Alle Rezensionen von Federfee

Die Geschichte der Bienen - Maja Lunde

Die Geschichte der Bienen
von Maja Lunde

Am Thema vorbei, eher Familiengeschichten

Ein edles, gut gestaltetes Hardcover: "Die Geschichte der Bienen". Dieser Titel in Verbindung mit dem Klappentext war es, der falsche Erwartungen in mir geweckt hat. Meiner Meinung nach kommt die Bienenproblematik in diesem Buch völlig zu kurz und es geht eher um Familienprobleme: falsche Erwartungen und Sprachlosigkeit im Umgang miteinander.

1984 - George Orwell

1984
von George Orwell

Eines der wichtigsten Bücher über Totalitarismus, nicht einfach zu lesen

Dies ist eine Dystopie in drei Teilen, ein schwarzseherisches Buch über totalitäre Staaten, eines, das ich für ungeheuer wichtig halte, um Tendenzen von heute zu erkennen, aber auch für schwierig zu lesen, weil es so viel Wichtiges und Nachdenkenswertes enthält, das man es mit einem Lesen gar nicht erfassen kann.

Abgrund - Bernhard Kegel

Abgrund
von Bernhard Kegel

Ein leicht und locker zu lesender Roman, ein bisschen Wissenschaft, ein bisschen Krimi, alles ein bisschen oberflächlich

Schauplatz dieses Romans sind die Galápagos-Inseln, den meisten wegen Charles Darwin bekannt, der das naturwissenschaftliche Denken seiner Zeit revolutionierte (Evolutionstheorie), aber auch, weil es auf diesem Archipel eine einzigartige Tierwelt gibt, die man kaum irgendwo sonst findet. Sie zieht Forscher und Touristen aus aller Welt an.

Teufelsfrucht - Tom Hillenbrand

Teufelsfrucht
von Tom Hillenbrand

Unblutiger Krimi mit gesellschaftskritischen Nadelstichen

Im Urwald von Papua-Neuguinea gibt es seltsame Insekten und Pflanzen. Und in unserer Welt gibt es seltsame Berufe, z.B. Foodscouts, solche, die versuchen, immer wieder neue Früchte oder sonstwie Essbares zu entdecken, um die unendliche Gier nach immer wieder Neuem im Restaurant zu befriedigen.

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod - Gerhard Jäger

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod
von Gerhard Jäger

Ein wunderbares Buch, wortgewaltig und poetisch

"Noch immer sind keine Berge zu sehen. Noch immer hängen graue Tücher über der Stadt. Noch immer glitzern die Straßen, nass von Regentropfen, …" (165)

Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm - Selja Ahava

Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm
von Selja Ahava

Ein trauriger, poetisch geschriebener Roman über die demente Anna

"Anna verlor Sachen, Stunden und Wörter." (89) - "Mein Gedächtnis funktioniert nicht mehr … Früher musste ich nach ein, zwei Wörtern suchen. Heute kommen mir ganze Gedanken abhanden. Aber ich habe Erinnerungen." (11)

Gefährliche Empfehlungen - Tom Hillenbrand

Gefährliche Empfehlungen
von Tom Hillenbrand

Unblutiger kulinarischer Krimi mit einer Prise Humor

Als ein Gastroführer 'Guide Gabin' von 1939 gestohlen wird, wird der luxemburgische Koch Xavier Kieffer in den Fall hineingezogen. Wegen dieses Führers, dessen empfohlene Restaurants es gar nicht mehr gibt, stirbt sogar ein Bibliothekar. Was also hat es damit auf sich?

Wer Furcht sät - Tony Parsons

Wer Furcht sät
von Tony Parsons

Ein spannender, manchmal etwas unglaubwürdiger Kriminalroman mit dem Thema 'Selbstjustiz'

Der deutsche Titel passt meines Erachtens überhaupt nicht; der englische Originaltitel trifft es besser: 'The Hanging Club'. Dieser besteht aus mehreren Personen, die sich jene vornehmen, die ihrer Meinung nach für ihre abscheulichen Taten nicht genügend bestraft worden sind.

Die vielen Talente der Schwestern Gusmão - Martha Batalha

Die vielen Talente der Schwestern Gusmão
von Martha Batalha

Skurril und teilweise absurd

Wenn man dem Klappentext glauben darf, finden die Schwestern Gusmão ihr Glück trotz des eintönigen Familienalltags und erkennen, "dass die größte Lebensfreude dort verborgen ist, wo sie am allerwenigsten danach gesucht hätten …" Entweder habe ich das trotz genauen Lesens nicht entdeckt oder es ist einfach nicht so.

Ein Lied für die Geister
von Louise Erdrich

Zauberhaft und magisch, melancholisch und tragisch

Inhaltlich gibt es wenig zu sagen und darauf kommt es auch nicht an: Der kleine Dusty wird aus Versehen (ein Jagdunfall) von Landreaux Iron erschossen. Das stürzt beide beteiligten und eigentlich befreundeten Familien ins Unglück.

Der Vollstrecker - Chris Carter

Der Vollstrecker
von Chris Carter

Sehr spannend, aber ziemlich brutal

Auch hier im 2. Band der Reihe haben es die beiden Detectives aus Los Angeles wieder mit einem äußerst brutal agierenden Serienkiller zu tun, auch hier gibt es gute Ermittlungsarbeit, aber auch eine in meinen Augen überflüssige Nebenhandlung und am Ende zu viel Unwahrscheinliches. Allerdings wird alles aufgelöst und für den Leser bleiben keine Fragen offen.

Der Kruzifix-Killer - Chris Carter

Der Kruzifix-Killer
von Chris Carter

Harter Tobak, aber spannend

Robert Hunter und sein neuer Kollege Carlos Garcia haben es nur mit dem Schlimmsten zu tun, mit brutalen Serienmördern. Dementsprechend ist dieser erste Band einer mehrteiligen Reihe nichts für Zartbesaitete. Aber spannend war der Thriller, wenn auch das Ende etwas konstruiert wirkte.

Der Angstmann
von Frank Goldammer

Eine Perle unter den Kriminalromanen

Dresden 1944/1945: Als ob es nicht schon schlimm genug wäre! Das Dritte Reich liegt in den letzten Zügen, die Menschen hungern, es fehlt am nötigsten, Flüchtlinge überschwemmen die Stadt, Chaos überall, und dann passieren auch noch schreckliche Morde an jungen Frauen. "Der Angstmann geht um", ein Ungeheuer, glauben Kinder und demoralisierte Erwachsene.

Nussschale - Ian McEwan

Nussschale
von Ian McEwan

Satirisch? Skurril? Literarisch? Gesellschaftskritisch? Komisch? Ein Krimi? Ein bisschen von alledem und nichts davon

Wie realistisch ist das? Kann das so sein? Diese Gedanken sollte man 'an der Garderobe abgeben' bevor man das Buch beginnt. Einen Realitätsmaßstab darf man nicht anlegen, sondern man muss sich unbefangen auf diese ganz und gar ungewöhnliche Perspektive einlassen.

Bella mia - Donatella Di Pietrantonio

Bella mia
von Donatella Di Pietrantonio

Momentaufname eines Lebens nach dem zerstörerischen Erdbeben von L'Aquila

Schreckliche Ereignisse und ihre Folgen kann man viel besser verstehen, wenn das Grauen am Konkreten festgemacht ist, auch wenn es ein Roman ist. Hier sind es drei unterschiedliche Hauptpersonen:

Widerfahrnis
von Bodo Kirchhoff

Späte Liebe, Flüchtlingsbegegnungen, Sprachkunst vom Feinsten

Bodo Kirchhoff hat mit seiner Novelle 'Widerfahrnis' den Deutschen Buchpreis 2016 gewonnen. Ist er nun so umwerfend gut, dieser kurze Roman, den Kirchhoff selbst Novelle nennt? Es ist meisterlich, wie Bodo Kirchhoff die Gedanken seiner Hauptperson Reither in Worte kleidet, solche, die nicht abgegriffen sind, solche, die man mehrfach lesen müsste, sollte, will.

Meine geniale Freundin - Elena Ferrante

Meine geniale Freundin
von Elena Ferrante

Eine ungewöhnliche Kinder- und Jugendfreundschaft im Neapel der 50er Jahre

Die 66jährige Lila aus Neapel ist verschwunden. Ihr missratener Sohn macht sich Sorgen und ruft ihre langjährige Freundin in Turin an, Elena. Die weiß, dass Lila schon lange den Wunsch hatte, spurlos zu verschwinden (kein Selbstmord):

"Sie wollte sich in Luft auflösen, wollte, dass sich jede ihrer Zellen verflüchtigte, nichts sollte mehr von ihr zu finden sein." (S. 19)

Die Toten, die dich suchen - Gisa Klönne

Die Toten, die dich suchen
von Gisa Klönne

Zu viele private Probleme, kaum Ermittlung, enttäuschend

Der Roman ist in meinen Augen kaum 'Krimi' zu nennen, denn die polizeiliche Ermittlungsarbeit kommt viel zu kurz. Zwar erwarten wir heutzutage gut ausgearbeitete Personen, aber man kann 'des Guten' zu viel tun. Themen werden nur angerissen und wieder fallengelassen.

Birk - Jaap Robben

Birk
von Jaap Robben

Beklemmender Roman über ein seltsames Mutter-Sohn-Verhältnis

Eine einsame kleine Insel, auf der nur der Fischer Karl lebt und eine Familie: Vater Birk, die Mutter und Sohn Mikael. Eines Tages verschwindet Birk im Meer. Erst nach und nach kommt heraus, warum sich der kleine Sohn Mikael am Tod seines Vaters die Schuld gibt. Er meint, seinen Vater noch überall zu sehen und auch die Mutter will den Tod ihres Ehemannes nicht wahr haben.

Das Nest - Cynthia D'Apriz Sweeney

Das Nest
von Cynthia D'Apriz Sweeney

Eine Familiengeschichte über die Annäherung von vier Geschwistern

Ein auffallend schöner Schutzumschlag, passend zum Titel 'Das Nest': vier verschiedene Vögel. Da passt ein Zitat aus dem Buch:

"Ich meine den Einband. Er muss einen umhauen. Er muss zwingend sein." (S. 36)

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