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Indizierte Bücher - 5 Beispiele für verbotene Bücher

Verbotene Literatur

Indizierte Bücher

Das Bedürfnis, "schwierige" Bücher zu verbieten und für die Allgemeinheit unzugänglich zu machen, gab es schon im antiken Rom. Bis heute werden Titel in vielen Teilen der Welt auf Schwarze Listen gesetzt. Wir stellen euch heute fünf Bücher vor, deren Lektüre verboten wurde.

Bis heute haben sich die verschiedensten Institutionen, Glaubensrichtungen und Machthaber daran versucht, Listen mit potentiell gefährlichen Publikationen zu erstellen.

So listete der Index Librorum Prohibitorum (kurz auch Index Romanus genannt) zwischen 1559 und 1948 alle Bücher auf, deren Lektüre für Katholiken eine Sünde war. Durch die Reformation und Erfindung des Buchdrucks stieg die Anzahl an Schriften an, die die katholischen Lehren kritisierten, sich nicht mit ihnen vereinbaren ließen oder andere Glaubensüberzeugungen proklamierten. Darum wurde die römische Inquisition ins Leben gerufen, die sich u.a. um die Zensur von Büchern kümmerte. Stetig wurde der Index aktualisiert und ergänzt. Die letzte Ausgabe führte etwa 6.000 Titel auf, unter denen sich auch Werke von Kant, Heine und Descartes befanden. 1965 schaffte Papst Paul VI den Index Romanus jedoch ab - einerseits weil die Prüfung der Titel bei der ständig anwachsenden Flut von Neuerscheinungen nicht mehr zu leisten war, andererseits weil sich die Kirche einen konstruktiveren Umgang mit den Medien wünschte.

Neben kirchlicher Bemühungen, gefährliche Bücher zu indizieren, existierten aber auch Verbotslisten, die von Regierungen ins Leben gerufen wurden. 1834 beispielsweise wurde in Deutschland ein Generalkatalog für verbotene Bücher ins Leben gerufen. Angedacht war, dass die Landesregierungen die Bundesbehörde in Frankfurt über jeden verbotenen Titel informieren. Doch das Verfahren war zu umständlich und wurde 1840 wegen des zu großen Aufwands aufgegeben. Auch im 19. Jahrhundert gab es einen deutschen Index, auf dem sich Schriften wiederfanden, die gegen die Bestrebungen der Sozialdemokratie sprachen. 957 Titel waren darauf vermerkt, darunter auch Zeitungen und Zeitschriften.

Die umfangreichste und intoleranteste Verbotsliste stammt aber zweifelslos aus dem 20. Jahrhundert. Die Nazis verboten und verbrannten unzählige Bücher und versuchten alle Schriften, die nicht mit ihren Idealen konform gingen, aus dem totalitärem Regime zu verbannen.

Um die Jugend vor gefährdenden Inhalten zu schützen wurde 1954 dann die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (kurz: BPjM) ins Leben gerufen. Seitdem entscheidet ein zwölfköpfiges Gremium über die Indizierung von Titeln. Auf die Liste wandern Medien, die gewaltverherrlichend sind, verrohend wirken oder zum Rassenhass anstiften. Einen Antrag auf Prüfung ist Jugendämtern und dem Familienministerium vorbehalten. Die indizierten Titel dürfen zwar an Erwachsene verkauft werden, müssen sind aber an Werbe- und Vertriebsbeschränkungen halten. Um den Titeln keine gesonderte Aufmerksamkeit zu schenken, ist der Index auch nicht öffentlich einsehbar.

Auch viele bekannte Titel, darunter etliche Klassiker, fanden sich schon auf Schwarzen Listen wieder. Wir stellen euch heute 5 dieser Bücher vor.

1) "Madame Bovary" von Gustave Flaubert

 Madame Bovary von Gustave Flaubert stand auf dem Index Librorum Prohibitorum

Mit "Madame Bovary" schuf der französische Schriftsteller Gustave Flaubert einen Roman, der schon bei seinem Erscheinen Aufsehen erregte und heute zum literarischen Kanon zählt. Doch beinahe hätte die Zensur den Erfolg des Werkes verhindert.

Fünf Jahre lang arbeitete Flaubert an der Geschichte über die schöne Emma, die sich von der Ehe mit dem Landarzt Charles Bovary ein aufregendes Leben erhofft hat, von ihrem Alltag aber schnell gelangweilt ist und sich in zahlreiche Affären flüchtet. 1856 erschien die Erzählung als Fortsetzungsabdruck in der Zeitschrift "La Revue de Paris". Weil das Blatt bereits mehrfach wegen kritischer Texte vom Zensor abgemahnt wurde, strich "La Revue de Paris" gewagte Szenen und veröffentlichte eine gekürzte Version. Flaubert setzte aber durch, dass die Leser über die Änderungen informiert werden sollten, so dass das Interesse an dem vollständigen Werk nicht nur bei den Käufern der Zeitschrift, sondern auch bei der Polizei wuchs. Der Staatsanwalt klagte Flaubert schließlich wegen dem "Verstoß gegen die öffentliche Moral, die guten Sitten und die Religion" an. Das Buch verherrliche den Ehebruch, so der Vorwurf, und so musste sich der Franzose 1857 vor Gericht verantworten. Zu einer Verurteilung kam es aber nicht, der Autor wurde freigesprochen und noch im selben Jahr erschien "Madame Bovary" als Buch. Die große Aufmerksamkeit, die Flaubert durch die Anklage zuteil wurde, kurbelte den Verkauf des Romans enorm an. Doch trotz des Freispruchs setzte der Vatikan das Buch 1864 auf den Index der katholischen Kirche (Index Librorum Prohibitorum). Und auch in den USA und in Italien tauchte der Titel immer wieder auf Schwarzen Listen auf.

2) "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak

 Wo die wilden Kerle wohnen

1963 erschien der Titel "Wo die wilden Kerle" wohnen, der heute zu den erfolgreichsten Kinderbuchklassikern gehört. Doch als der Titel in den USA veröffentlicht wurde, gab es viele Kritiker. Darunter auch der bekannte Kinderpsychologe Bruno Bettelheim, der in einer Kolumne für das "Ladies' Home Journal" schrieb,  die Geschichte über den kleinen Jungen Max, der sich in die Welt der wilden Kerle hineinträumt, sei zu brutal und düster. Für Kinder sei die Vorstellung, ohne Abendessen ins Bett zu müssen (so erging es dem Protagonisten), furchterregend und traumatisierend. Viele Eltern schlossen sich seiner Meinung an. Auch die übernatürlichen Motive stießen auf Misstrauen und so wurde der Titel sogar zeitweise aus vielen Büchereien und Schulen Amerikas verbannt. Später gab Bettelheim übrigens zu, das Buch bis dahin nicht gelesen zu haben. Bis heute wurden über sieben Millionen Exemplare des Kinderbuchs verkauft.

3) "American Psycho" von Bret Easton Ellis

 American Psycho

1989 veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller Bret Easton Ellis den Roman "American Psycho", in dem der reiche und angesehene New Yorker Yuppie Patrick Bateman seine innere Leere mit immer blutrünstigeren Sex- und Gewaltexzessen zu kompensieren versucht. Schon vor der Veröffentlichung kam es  zu massiven Protesten; vor allem Frauenorganisationen kritisierten die menschenverachtenden Gräueltaten des Protagonisten. Kurz nach seinem Erscheinen sah sich der Verlag "Simon & Schuster" gezwungen, den Roman wegen seiner extremen und detaillierten Gewaltschilderungen vom Markt zu nehmen. Kurz darauf übernahm der Vintage Verlag. Etliche Bibliotheken versuchten, den Roman zu verbieten, doch er wurde in den USA nie indiziert. Als "American Psycho" dann in Deutschland bei Kiepenheuer & Witsch erschien, war das Interesse der Leser nicht so hoch wie erwartet. 1995, vier Jahre nach der Veröffentlichung, setzte die Bonner Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften den Titel auf den Index. 6 Jahre lang blieb der Titel verboten bis Kiepenheuer & Witsch 2001 die Aufhebung der Indizierung erwirkte; seither ist das Buch wieder frei verkäuflich.

4) "Shades of Grey" von E.L. James

 Shades of Grey

Der Inhalt des Buches kurz zusammengefasst: Während eines Interviews lernt die 21-jährige Studentin Anastasia Steele den 27-jährigen Milliardär Christian Grey kennen und fühlt sich sogleich zu ihm hingezogen. Doch seine Leidenschaft für Sadismus und Bondage sind für die unerfahrene Studentin eine Herausforderung.

Nachdem Malaysia (wie auch andere Länder) schon die Verfilmung des Bestsellers verboten hatte, folgte 2015 auch das offizielle Verbot des Buches. Das Innenministerium entschied, dass der Druck, der Import und der Besitz des Buches nicht länger erlaubt seien. Das Buch wurde wegen der sadistischen Sexszenen vom Markt genommen.

Auch in Amerika stößt der Titel immer wieder auf Kritik. Einige Büchereien bieten das Buch nicht zum Verleih an. Die "American Library Association" hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Aufforderungen der Bevölkerung, bestimmte Bücher aus den öffentlichen Büchereien und Schulen zu verbannen, zu zählen. Jedes Jahr veröffentlicht sie eine List der Top Ten Bücher, um die Öffentlichkeit über die Zensur-Bemühungen zu informieren. 2015 fand sich "Fifty Shades of Grey" auf Platz zwei wieder.

5) Vladimir Nabokov "Lolita"

 Lolita von Vladimir Nabokov

Der russisch-amerikanische Schriftsteller Vladimir Nabokov hatte es zu Anfang schwer, einen Verlag für sein Buch zu finden. Das skandalträchtige Thema - die pädophile Liebe des Literaturwissenschaftlers Humbert Humbert zu seiner 12-jährigen Stieftochter Dolores Haze - wurde schnell als Pornografie abgestempelt und amerikanische Verlage lehnten das Manuskript von Vornherein ab. Man war der Auffassung, die Geschichte verharmlose das Thema Kinderschändung. In Frankreich dagegen wurde Nabokov schnell fündig. Der Verlag Olympia Press, der auf englischsprachige Erotikliteratur spezialisiert war, nahm den Schriftsteller 1955 unter Vertrag. Weltweite Aufmerksamkeit wurde dem Roman zuteil, als der britische Autor Graham Greene das Buch in der "The Sunday Times" empfahl und John Gordon den Titel daraufhin im schottischen "Sunday Expres" aufs Schärfste kritisierte und als "das dreckigste Buch", das er je gelesen hatte, betitelte. Das Interesse der Medien und Leser wuchs enorm. Großbritannien ließ das Buch verbieten und drängte auch Frankreich dazu, gegen Nabokovs Werk vorzugehen. Auf eine Razzia bei Olympia Press folgte ein Verbot aller Erzeugnisse des Verlags, das 1958 aufgehoben wurde. Kurz darauf wurde der Titel aber wieder verboten. Dieses Mal aufgrund des Jugendschutzgesetzes. Das Buch durfte weder in Buchhandlungen ausgelegt noch an Kunden unter 18 Jahre verkauft werden. Auch in Australien, Neuseeland, Südafrika und Argentinien durfte der Titel nicht angeboten werden. In der Sowjetunion waren generell alle Bücher des Schriftstellers verboten - so auch "Lolita". Den Besitzer eines seiner Bücher drohte das Straflager. Erst als 1987 das erste Buch des Autors dort zugelassen wurde, entdeckte die sowjetische Bevölkerung  die Literatur Nobakovs ganz neu. In Deutschland dagegen durfte das Buch frei verkauft werden. Jedoch weigerten sich auch hier einige Bibliotheken und Buchhandlungen den Titel anzubieten. Und auch im eher prüden Amerika wurde der Titel nicht verboten, ganz im Gegenteil: innerhalb kürzester Zeit wurde er zum Bestseller. Heute zählt Nabokovs Werk zu den Klassikern der Weltliteratur.

Was meint ihr? Gibt es Bücher, die tatsächlich verboten werden sollten? Oder denkt ihr, dass die Entscheidung beim Leser liegen sollte? 

Kommentare

e-möbe kommentierte am 21. April 2016 um 10:13

1834 entschied sich der Deutsche Bundestag? Kann ich mir jetzt nicht so richtig vorstellen. Es gab zwar um diese Zeit schon Parlamente, aber einen Bundestag in dem Sinne sicherlich nicht.

Aber egal, eine interessante Liste und zumindest bei Shades of Grey habe ich gelacht. Sadistische Sexszenen? :D Man kann ja schon froh sein, dort überhaupt Sexszenen zu finden. Hätte es schon eher verstanden, wenn dieses Buch wegen Verherrlichung von Stalking auf dem Index landet.

Wenn mich nicht alles täuscht, ist in den USA bei einigen religiösen Eiferern auch Harry Potter auf dem Index wegen irgendwelcher eingebildeter schwarzer Magie oder Verherrlichung derselben oder weil sich die Kirche davon bedroht fühlt oder oder oder.

Ob es Index geben sollte? Bin ich sehr unschlüssig. Wer soll das entscheiden, welches Gremium, welche Institution? Und wer überwacht diese wiederum?

Dezembernacht fantasierte am 21. April 2016 um 10:22

Das mit Harry Potter habe ich auch mal irgendwo gelesen.... ich glaube sogar hier bei wasliestdu. Ich kann da echt nur den Kopf schütteln... wie war das nochmal mit dem freien Land? :D

Maren Kahl kommentierte am 21. April 2016 um 10:35

Ja, darüber habe ich hier mal was geschrieben: http://wasliestdu.de/magazin/2014/buecherverbrennung

Dezembernacht fantasierte am 21. April 2016 um 10:48

Vielen Dank nochmal für den Link :)

Lily911 kommentierte am 28. April 2016 um 14:43

Ja hier gab es diesen Artikel mit den Bücherverbrennungen. Und leider gehört Harry Potter sogar dazu. Das ist wirkluch echt traurig und einfach nur unerhört und lächerlich! Besonders fand ich es einfach nur verrückt, dass Harry Potter in Amerika in Bibliotheken verboten wurden ist, weil es "angeblich" Kinder dazu bringen sollen sich nicht zu benehmen und Unsinn treiben sollen, alles Vorurteile! Als ob Harry Potter das einzige Buch wäre... Kopf schüttel ist hier tatsächlich angebracht ohne gleich beleidigend zu werden. Freies Land, steht auf dem Papier, aber sich auch wirklich daran zu halten ist wiederum eine andere Sache... Auch von mir vielen Dank für den Link Maren. ☺

Maren Kahl kommentierte am 21. April 2016 um 10:34

Die Info zum Bundestag hatte ich aus dem Buch "Was geschah mit Schillers Schädel?". Offen gestanden war ich an diesem Punkt ebenfalls etwas unsicher ... Tatsächlich gab es ab 1814/1815 die Bundesversammlung, die später den Namen "Deutscher Bundestag" erhielt. Da ich dazu aber kaum Infos finden konnte, habe ich den Satz sicherheitshalber umformuliert. Danke für den Hinweis.  

e-möbe kommentierte am 21. April 2016 um 11:07

War echt nicht böse gemeint, kam mir bloß seltsam vor. Aber ich habe jetzt mal Wiki bemüht (obwohl das ja auch immer so eine Sache ist) und auch die reden nicht vom Bundestag. Ist eigentlich auch nicht so wichtig. Aber vielleicht solltest du den Satz bei mir jetzt auch rausnehmen, bevor sich jeder fragt, was ich meine. ;)

Dezembernacht fantasierte am 21. April 2016 um 10:20

Ein sehr interessanter Artikel, danke dafür :) Ganz allgemein finde ich es sehr wichtig, dass es Menschen gibt, die das was da auf den Markt kommt überwachen, gerade was Kinder- und Jugendliteratur angeht. Aber man kanns eben auch übertreiben. Schwieriges Thema... zumal es gerade bei Kinder- und Jugendliteratur -meiner Meinung nach- auch die Aufgabe der Eltern ist das Kind im Auge zu behalten und die Dinge die es da liest vor allem zu erklären. Das ist wie mit den Disney Filmen... fällt mir gerade ein, weil ich die Diskussion neulich mit meiner Mutter hatte. Viele Szenen die ich mir heute so ansehe ... z.b. bei Dornröschen finde ich super gruselig und denke mir manchmal "Um Gottes Willen, so ein kleines Kind macht sich doch in die Hosen wenn es so etwas sieht." Ich habe die Filme aber als Kind selbst geschaut und hatte keine Angst. Warum nicht? Weil meine Mutter sich die Filme mit mir zusammen angeschaut hat, mir viele Dinge erklärt hat und die Angst so gar nicht erst entstehen konnte. Ich denke als Mutter kann man auch sehr gut einschätzen wie sensibel das eigene Kind ist und dann dementsprechend handeln. Ich hab auch als Teenager Bücher gelesen die teilweise für Erwachsene gedacht waren, oder hab mir heimlich Horrorfilme angeschaut :D... wenn einem das Elternhaus genug Verstand mit auf den Weg gibt, kommt man damit meiner Meinung nach gut zurecht und kann auch gut selbst einschätzen was man sich ansehen bzw. lesen kann und was lieber nicht. Das sind jetzt zumindest meine Erfahrungen.

Als Erwachsener entscheide ich gerne selbst was ich lesen möchte und was nicht. Ich bewege mich gerne frei, was aber nicht möglich ist, wenn es über mir permanent Menschen gibt die durch ihren Kontrollwahn meine Freiheit einschränken... jetzt mal krass ausgedrückt.

Was mir in dem Artikel mal wieder ins Auge sticht ist die Doppelmoral der Amerikaner... das Kinderbuch verbieten, aber Knarren verkaufen... echt ey -.-

Dezembernacht fantasierte am 21. April 2016 um 10:34

Dasselbe gilt übrigens auch für Musik. Ich hab als Teenager zum Beispiel viel von den Jungs aus Westberlin gehört... die Texte waren ja mega im Verruf und da sind etliche Titel auf dem Index gelandet. Ich verstehe ja, dass es Menschen gibt, die sich an dem Mist vielleicht ein Beispiel nehmen, aber auch hier kommt wieder das Elternhaus ins Spiel. Man sollte den Kindern einfach gesunden Menschenverstand mit auf den Weg geben, das ist das Wichtigste. Und die Kids die Mist bauen, bauen den Mist auch ohne die gewaltverherrlichende Musik oder Ballerspiele, das ist meine Meinung. Siehe Bowling for Columbine... die Jungs wären auch Amok gelaufen, wenn Marilyn Manson keine Musik machen würde...

Arbutus kommentierte am 21. April 2016 um 11:22

Aber darum geht es ja genau, um das Elternhaus. Aufmerksame Eltern entscheiden sowieso sehr bewusst mit, was sie ihren Kindern zu lesen geben und was nicht. Aber die Indiziierung jugendgefährdender Schriften/ Filme etc. ist doch gerade auch für die Kinder als Schutz gedacht, deren Eltern da unsensibel sind. Es gibt halt nun mal auch solche.

- und in so einem Fall kann es sehr wohl enthemmend/ stimulierend wirken, wenn gefährdete Kinder dann auch massiv mit solchen Büchern/ Filmen/ Spielen bombardiert werden.

Dezembernacht fantasierte am 21. April 2016 um 12:02

Ja, das stimmt, deswegen ist es ein schwieriges Thema... für die Kinder, deren Eltern unsensibel sind, ist es natürlich wichtig, das steht außer Frage :)

Allgemein ist dieses Thema sehr umfangreich, deswegen finde ich es so schwierig... einserseits landen "gealtverherrlichende" Bücher auf dem Index, aber andererseits ist es vollkommen in Ordnung wenn Länder gegeneinander Krieg führen, Zivilisten getötet werden etc. Da steckt so viel Doppelmoral dahinter... das ist das, was mich an dem Thema immer so stutzig macht. Und ganz insgesamt sind Kontrolle und Sicherheit wichtig, Sicherheit geht aber immer auf Kosten meiner persönlichen Freiheit. Das muss man bei dem ganzen Thema Zensur etc. auch bedenken.

Vor allem aber hatte ich als Kind/Teenager immer das Gefühl das einige Erwachsene denken ich sei dumm. Den Kids heutzutage wird mega wenig Verstand zugetraut, das finde ich sehr schade. Man muss auch ein bisschen darauf vertrauen dass das eigene Kind genug Verstand besitzt gewisse Dinge selbst zu entscheiden.

sheena01 kommentierte am 22. April 2016 um 09:01

Ich glaube ehrlich gestanden nicht, dass gewaltverherrlichende Bücher in unserer schnellebigenzeit das Problem sind. Ego-Shooter-Spiele schon eher, denn ich denke nicht, dass Kinder/Jugendliche die tagtäglich stundenlang irgendwelchen Baller-Spielen frönen, sich hinsetzen um irgendein Buch welchen Inhalts auch immer zur Hand zu nehmen....

sheena01 kommentierte am 22. April 2016 um 08:56

Weil Du gerade Marilyn Manson ansprichst - dass er damals mit dem Columbine Amoklauf als Auslöser in Verbindung gebracht wurde, war sowas von lachhaft und fadenscheinig. Wenn man sich im Vorfeld die Mühe gemacht hätte, sich mit der Figur Manson ausseinanderzusetzen, hätte man festgestellt, dass er ein sehr reflektierter und kritischer Zeitgenosse ist. Aber dass war gewissen Leuten einfach ein bisserl zu hoch, fürchte ich... und was kommt einem gelegener als einen Sündenbock zu haben, um sich selbst der Verantwortung zu entziehen? Wenn ein Jugendlicher Gewalttendenzen hat, sollte sein Elternhaus in erster Linie einmal seine Erziehung(smethoden) hinterfragen, denke ich. Aber die Musiker, deren Musik sich der Sprößling umgibt verantwortlich zu machen, ist mehr als billig! Wie Du schon sagtest, wer von seinem Elternhaus gesunden Menschenverstand mit auf den Weg gegeben bekommen hat, ist gegen Gewaltverherrlichung und sonstige Tendenzen immun....

Dezembernacht fantasierte am 22. April 2016 um 09:28

Ja, das Thema Marilyn Manson ist endlos, hab die Tage noch eine Reportage über den Amoklauf im TV geschaut und damals natürlich auch den Film "Bowling for Columbine"... übrigens sehr empfehlenswert :). Auch die Demonstrationen die da abliefen, wenn er ein Konzert gegeben hat, absolut lächerlich. Wie du schon sagtest hätten sie sich einfach mal mit ihm als Person auseinander setzen sollen... er ist nicht nur sehr reflektiert und kritisch, sondern auch sehr intelligent. Was die meisten verdrängen, weil sie ihn nach seinem Äußeren beurteilen. In einem Interview erzählte er mal dass ihm jemand gesagt hätte "Oh wow, ich hätte gar nicht gedacht, dass du so ein schlauer Kerl bist" und er meinte nur "Wow, ich hätte nicht gedacht, dass du so dumm bist!" :D Das bringts ziemlich auf den Punkt :D

micluvsds kommentierte am 22. April 2016 um 14:43

Das mit Marylin Manson habe ich nie verstanden (ich habe ihn als sehr höflichen, intelligenten und an seinen Gesprächspartnern aufrichtig interessierten Menschen erlebt, da können sich viele seiner Kritiker eine Scheibe abschneiden). Und was Amokläufe und Medien betrifft: Ich habe mich sehr viel mit dem Thema beschäftigt. Es stimmt schon, dass viele Täter vorher diese Computerspiele gespielt haben - im Vergleich zu den Menschen, die dieselben Spiele spielen und NICHT Amok laufen ist die Anzahl aber sehr gering. Das gleiche gilt für bestimmte Musikrichtungen. Und manche Leute übertreiben es mit ihrem "Oh, die Kinder werden durch Musik verdorben" - Ich kenne Leute die einen als Amoklaufgefährdet ansehen wenn man Roxette hört (ich hab bis heute nicht verstanden wieso - wenn mir hier jemand diesen Gedankengang erklären kann, würde ich mich freuen).

kingofmusic kommentierte am 21. April 2016 um 10:45

Ja, die Doppelmoral der Amis ist wirklich absolut daneben. Aber die Kirche ist in dem Punkt ja (leider) auch nicht besser...

e-möbe kommentierte am 21. April 2016 um 11:43

Das ist nicht Doppelmoral, das ist schlau. Bücher bringen vielleicht dazu nachzudenken, das können die USA nicht wirklich wollen. Was Knarren machen, wissen alle. ;)

Dezembernacht fantasierte am 21. April 2016 um 11:52

Hehe, guter Einwand :D

sheena01 kommentierte am 22. April 2016 um 09:04

Naja, nicht zu vergessen: ein dummes Volk ist immer noch leichter zu regieren als ein kritisches.... Da sind Bücher dann eher kontraproduktiv! ;-)

 

Sibylle P. kommentierte am 21. April 2016 um 21:18

Genau meine Meinung.

Als damals dieser große Tsunami war, wurde in vielen Medien disskutiert, dass man Kindern diese Bilder nicht zumuten sollte.

Meine Meinung dazu war schon damals, dass man sich mit Kindern schon damit beschäftigen sollte (kommt natürlich auch immer bissel auf Alter, Charakter etc. an), aber eben Zusammen. Nicht die Kinder davor allein lassen, sondern erklären, disskutieren, dabei sein. Das fand ich immer sehr wichtig.

Das mit der Doppelmoral der Amerikaner ist gut...ja genau so ist es.

kingofmusic kommentierte am 21. April 2016 um 10:52

Die Indizierung von "Madame Bovary" ist aus heutiger Sicht absolut lachhaft; ebenso "Die wilden Kerle"...

westeraccum kommentierte am 21. April 2016 um 10:56

Eine interessante Liste!

micluvsds kommentierte am 21. April 2016 um 14:33

Interessante Liste. Aber  manchmal fragt man sich, nach welchen Kriterien da indexiert wird (auch bei der Musik). Mir fällt jetzt gerade spontan kein Beispiel ein, aber manchmal habe ich mich dann gefragt, warum Buch x auf dem Index ist, Buch y aber nicht.

digra kommentierte am 21. April 2016 um 22:12

Vielleicht weil es nur 12 Leute sein sollen, ich betone zwölf!, die das alles alleine entscheiden.

Da drückt doch jeder seinen persönlichen Stempel auf. Representativ für die Volksmeinung kann das ja wohl nicht sein.

Die geringe Zahl der Entscheider hat mich hier wirklich schockiert.

 

micluvsds kommentierte am 22. April 2016 um 14:36

Das stimmt, dass ist echt eine sehr geringe Anzahl. DAnn muss man sich ja nicht wundern.

 

DinDin kommentierte am 21. April 2016 um 17:03

Finde ich spannend. Ich frage mich, ob gerade durch ein Verbot das Interesse an solchen Werken steigt. Lolita habe ich sogar im Bücherregal, da es zur Weltliteratur zählt, jedoch noch nicht gelesen. Interessieren würde mich aus der Liste nur noch Madame Bovary, wobei ich mehr negatives gehört habe.

Hexenbiest kommentierte am 21. April 2016 um 20:30

"American Psycho" habe ich gelesen...leider...Die Gewaltszenen sind absolut widerlich. Ansonsten ist die Story total langweilig. Seitenweises Gerede darüber welches Hemd zu welchem Anzug passt oder wo man heute zum Essen hingehen soll. Wären die überzogenen Gewaltdarstellungen nicht, würde wahrscheinlich kaum jemand das Buch kennen geschweige denn lesen.

hobble kommentierte am 22. April 2016 um 06:05

ja, man wundert sich, welche Bücher auf der Liste stehen

benfi kommentierte am 22. April 2016 um 07:38

Bei Heftromanen wurde in den Siebzigern und Achtzigern von der BPjM - damals aber BPjS (Schriften) - richtig gewütet. Teilweise auch lachhaft, wenn man die Gründe liest. Das Auge war aber da etwas schärfer, weil Heftromane leichter für Jugendliche zugänglich waren...

Amerika ist nun mal schon immer so gewesen, ich nenne es gerne scheinheilig. Lustig, dass sie sich über 'Shades Of Grey' empören, möchte im Vergleich mal dazu sehen, an welcher Stelle deren Porno-Industrie steht - gewiss auf dem Treppchen! Dazu haben sie tausende Kirchenvereinigungen ... und jedes Mitglied eine Knarre im Hosenbund. Komische Welt...

Hm, ob man sowas wie eine Prüfstelle braucht. Unterm Strich denke ich schon, aber leider ist jeder irgendwann korrupt und dann ist das auch schnell mal zweckentfremdet...

Gesunder Menschenverstand ist da echt besser. Siehe Stephen King: nach einigen tragischen Amokläufen in Schulen, bei denen es tatsächlich einen Bezug zu seinem Werk gab, hat er sein unter Richard Bachmann veröffentlichtes Buch AMOK vom Markt nehmen lassen, weil er es einfach nochmal selbstkritisch betrachtet hatte ... Daumen hoch!!!

sheena01 kommentierte am 22. April 2016 um 08:45

Ich finde die Regelung, ein Buch an Kunden unter 18 Jahren nicht verkaufen zu dürfen, mehr als heuchlerisch. Wenn das Buch von den Eltern gekauft wird und zuhause herumliegt, was bring dann dieses Verkaufsverbot???? 

LinaLiestHalt kommentierte am 22. April 2016 um 12:18

:-) Oh Mann, das mit den Wilden Kerlen wusste ich ja gar nicht. ich habe letztens erst Madame Chatterley gelesen, das ja auch recht umstritten und teilweise verboten war zu seiner Zeit - aus heutiger Sicht lächerlich.

Heinz60 kommentierte am 23. April 2016 um 08:03

Noch was zum schmunzeln.

Im Jahr 2015 wurden die meisten Anzeigen gegen Bücher, in den USA gegen die Bibel, eingereicht  :-( ?

Begründung unter anderem:    "Zu viele sexuelle Stellen und Gewaltverherrlichung"

bromer65 kommentierte am 23. April 2016 um 10:39

Ich habe mir vor kurzem einen Tolino gekauft. Ein Buch war bereits auf dem Reader, als ich ihn bekommen habe: Madame Bovary!

Da bin ich jetzt sehr gespannt drauf...

Welpemax kommentierte am 24. April 2016 um 12:24

Quis custodes custodiet? (Wer überwacht die Wächter?)

Adlerauge kommentierte am 24. April 2016 um 13:37

Habe gestern gerade im Fernsehen auf 3 sat -wahrscheinlich auch noch in der Mediathek zu sehen ) einen erschütternden Bericht über den "Vatikan der katholischen Kirche ,die sehr viele zensierte Bücher und Romane unter Verschluss halten ,die für die Öffentlichkeit nicht zugelassen sind ,da diese Werke angeblich zu freizügig und pornografisch dargestellt sind !!!

Da sieht man doch wieder ,was für Macht die katholische Kirche doch besitzt , um die Veröffentlichung der Bücher (ob freizügig oder pornografisch ist doch in der heutigen Zeit doch kein Thema mehr ) zu verbieten !

Maren Kahl kommentierte am 25. April 2016 um 12:10

Danke für den Tipp! Das klingt sehr interessant, werde ich mir anschauen. :-)

Lese-Echse Mona kommentierte am 26. April 2016 um 13:29

Ich habe beim Titel sofort an Hitlers "Mein Kampf" gedacht... und dann sind "die wilden Kerle" sowieso lachhaft. 

Das über Harry Potter habe ich auch schon gelesen und glaube, dass es nicht das einzige Buch(-reihe)  ist/war. Sicherlich gibt es noch andere, weniger bekanntere Werke über Hexen, Zauberer und Fantasiewesen, die als schwarze Magie oder Verherrlichung des Bösen oder einfach Humbug verbrannt, zensiert oder indiziert wurden. 

Runar RavenDark kommentierte am 27. April 2016 um 03:30

Ich hab mir gleich mal American Psycho und Lolita bestellt :)

Myrna kommentierte am 28. April 2016 um 04:42

American Psycho habe ich damals, als es rauskam, gekauft und gelesen. Ich fand das recht seltsam, einerseits diese ganzen Kleidungsbeschreibungen, andererseits diese grausamen Gewaltszenen. Ich muss sagen, ich war damals besonders über die Eiseskälte des Mr. Bateman, mit der er die Grausamkeiten beging, wirklich geschockt...

Bücher, Filme, Musik oder Spiele auf den Index - nun, verständlich ist das, aber ob eine einzige Indizierung wirklich eine einzige Gewalttat verhindert?

Da sind wirklich die Eltern gefragt.

parole kommentierte am 28. April 2016 um 17:51

Interessante Austellung! Die Römer waren schon weit voraus.

Und das mit den "Wilden Kerlen" war mir nicht bekannt. (gerade die Amerikaner)!