Rezension

Menschen geschehen Dinge

City of Girls - Elizabeth Gilbert

City of Girls
von Elizabeth Gilbert

Bewertet mit 4 Sternen

In Elizabeth Gilbert Roman "City of Girls“ liefert Ich-Erzählerin Vivian Morris als alte Frau eine Lebensbeichte ab, die an eine zunächst Unbekannte namens Angela gerichtet ist. Der Bericht setzt 1940 ein, als die 19jährige Vivian Morris das Vassar College verlassen muss, wo sie sich ein Jahr lang hemmungslos amüsiert hat. Ihre enttäuschten Eltern schicken sie nach New York zu ihrer Tante Peg, die in Manhattan das Lily Playhouse leitet. Sie bringt einfache lustige Stücke in Revuen mit hübschen Revuegirls für die Bewohner des Viertels zur Aufführung. Vivian hat bei ihrer Großmutter das Nähen gelernt und fertigt Kostüme an. Sie zieht mit ihrer Freundin, der wunderschönen Celia Ray, jede Nacht durch die Clubs, betrinkt sich und macht eine Menge sexuelle Erfahrungen.  Es ist für sie eine völlig neue Welt, ein starker Kontrast zu ihrer Herkunft als WASP (White Anglo-Saxon Protestant)., wobei WASP die Mitglieder der weißen protestantischen Mittel- und Oberschicht bezeichnet. Eines Tages wird ihr Leben durch einen Skandal umgekrempelt. Nach einem kurzen Aufenthalt in ihrem Elternhaus führt sie in New York mit einer Freundin erfolgreich eine Schneiderei für Brautkleider. Die Liebe ihres Lebens wird Frank Grecco, ein schwer traumatisierter Kriegsteilnehmer, dem sie als junge Frau einmal kurz begegnet war. Sie sind einander innig verbunden, aber es ist keine Beziehung wie andere.

Die Autorin zeichnet vor dem historischen Hintergrund vor allem der 40er Jahre das Porträt einer Frau, die auch durch das Vorbild ihrer Tante Peg lernt, ihr Leben so zu führen, wie sie will, ohne sich dafür zu schämen – so wie es Männern längst gestattet ist. Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann - den Krieg zum Beispiel -, aber es gibt genügend Bereiche, in denen Frauen ihre eigenen Entscheidungen treffen, wie es im Übrigen auch die Autorin selbst vorgelebt hat, in dem sie sich von ihrem Mann trennte und eine Liebesbeziehung zu einer todkranken Frau einging. Der Roman ist nicht durchweg spannend, aber auf jeden Fall interessant und lesenswert.