

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lex kommentierte am 08. April 2024 um 16:49

Er will, dass sie exklusiv nur mit ihm befreundet ist. Das ist kein gesundes Verhalten.

Das ist richtig und wirkte auch auf mich so. Allerdings überlege ich, ob solche Verhaltensweisen im Kindesalter nicht weit verbreitet sind. Wir idealisieren Kinder häufig, in Büchern ohnehin. Aber der alte Spruch, dass Kinder grausam sein können, hat etwas Wahres. Insofern sehe ich zwar Philipps bestimmendes Verhalten, das sicher überdurchschnittlich ausgeprägt ist, würde ihm aber zumindest im Kindesalter noch nichts Pathologisches attestieren wollen.

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jutsi kommentierte am 02. April 2024 um 11:27

"sondern weil er gar nicht auf die Idee kommt, dass sein Handeln oder seine Motive irgendwie verwerflich sein könnten."

Genau diesen Eindruck habe ich nach der Lektüre des ersten Abschnitts auch. Und das finde ich auch das spannende an dem Buch: Wie man beim Lesen merkt, dass man lauter "Entschuldigungen" für Philipp im Kopf entstehen lässt, obwohl sein Verhalten absolut unangemessen ist. 

 

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alasca kommentierte am 02. April 2024 um 14:40

Genau - man macht das, was auch Faina die ganze Zeit macht. 

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Maria_21 kommentierte am 02. April 2024 um 14:53

Entschuldigungen für Philipp, kann ich irgendwie nicht akzeptieren, denn sein Verhalten ist schon mehr als unangemessen.

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SueWid kommentierte am 03. April 2024 um 12:21

Das macht die Autorin wirklich sehr, sehr gut! Sie schafft es Philipp nicht direkt als absolutes Hass-Objekt uns zu präsentieren. Sehr schön wie sich das alles entwickelt und langsam Formen annimmt.

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AnneMF kommentierte am 07. April 2024 um 18:48

So ganz sympathisch ist er mir nicht. Die Art von Besitzergreifend gefällt mir ganz und gar nicht, deshalb wundert es mich nicht, wenn solch ein Typ auch mal zuschlägt. Ganz gespannt bin ich auf Faina und ihre Erzählung. 

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jutsi kommentierte am 02. April 2024 um 11:23

Ich habe den ersten Teil nun auch durch und finde das Buch wirklich spannend gemacht. Auf der einen Seite entsteht Mitleid mit Philipps schwieriger Kindheit (insbesondere durch die Abwesenheit der Mutter, der Persönlichkeit der Tante und dem Einnässen). Andererseits finde ich viele Aussagen von Philipp absolut grenzwertig: 

"Seit ich ein erwachsener Mann bin, ist mir aufgefallen, dass ich als eine Bedrohung wahrgenommen werde. Das finde ich lustig. "

"Wer unsere Beziehung nicht kennt, könnte den Eindruck bekommen, ich würde sie stalken" - und der ganze folgende Abschnitt, dass Faina ihr Statusmeldungen "für ihn" macht. 

"Ich wollte behutsam vorgehen, sie zähmen, wie der Prinz den Fuchs gezähmt hat"

Dazu kommt, dass er ihr gegenüber tatsächlich auch schon handgreiflich geworden ist. 

 

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janinanas kommentierte am 12. April 2024 um 15:29

"Seit ich ein erwachsener Mann bin, ist mir aufgefallen, dass ich als eine Bedrohung wahrgenommen werde. Das finde ich lustig." und ""Ich wollte behutsam vorgehen, sie zähmen, wie der Prinz den Fuchs gezähmt hat" fand ich auch ganz schlimm, aber auch sehr effektiv im Kontext des Romans, um seine ungesunden Gedankenmuster darzustellen. 

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
Maria_21 kommentierte am 02. April 2024 um 14:47

Philipp, der rothaarige Junge, der immer als Außenseiter gesehen wird, wünscht sich sehnlichst einen Freund. Mit seiner alkolsüchtigen Mutter hat er kein Glück und muss in seiner Kindheit deshalb auch mal zu seiner Tante. Das Anpassen an das Familienleben, fällt ihm schon schwer. Eines Tages kommt eine neue Schülerin in die Klasse, die ihren Sitzplatz, neben ihm bekommt. Langsam entwickelt sich eine Freundschaft zwischen ihnen und Philipp weiß, er muss ihr helfen sich zu integrieren.

Als Ich-Erzähler und jetzt als 25 Jähriger, erzählt er seine Geschichte, beginnend berichtet er von fehlenden Freunden in seiner Kindheit, seiner Mutter, seiner Tante und vieles mehr.

Die Geschichte wirkt ziemlich abgehakt und oft frage ich mich, in welcher Zeit bin ich gerade! Bis jetzt finde ich es nicht einfach, der Geschichte zu folgen!

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
Minijane kommentierte am 04. April 2024 um 11:39

Zurück aus dem Osterurlaub, habe ich den 1. Leseabschnitt jetzt auch geschafft.
Philipp, der als 25jähriger junger Mann zunächst zurückblickt auf seine Kindheit, ist ein sehr spezieller Typ. Zunächst einmal ist er rothaarig, ein Außenseiter, der keine Freunde findet. Dann hat er auch noch eine alkoholkranke Mutter, musste zeitweise bei der herrischen Tante aufwachsen und hat bis ins Erwachsenenalter ein Inkontinenzproblem. Das ist wirklich keine einfache Kindheit und ich habe schon Mitleid mit Philipp empfunden, auch wenn er mir nicht unbedingt sympathisch war. 
Als das russische Flüchtlingsmädchen Faina in seine Klasse kommt, möchte er unbedingt mit ihr befreundet sein. Er bildet sich ein ihr Seelenverwandter zu sein, versucht sie aber, so mein Eindruck, sie so zu formen, wie sie seiner Meinung nach sein sollte. Vielleicht versucht er auch sie ein bisschen klein zu halten, weil so eine gewisse Abhängigkeit zu ihm da ist. 
Angedeutet wird ein Streit bei dem er gewalttätig wird und sie ihn daraufhin verlässt. Die Frage ist, wie zuverlässig Philipp als Erzähler ist, und ich bin wirklich sehr gespannt auf Faina's Sicht der Dinge. Ganz schrecklich fand ich das mißglückte Date, wo er sich wieder einnässt, was natürlich die Schuld der anderen war. Dass das Mädchen ( Romina) nicht sofort die Flucht ergriffen hat, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen.

Der Sprachstil ist eingängig. Das Buch liest sich wie von selbst. Bin sehr neugierig, wie es weitergeht.

 

 

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
SueWid kommentierte am 04. April 2024 um 11:45

Ganz schrecklich fand ich das mißglückte Date, wo er sich wieder einnässt, was natürlich die Schuld der anderen war. Dass das Mädchen ( Romina) nicht sofort die Flucht ergriffen hat, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen.

 

Das ganze Date war wirklich von Anfang bis zum Ende echt schräg. Wahrscheinlich hat sie das Einnässen nicht mitbekommen, vielleicht aufgrund des Alkoholgenusses und weil es dunkel war.

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Lianne kommentierte am 11. April 2024 um 10:56

Du sprichst einen wichtigen Punkt an. Aus seiner Sicht und ohne intensive selbstreflexion ist er nicht der zuverlässigste Erzähler. Daher finde ich das Konzept im Buch auch super, später Fainas Sicht zu lesen.

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
AnneMF kommentierte am 07. April 2024 um 18:41

Philipp, ein rothaariger  Schüler wünscht sich sehnlichst einen echten Freund. Den findet er aber nicht. Seine Mutter schleppt Typen an und ist dem Alkohol nicht abgeneigt, sie schiebt ihren Sohn ab zur Schwerster. So wirklich einleben kann er sich dort nicht. Mit sechs Jahren holt ihn die Mutter wieder ab. Ja und dann kommt Faina, eine ukrainische Schülerin in seine Klasse und der einzige freie Platz ist neben ihm. Sie freunden sich an und er isst sogar Oladuschki in der Pause mit ihr. Er hilft ihr mit der deutschen Sprache und ist sich sicher, er hat endlich nach der dritten Klasse eine Freundin gefunden. 

Der Erzähler Philipp berichtet über seine Kindheit, dass alle überfordert waren mit seiner Erziehung und er sehr oft hörte; Geh und entschuldige dich, wenn er mal wieder was angestellt hat oder handgreiflich wurde. Das Problem mit dem Einnässen kann auch aus seiner ungeliebten Kindheit kommen. Ja, schon mehr als peinlich ist es, wenn man eine Verabredung mit einer Freundin hat und der Harndrang unkontrollierbar wird. 

Warum man aber als rothaariger Mensch keine Freunde findet, erschließt sich mir nicht. Und warum findet er Körperkontakt meist extrem unangenehm und eklig? Schwul scheint er nicht zu sein, denn da hätte er auch Körperkontakt.

Bin echt erwartungsvoll, was Faina uns erzählt aus  ihrer Sicht. 

 

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SueWid kommentierte am 08. April 2024 um 19:19

Und warum findet er Körperkontakt meist extrem unangenehm und eklig? Schwul scheint er nicht zu sein, denn da hätte er auch Körperkontakt.

Das erklärt sich später noch sehr gut. Lass dich erstmal drauf ein, ich möchte dich nicht spoilern. Aber wenn du magst, schreiben wir gerne darüber.

 

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Lianne kommentierte am 11. April 2024 um 10:57

Es gibt ja mehr Orientierungen als heteronormativ und schwul. Als er von seinen sexuellen Versuchen mit Faina berichtet hat, dachte ich an a-Sexualität. Oder aber kurz Demisexuell, da er Kontakt ja nur zu Leuten will, die er mag. Aber dann hätte er es bei Faina nicht ebenfalls seltsam gefunden. Ich denke, da werden im im weiteren Verlauf der Lektüre klarer sehen.

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lex kommentierte am 08. April 2024 um 16:51

Mir gefällt der Aufbau der Story bisher sehr gut. Philipps Persönlichkeit erschließt sich einem erst nach und nach. Zunächst ist da viel Verständnis meinerseits, da ich wenig Zuwendung seitens seiner Familie spüren und deshalb nachvollziehen kann, warum er ist wie er ist - mit seinem Bedürfnis nach Kontrolle, mit seinen emotionalen Unzulänglichkeiten, seiner Distanz zu Menschen etc. Ein liebenswerter Charakter ist er jedoch nicht und auf Basis der Inhaltsangabe, habe ich ein ungutes Gefühl.

Der Schreibstil gefällt mir. Auch der Humor hier und da.

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
SueWid kommentierte am 08. April 2024 um 19:18

So ging es mir am Anfang auch. Ich hab Philipp nicht direkt "gehasst". Die Darstellung macht ihn sehr greifbar und menschlich.
 

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
Sunjo kommentierte am 08. April 2024 um 23:37

Ich mag den Schreibstil im ersten Teil - man kann sich ganz gut in die Geschichte einlesen.

Ich bin mir relativ sicher, dass Philipp nichts dafür kann, dass er ist, wie er ist; aber dass auch noch in seinem Erwachsenenleben immer andere schuld sein sollen, wenn er selbst etwas nicht im Griff hat, macht ihn arg unsympathisch. Und wenn aus Sicht von Philipp andere schlecht dargestellt werden, hab ich Zweifel, dass seine Sicht der Dinge richtig ist.

Jetzt bin ich gespannt, wie es weitergeht, aber allzuviel Schönes erwarte ich dabei nicht.

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janinanas kommentierte am 09. April 2024 um 12:41

Mir gefällt das Buch bisher gut. Man sieht anhand der Gedankenmuster von Philipp gut, wie ungesund und jähzornig sein Verhalten teilweise ist. Gleichzeitig erfährt man durch die Nacherzählungen auch, was bzw. wer (seine Erziehung, seine Mutter etc.) u.a. auch dazu beigetragen hat, dass er so ist, wie er ist. Ich finde es auch gruselig, wie er zum Beispiel beim Date seine 'ehrlichen' Gedanken für sich behält und sich stattdessen so ausdrückt, wie er denkt, dass es besser ankommt. Ich bin gespannt, wie sich seine Agressionsprobleme weiter zeigen werden und wie Fainas Perspektive beschrieben wird. 

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lex kommentierte am 10. April 2024 um 12:55

... was bzw. wer (seine Erziehung, seine Mutter etc.) u.a. auch dazu beigetragen hat, dass er so ist, wie er ist

Wobei das so eine Sache ist - letztlich sind Erklärungen immer schwer. Wieviele Menschen haben eine schwierige Kindheit, entwickeln sich aber positiv? Leider meidet Philipp aber wohl alle Situationen, die ihn weiter bringen könnten bzw. mit sich selbst konfrontieren. Nicht mal ein normales Arbeitsleben scheint es zu geben.

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janinanas kommentierte am 12. April 2024 um 15:35

Stimmt, auf jeden Fall! Sein Aufwachsen bzw. seine Sozialisation würde ich auch nur als 'Erklärung' annehmen und nicht als 'Rechtfertigung' für seine Gedanken sowie sein Verhalten. Bei Philipp merkt man ja, wie weit er noch davon entfernt ist, diese Gedanken und dieses Verhalten eventuell zu verändern, da er weder ehrlich mit sich und anderen ist noch realisiert, dass seine Gedanken/sein Verhalten vielleicht falsch sein könnten. 

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Cassandra kommentierte am 09. April 2024 um 20:34

Philipp fühlt sich als einziger Rothaariger nicht akzeptiert und gehänselt.  Da such er auch nur die Schuld in seiner Frisur,  obwohl das Problem weiter unten sitzt.

So selten können Rothaarige eigentlich auch gar nicht sein. Jeder den ich fragte, hatte schon mal einen rothaarigen Klassenkameraden, die nicht gemobbt wurden. 

Sein Schicksal ist echt traurig, dass sich niemand um ihn gekümmert hat, der arme Junge.

Ich fand diesen Teil interessant zu lesen, obwohl es nicht so ganz appetitlich war.

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
SueWid kommentierte am 11. April 2024 um 09:51

Jeder den ich fragte, hatte schon mal einen rothaarigen Klassenkameraden, die nicht gemobbt wurden.

Ja und nein.
Ich kenne es auch umgekehrt. Rothaarige Kinder werden gerne auch ausgegrenzt oder mit Schimpfwörtern belegt. Sie sehen halt auf den ersten Blick anders aus. Ein Beispiel: in einer Klasse von 25 Kinder hat man sicherlich eher den Großteil blonde, brünette oder schwarzhaarige Kids sitzen, da fällt das eine rothaarige Kind halt auf.
Und alles, was anders ist, wird auch gerne gemobbt. Da kommt dann auch schnell Gruppendynamiken zusammen, die ausarten.

Es kann passieren, muss es auch nicht. Aber das, was Philipp erlebt hat, ist leider sehr realitätsnah.

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Lianne kommentierte am 11. April 2024 um 10:48

So, nachdem ich das Buch bei der Person abholen konnte, die das Paket während meiner Osternabwesenheit angenommen hat, konnte ich endlich das langersehnte Leseerlebnis starten.

Ich kann mich meinen Vorredner:innen nur anschließen. Der Schreibstil ist richtig gut, man fliegt wirklich  nur so über die Zeilen und kann das Buch kaum weglegen. Wenn das so weitergeht, bin ich in einem Tag fertig ^^.

Durch den Einstieg, die Zeit als Kind hatte ich sofort Sympathien für Phillip, er hatte es nicht leicht und ich hatte mir auch für ihn eine. Freund gewünscht. Doch schon direkt in dem ersten Kapitel als erwachsener Mann begann es bei mir zu rattern, was ist "noch im Rahmen" was ist "bedenklich"? Schnell merkt man, dass er lieber eine Lüge auftischt, als die Wahrheit zu sagen (zum Beispiel, was die wahre Beziehung zu Faina angeht), dass er versucht hatte, andere von ihr fernzusehen, weil er sie komplett für sich haben wollte. Und das stalken, dass er für sich schönredet, es wäre ja kein stalking ... also man merkt direkt, da kommt thematisch echt ein Brocken auf uns zu

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
SueWid kommentierte am 11. April 2024 um 13:33

Richtig toll, dass du jetzt richtig reingestartet bist und direkt soviel Freude beim lesen hattest wie ich :-D

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 88
Lianne kommentierte am 11. April 2024 um 17:45

Total, der Schreibstil ist richtig toll. Da hole ich die versäumten Leserundentage sehr schnell auf, so gut, wie das Buch ist. 

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