Rezension

Die Eismacher, nach hinten raus total abgeschmiert

Die Eismacher
von Ernest van der Kwast

Bewertet mit 3.5 Sternen

Inhalt:
Giuseppe, unser Erzähler, ist Sproß einer Eismacher Familie in der 3. Generation. Allerdings ist er eher ein Lyriker, der mit der Familientradition bricht. Seine Familie hält ihm das ewig vor, denn er sollte seinem Bruder Luca im Eisgeschäft helfen und den Laden mit ihm weiterführen. Deswegen gibt es Spannungen, aber auch Nachfolgeprobleme, die mit der nächsten Generation zu tun haben, vergiften den Familienalltag.

Meine Eindrücke:
Die Geschichte ist anfangs sehr poetisch und mit kraftvollen Bildern geschrieben., sehr gefühlvoll, manchmal auch nachdenklich und melancholisch. Der Erzählstrang ist im fliegenden Wechsel zwischen dem eigenen Werdegang des Ich-Erzählers bis hin zu seinem Urgroßvater und zurück.

Ich lasse mich auf den Schreibstil ein, und werde zunächst in seinen Bann gezogen.

Womit ich etwas Probleme habe ist das sprunghafte Erzählen. Man erfährt vom Erzähler und dass sein Vater evtl. an Alzheimer erkrankt ist und dann fällt die Geschichte wieder in Lucas' und Giovannis Kindheit zurück und man erfährt, dass die beiden Jungen wie Pech und Schwefel zusammenhielten, nur um kurz darauf wieder im Eisgeschäft der Jetzt-Zeit in den Niederlanden zu wechseln, wo es nicht so prickelnd zwischen den Brüdern läuft.

Im letzten Teil verliert sich das Buch dann leider in Belanglosigkeiten. Die Sprachgewalt ist einem seelenlosen dahin erzählen gewichen. Seitenweise Beschreibungen von Hotelzimmern erschließen sich mir nicht, sind in meinen Augen dramaturgisch wertlos. Vielleicht erschließt sich mir auch einfach die Erzählweise nicht. Mich ödet das Buch an und ich kann kaum erwarten zum Ende, der Auflösung zu geraten. Aber es gibt kein „großes Finale“, keinen „Knalleffekt“ oder eine zufriedenstellende Auflösung der schwierigen Beziehungen. Eher eine pathetische Feststellung.

Fazit:

Ich halte mich weder für ernsthaft intellektuell noch pseudointellektuell genug als das ich dieses Buch in den Himmel loben könnte. (Mein Neid geht an solche, die den Autor wahrhaftig verstehen!) Es hatte bis ins letzte Drittel eine erzählerische Kraft, die nach hinten raus abgeschmiert ist. Auch ein leichter Humor blitzt anfangs durch, kann sich aber nicht bis zum Schluss halten. Der Schluss ist belanglos und ein Aha-Effekt bleibt aus.

Für wen ist dieses Buch? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht für Menschen, die sich in der Lyrik und Poesie wohlfühlen, die viel schwere Literatur lesen.Eine Sommerlektüre, die das Cover verspricht ist es keinesfalls.

Da ich das aber schon vor Anschaffung des Buches wusste, hatte ich in dieser Hinsicht auch keine Hoffnung. Was sich mir dann am Ende geboten hat, war trotz Interesse an Literatur überhaupt nicht zufriedenstellend und kein Lesehighlight.