Rezension

Nicht so gut wie erwartet

Die geheime Mission des Kardinals - Rafik Schami

Die geheime Mission des Kardinals
von Rafik Schami

Bewertet mit 0.5 Sternen

Ich erspare mir an dieser Stelle eine Zusammenfassung, da man sie ja oben nachlesen kann. 

Leider hat auch mich dieses Buch nicht völlig überzeugen können, obwohl es ganz oben auf meiner Wunschliste stand. Der Schreibstil ist zwar poetisch, rhetorisch und literarisch einwandfrei, doch das Buch ist weder spannend noch langweilig. Barudi, der Kommissar, der kurz vor seiner Pensionierung steht, muss einen mysteriösen Mord an einen Kardinal aufklären. Bei seinen Ermittlungen steht ihm der italienische Geheimdienstler Mancini zur Seite. Was zunächst als Kriminalroman beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer Erinnerungsreise durch Syrien vor Ausbruch des Krieges. Die Idee mit dem Tagebuch, das Barudi führt, fand ich zunächst interessant und aufschlussreich, später aber empfand ich die Erzählweise immer aufgesetzter. In jedem Abschnitt werden banale Nebensächlichkeiten aneinandergereiht, die nichts mit dem Fall oder der Aufklärung des Mordes zu tun haben. Ständig werden dem Leser Belehrungen um die Ohren gehauen. Die Geschichte wirkte zunehmend wirklichkeitsfern und lieblos heruntergerasselt, stellenweise fast schon arrogant. Auch die Dialoge empfand ich unrealistisch. So spricht kein Mensch, auch kein Syrer und erst recht keine Kommissare - und nachdem ich in der Mitte des Buches erfuhr, dass Barudis Nachbar gefurzt hat, war die Geschichte für mich beendet.

Barudi funktioniert lediglich als Sprachrohr. Ich hatte insgesamt den Eindruck, dass mir der Autor seine eigenen Gedanken aufzwingen wollte. Da er selbst seit 1970 im Exil lebt, kann ich nicht nachvollziehen, wieso er sich noch immer mit seiner Heimat und den dort herrschenden Zuständen so stark identifiziert. Wenn das eine Abrechnung mit dem Regime sein soll, dann habe ich sie entweder falsch verstanden oder sie wurde tatsächlich ungünstig umgesetzt.

Bei allem Respekt, aber das war leider gar nicht mein Ding.