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Leserunde zu "Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht" (Julia Jost)

Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht -

Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht
von Julia Jost

Bewerbungsphase: Bis zum 01.02.

Beginn der Leserunde: 08.02. (Ende: 29.02.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Suhrkamp Verlags – 20 Freiexemplare von "Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht" (Julia Jost) zur Verfügung. 

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

ÜBER DAS BUCH:

Es ist das Jahr 1994. In einem Kärntner Dorf am Fuß der Karawanken sitzt die Erzählerin unter einem Lkw und beobachtet die Welt und die Menschen knieabwärts. Sie ist elf Jahre alt und spielt Verstecken mit ihrer Freundin Luca aus Bosnien. Zum letzten Mal, denn die Familie zieht um. Der Hof ist zu klein geworden für den Ehrgeiz der Mutter, die ausschließlich eines im Kopf hat – bürgerlich werden! Nach und nach treffen immer mehr Nachbarsleute ein, um beim Umzug zu helfen, und das Kind in seinem Versteck beginnt zu erzählen: von seiner Angst, im Katzlteich ertränkt zu werden, weil es kurze Haare hat. Weil es Bubenjeans trägt. Weil es heimlich in Luca verliebt ist. Dabei ist sie nicht die Einzige, die etwas verbergen muss. Sie kennt Geschichten über die Ankommenden, die in tiefe Abgründe blicken lassen und doch auch Mitgefühl wecken.

Julia Jost schildert in ihrem Debütroman das Aufwachsen in einer archaischen Bergwelt zwischen Stammtisch und Beichtstuhl – und wie man hier als querstehendes Kind überlebt und sich der vorgegebenen Ordnung widersetzt: dank einer zärtlichen Freundschaft und durch ein wildes, überbordendes Erzählen, das die Wirklichkeit besser macht, als sie ist.

»Wenn Sie einen Kübel Eiswasser über den Kopf kriegen und waschlnaß nach Hause gehen wollen, dann sind Sie hier richtig. Diese heitere Bösartigkeit führt vielleicht zur Verbesserung der Welt, vielleicht aber auch nur ins nächste Wirtshaus. Sie können ja beides ausprobieren.« Elfriede Jelinek

ÜBER DIE AUTORIN:

Julia Jost, geboren 1982 in Kärnten, Österreich, studierte Philosophie, Bildhauerei und Theaterregie. Sie arbeitete als Regisseurin und Dramaturgin in der freien Szene sowie u. a. am Thalia Theater Hamburg. 2019 wurde sie für einen Auszug aus Wo der spitzeste Zahn der Karawanken … mit dem Kelag-Preis ausgezeichnet. Ihr Theaterstück ROM feiert im April 2024 am Volkstheater Wien Premiere. Julia Jost lebt in Wien und Berlin.

29.02.2024

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162
nikolausi kommentierte am 11. Februar 2024 um 18:25

Über das Unglück bzgl den Tod vom Franz kommen nach und nach immer erschütterndere Einzelheiten zu Tage. Ich Frage mich, wie die elfjährige Erzählerin so nüchtern darüber erzählen kann. Immerhin hat sie doch letztlich die Ursache dafür gesetzt, dass das Messer in den Brunnen fiel und Franz hinunter gelassen wurde. Wahrscheinlich ist sie sich angesichts ihres Alters -sie war damals erst 6 - der Situation gar nicht bewusst. Strafrechtlich war sie ja noch nicht schuldfähig.
Ebenso interessant finde ich, wie nach und nach über all die "Leichen" erzählt wird, die ein jeder Dorfbewohner verbirgt, sei es eheliche Untreue, rechte Gesinnung o.a.

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Dajobama kommentierte am 12. Februar 2024 um 21:26

Ja, nüchtern ist eine gute Beschreibung. Erstmal erzählt sie nüchtern von den Ereignissen, ja. Aber ich finde nach und nach wird schon deutlich, wie sehr das Geschehene sie immer noch belastet. Sie hat Alpträume und sie denkt viel darüber nach. Das Schlimme daran ist, dass von den Erwachsenen keinerlei Hilfe zu erwarten ist. Die sind alle mit sich selbst beschäftigt, bzw. damit weitere Einzelheiten zu vertuschen, wenn ich das richitg verstehe. Im Gegenteil nutzt der Vater von Andreas Details von der Leiche um seinem Sohn Angst zu machen. Fürchterlich.

Die Kinder sind doch alle traumatisiert. Vermutlich hat der Umzug ebenfalls zu einem großen Teil mit den damaligen Ereignissen zu tun.

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caro_phie kommentierte am 28. Februar 2024 um 14:54

Da würde ich dir zustimmen. Ich finde man merkt dadurch wie immer wieder Franzis Tod zur Sprache kommt, wie sehr er die Erzählerin beschäftigt. Und eigentlich nicht nur sie sondern gefühlt das ganze Dorf. Im Endeffekt finde ich spiegelt ihre Art darüber zu erzählen auch den Umgang der Erwachsenen damit um. Es wird scheinbar einfach abgehakt und danach darüber geschwiegen. Nur zwischendurch, in Momenten wenn die Erwachsenen getrunken haben, brechen die Worte aus ihnen heraus und man merkt wie der Todesfall sie innerlich die ganze Zeit beschäftigen muss.

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Xana kommentierte am 16. Februar 2024 um 11:56

Der nüchterne Schreibstil hat mich irgendwie auch etwas erschreckt. Aber vermutlich ist das eine Art Schutzreaktion, weil das Geschehene zu schlimm zum Fühlen ist.

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 15:07

Die Erzählerin muss aber auch mit 6 Jahren begriffen haben, dass es ein schlimmes Unglück war - auch wenn die Erwachsenen es irgendwie auch runterspielen. Auf jeden Fall ist das Mädchen unter dem LKW eine gute Beobachterin.

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Dajobama kommentierte am 12. Februar 2024 um 21:21

So, das war ein langer Abschnitt. 

Puh naja, diese Welt zwischen Beichtstuhl und Stammtisch hat es so richtig in sich. Wie soll ich das nennen: es ist so ungefähr das Gegenteil einer Romantisierung dieser abgelegenen Bergwelt. Teilweise ist es wirklich krass. Sowohl die detaillierte Beschreibung der Leiche Franzis als auch der generelle Umgang mit den Kindern. Das ist in der Häufung schon sehr (hoffe ich doch) überspitzt und grenzt an Kindeswohlgefährdung. Drohungen, Angst machen, Alkohol, Rauchen, Affären,  rechte Gruppierungen etc: alles wird vor den Augen der Kinder ausgetragen.

Den Erzählstil finde ich auch recht besonders. Einerseits passt der literarische Schreibstil meiner Meinung nach nicht zu der elfjährigen Erzählerin. Trotzdem ist da sowas Kindliches, lakonisches in der Erzählweise, das ich sehr interessant finde.

Insgesamt, sowohl inhaltlich, als auch sprachlich, weiß ich noch immer nicht so genau, was die Autorin damit beabsichtigt, bzw. worauf sie hinauswill. Bisher finde ich ist es ein sehr abschreckendes Bild, das sie da von der Abgeschiedenheit der Bergwelt zeichnet.

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Dajobama kommentierte am 13. Februar 2024 um 12:27

Dazu hab ich mir nochmal Gedanken gemacht. Dieses Werk ist wohl als bitterböse Abrechnung zu verstehen, mit der Rückständigkeit und Engstirnigkeit der Bewohner dieses kleinen Bergdorfes.

Die nüchterne Erzählweise des Mädchens , mit der sie wie nebenbei entsetzliche Dinge berichtet, ruft umso stärker das Gewissen und das Unrechtsbewusstsein des Lesers hervor. Wie kann man KInder so aufwachsen lassen?

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 15:08

Sehe ich auch so ähnlich.

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Musiklexikon kommentierte am 14. Februar 2024 um 10:38

Dieser Abschnitt war ziemlich lang. Allerdings auch ziemlich heftig, aber unsere Nachbarn haben ja teilweise auch einen bitterbösen Humor. Mir gefällt die Geschichte aber dennoch sehr gut. Wie schon in einem anderen Kommentar erwähnt wurde, wie die Erzählerin das alles so nüchtern schildern kann, das kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Ich höre mir mittlerweile Austropop dazu an, die Geschichte spielt ja schließlich in Österreich, damit ich die Geschichte auf mich wirken lasen kann und die Dialoge im Dialekt veranschaulichen die Geschichte wirklich gut. Das kommt hier im zweiten Abschnitt noch mehr zur Geltung.

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Xana kommentierte am 16. Februar 2024 um 11:59

Die Dialoge im Dialekt finde ich leider sehr zäh, da kann ich mich anscheinend nicht mit anfreunden. Immerhin auch eine Erkenntnis.

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isalo kommentierte am 16. Februar 2024 um 15:37

Im zweiten Abschnitt erfährt der Leser dann doch wie von dem verunglückten Jungen Abschied genommen wird – von der Totenwache über den Leichenschmaus ganz nach dörflicher Tradition. Und J. wird von Abträumen und Weinkrämpfen geplagt, so wie man sich eine trauernde 11- jährige vorstellt. Weiterhin unterm Umzugswagen liegend erzählt sie, wie Luca in ihr Leben tritt und sich zarte Bande zwischen den beiden entwickeln. Auch unterm Stammtisch sitzend lauscht sie den Erzählungen der Erwachsenen, sowie später von der Rotbuche.

Entsetzt war ich vom exzessiven Alkoholkonsum des Vaters und den Verbindungen der „neuen Freunde“ zu Burschenschaft und Waffen SS.

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 15:11

Das Unglück passiert, als J. 6 Jahre war, wieso sie mit 11 Albträume hat und trauert, erscheint mir nicht logisch. Aber vielleicht fließen da die Zeiten auch wieder ineinander.

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schaebelchen kommentierte am 17. Februar 2024 um 09:12

Ja, das war ein ziemlich langer Abschnitt. Und ich bin weiterhin auch sehr hin und her gerissen, was ich von dem Buch halten soll. Der Schreibstil ist für mich sehr schwierig, diese langen verschachtelten Sätze, keine Absätze, keine wirklichen Dialoge und keinen wirklichen Handungsstrang. So lange brauche ich sonst nicht für einzelne Kapitel.

Der rote Faden ist natürlich der Tod des Kindes, darum geht es auch letztendlich. Eine Verarbeitung des Dramas ist wahrscheinlich schwierig in dieser seltsamen Dorfwelt. Und ein Mädchen, dass eigentlich kein Mädchen sein will, verscht nur, irgendwie zurechtzukommen.

Die Autorin führt uns immer in neuen Episoden, die zwar irgendwie in die Geschicte gehören und ins Gesamtbild, aber, wohin es führen soll, ist völlig unklar. Ich bin sehr zwiegespalten mit diesem Buch.

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schaebelchen kommentierte am 17. Februar 2024 um 09:12

Ja, das war ein ziemlich langer Abschnitt. Und ich bin weiterhin auch sehr hin und her gerissen, was ich von dem Buch halten soll. Der Schreibstil ist für mich sehr schwierig, diese langen verschachtelten Sätze, keine Absätze, keine wirklichen Dialoge und keinen wirklichen Handungsstrang. So lange brauche ich sonst nicht für einzelne Kapitel.

Der rote Faden ist natürlich der Tod des Kindes, darum geht es auch letztendlich. Eine Verarbeitung des Dramas ist wahrscheinlich schwierig in dieser seltsamen Dorfwelt. Und ein Mädchen, dass eigentlich kein Mädchen sein will, verscht nur, irgendwie zurechtzukommen.

Die Autorin führt uns immer in neuen Episoden, die zwar irgendwie in die Geschicte gehören und ins Gesamtbild, aber, wohin es führen soll, ist völlig unklar. Ich bin sehr zwiegespalten mit diesem Buch.

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isalo kommentierte am 17. Februar 2024 um 13:30

So fühle ich mich auch - zwiegespalten -.Immer wenn ich denke angekommen zu sein, stolper ich wieder über Dialektsätze oder erschreckende Szenarien.

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schaebelchen kommentierte am 17. Februar 2024 um 09:19

Ja, das war ein ziemlich langer Abschnitt. Und ich bin weiterhin auch sehr hin und her gerissen, was ich von dem Buch halten soll. Der Schreibstil ist für mich sehr schwierig, diese langen verschachtelten Sätze, keine Absätze, keine wirklichen Dialoge und keinen wirklichen Handungsstrang. So lange brauche ich sonst nicht für einzelne Kapitel.

Der rote Faden ist natürlich der Tod des Kindes, darum geht es auch letztendlich. Eine Verarbeitung des Dramas ist wahrscheinlich schwierig in dieser seltsamen Dorfwelt. Und ein Mädchen, dass eigentlich kein Mädchen sein will, verscht nur, irgendwie zurechtzukommen.

Die Autorin führt uns immer in neuen Episoden, die zwar irgendwie in die Geschicte gehören und ins Gesamtbild, aber, wohin es führen soll, ist völlig unklar. Ich bin sehr zwiegespalten mit diesem Buch.

 

 

Ich weiß leider nicht, warum mein Beitrag mehrfach hochgeladen wurde, leider kann ich diese nicht löschen. Daher entschuldige ich mich an dieser Stelle dafür.

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162
GAIA kommentierte am 20. Februar 2024 um 09:54

Ich weiß leider nicht, warum mein Beitrag mehrfach hochgeladen wurde, leider kann ich diese nicht löschen. Daher entschuldige ich mich an dieser Stelle dafür.

Das ist nicht schlimm, kannst du ja nichts dafür. Übrigens habe ich erst gar nicht auf den Nickname geschaut und gedacht: Krass, hier sind sich ja alle echt einig. Aber naütlich merkte ich dann nach zwei Sätzen, dass es genau derselbe Text ist. :DD

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schaebelchen kommentierte am 17. Februar 2024 um 09:12

Ja, das war ein ziemlich langer Abschnitt. Und ich bin weiterhin auch sehr hin und her gerissen, was ich von dem Buch halten soll. Der Schreibstil ist für mich sehr schwierig, diese langen verschachtelten Sätze, keine Absätze, keine wirklichen Dialoge und keinen wirklichen Handungsstrang. So lange brauche ich sonst nicht für einzelne Kapitel.

Der rote Faden ist natürlich der Tod des Kindes, darum geht es auch letztendlich. Eine Verarbeitung des Dramas ist wahrscheinlich schwierig in dieser seltsamen Dorfwelt. Und ein Mädchen, dass eigentlich kein Mädchen sein will, verscht nur, irgendwie zurechtzukommen.

Die Autorin führt uns immer in neuen Episoden, die zwar irgendwie in die Geschicte gehören und ins Gesamtbild, aber, wohin es führen soll, ist völlig unklar. Ich bin sehr zwiegespalten mit diesem Buch.

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Naibenak kommentierte am 26. Februar 2024 um 09:50

"Der rote Faden ist natürlich der Tod des Kindes, darum geht es auch letztendlich"

Okay, stimmt. Das ist in der Tat ein roter Faden, der sich durch den Roman zieht und immer mal wieder an anderer Stelle thematisiert wird. Nicht zuletzt bei der Erzählerin selbst, die deutlich an diesem traumatischen Erlebnis zu knabbern hat.

Dennoch: nur dieser Faden reicht mir nicht. Es gibt keine Handlung, außer dass die Familie der Erzählerin gerade dabei ist umzuziehen. Die vielen Anekdoten über die Dorfbewohner/innen zeigen zwar ein gewisses Bild der Dorfgemeinschaft und schaffen eine wirklich unschöne Atmosphäre, jedoch über die Erzählerin selbst erfahre ich bisher viel zu wenig. Würde ich aber gern. Sie ist nahezu die einzige, die mich hier wirklich interessiert...

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LeserinL kommentierte am 18. Februar 2024 um 10:54

Der zweite Teil wirft einen schonungslosen Blick auf die dunklen Seiten der Erwachsenenwelt, in der Affären, grausame Erziehungsmethoden und rechtes Gedankengut im Zentrum stehen. Durch den anekdotischen Erzählstil wurde ich tief in die Abgründe der menschlichen Natur gezogen, während gleichzeitig die Heuchelei hinter konservativen Werten entlarvt wurde. Das hat mich richtig gepackt (ich weiß nicht, ob man bei diesem Roman so gut von "gefallen" sprechen kann).

Besonders erschreckend ist die Darstellung der Affären innerhalb der Erwachsenengemeinschaft, die nicht nur die Beziehungen zerstören, sondern auch tiefe Wunden bei den betroffenen Kindern hinterlassen. Die Ich-Erzählerin beschönigt nichts und zeigt die emotionalen und psychologischen Auswirkungen dieser Untreue schonungslos auf. Einige hat der nüchterne Stil hier verwirrt, ich fand das jedoch gerade gut, um die Lieblosigkeit der beschriebenen Welt umso deutlicher hervorzuheben.

Ebenso brutal sind die Erziehungsmethoden, die in dieser Umgebung herrschen. Die Grausamkeit, mit der Kinder behandelt werden, wird ohne Beschönigung oder Zurückhaltung dargestellt. Die Autorin schreckt nicht davor zurück, die hässliche Realität hinter den vermeintlich konservativen Werten aufzudecken und zu zeigen, wie diese zu einem Zerrbild von Familie und Gemeinschaft führen können. Ich war letztes Jahr in Villach dank eines Zugausfalls unfreiwillig einen halben Tag in Villach (also Kärnten) und kann anekdotisch leider bestätigen: Burschenschaftler, die sich betrinken, um die Häuser ziehen und dabei Hitlerwitze machen, schienen dort niemanden groß zu verwundern oder zu stören. Womit ich nicht sagen will, dass ich solche Tendenzen für deutsche Dörfer in ländlichen Gegenden unwahrscheinlich halte.

Die schonungslose Darstellung von Gewalt und Heuchelei macht den zweiten Teil von "Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht" zu einer erschütternden Lektüre, die m.E. aber leider nicht weit von der Realität entfernt ist. Ein bisschen erinnert mich der Roman deshalb an "Krummes Holz", der ebenfalls gerade erschienen ist.

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Birte kommentierte am 20. Februar 2024 um 23:51

Gewalt und Heuchelei finde ich zwei treffende Stichworte zum Buch

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 15:14

Der zweite Teil wirft einen schonungslosen Blick auf die dunklen Seiten der Erwachsenenwelt, in der Affären, grausame Erziehungsmethoden und rechtes Gedankengut im Zentrum stehen. Durch den anekdotischen Erzählstil wurde ich tief in die Abgründe der menschlichen Natur gezogen, während gleichzeitig die Heuchelei hinter konservativen Werten entlarvt wurde.

Und niemanden scheint das alles zu stören. Keiner der einen Einwand erhebt.

 

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buecherwurm1310 kommentierte am 18. Februar 2024 um 15:33

Ich finde das Buch immer noch schwierig zu lesen.

Nun erfahren wir mehr darüber, was damals beim Tod vom Franzi passiert ist. Die Kinder, die daran beteiligt waren, können das alles doch wohl nicht ohne Hilfe verarbeiten, aber die Erwachsenen gehen schnell zur Tagesordnung über und haben genug mit sich selbst zu tun. Die Erzählerin hat Albträume, aber sie berichtet so nüchtern über das Geschehene.

Die Freundschaft mit Luca wird ihr sicherlich guttun, doch mit dem Umzug hat das wohl auch ein Ende.

Es ist ein Umfeld, in dem wohl niemand groß werden möchte. Was da über alle herauskommt ist schon sehr drastisch. Die Erwachsenen ziehen ihr Ding durch ohne Rücksicht auf die Gefühle der Kinder. Ob die Eltern wirklich denken, dass ihre Kinder nicht merken, was abgeht?

 

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GAIA kommentierte am 20. Februar 2024 um 10:00

Ich kenne das aus meiner Kindheit (ähnliche Generation wie Julia Jost und J.) auch so, dass die Elterngeneration wenig darauf geachtet hat, was die Kinder mitkriegen. Als Beispiel: Meine Eltern erzählten mir nie von sich aus, dass mein Bruder mein Halbbruder ist und aus einer früheren Beziehung meiner Mutter stammte. Da wurde dann bei Familiengeburtstagen, wenn die Eltern mich auf dem Sofa scheinbar schlafend liegen sahen, einfach über den Vater von R. (also meinem) Bruder gesprochen. Das habe ich alles mitbekommen und musste mir das als Kind alles zusammenreimen. Auch die Adoptionsurkunde (meine Vater adoptiierte offiziell meinen Bruder) wurde halt mal einfach auf dem Kühlschrank liegen gelassen, so nach dem Motto: Das interessiert das Kind doch sowieso nicht, was da liegt. Aber ich habe halt damals schon lesen können und war erschrocken. Ich hoffe doch, dass sich das in den letzten 30 Jahren verändert hat und möglichst viele Eltern nicht mehr die Befindlichkeiten ihrer Kinder ignorieren!

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 15:15

Krass!

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162
GAIA kommentierte am 20. Februar 2024 um 09:49

Puh, ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich zunehmend durch den Roman quäle. Ich hatte nach dem ersten Leseabschnitt extra eine Lesepause vom Roman gemacht, da ich schon merkte, dass ich um jede Zeile kämpfte und dachte nach ein paar Tagen wieder einen frischen Blick bekommen zu können. Aber leider ist es nach der Pause genauso bei mir weitergegangen.

Ich frage mich immer mehr, warum ich die ganzen Geschichten um diese vielen Leute wissen muss. Die Anekdoten springen ja auch sehr schnell von einem Thema zum nächsten. Hier kann ich eignetlich nur den Sinn dahinter sehen, dass die Autorin ein breites Bild dieser Dorfgemeinschaft geben wollte. Damit driftet sie aber auch von der Protagonist:in/Erzähler:in ab. Auch nehmen hier die Kärnterischen Dialoge zu, was es noch einmal anstrengender macht. Der Text wird irgendwie "geschwätzig", oder?

Ich hatte auch mit der Alterseinordnung so meine Probleme, als J. (unser:e Erzähler:in - ich wechsel gezielt mal in die non-binäre Richtung) immer mehr intime Kontakte zu Luca hat. Das ist doch alles ein ganzes Stück vor dem 11.Lj gewesen oder? Irgendwie kommt mir das so jung vor. Aber vielleicht ordne ich das falsch zu. Es fühlte sich beim Lesen auf jeden Fall immer etwas zu früh an.

Man merkt, wie die Protagonist:in vom Tod von Franzi nachhaltig betroffen ist und dass sie die direkte Verbindung zieht zwischen ihrem Verhalten und dem Unfall. Allerdings war der Part, in dem die Leiche des kleinen Jungen beschrieben wird von Andreas' Vater zu viel für mich. Diese Details und dann auch noch so trocken vorgetragen hätte ich nicht gebraucht.

Mittlerweile rechne ich schon die restlichen Seiten bis zum Ende, weil ich so wenig Kontakt zum Text finde. Ich werde, glaube ich, erleichtert sein, wenn ich das Buch geschafft haben werde...

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162
schaebelchen kommentierte am 20. Februar 2024 um 10:31

Genauso ging es mir auch.....

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Naibenak kommentierte am 25. Februar 2024 um 19:48

"immer mehr intime Kontakte zu Luca hat. Das ist doch alles ein ganzes Stück vor dem 11.Lj gewesen oder? Irgendwie kommt mir das so jung vor. Aber vielleicht ordne ich das falsch zu. Es fühlte sich beim Lesen auf jeden Fall immer etwas zu früh an."

Ja, genau. Das hab ich bei den Szenen auch ständig gedacht. Dass sie doch noch mega jung gewesen sein müssen für solche Intimitäten. Es macht einiges nicht richtig Sinn für mich.

Und auch die vielen Personen und deren Verhältnisse zueinander konnte ich nicht gut greifen-da bin ich etwas durcheinander gekommen:/

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162
Birte kommentierte am 21. Februar 2024 um 00:07

Real passiert wenig in diesem zweiten Teil, im Kopf der Erzählerin umso mehr. Franzis Tod (wenn ich es jetzt richtig verstanden habe, direkt am ersten Schultag nach dem Umzug) hat auch im zweiten Teil einen großen Platz. Der Tod gehört aber auch irgendwie zum Leben dazu, wie das Ertränken der Katzenbabys oder auch die Episode mit der toten Schwalbe zeigt.

Ultra-konservatives / extrem rechtes Gedankengut oder eine Kindererziehung, die Angst und Gewaltandrohung als Mittel nutzt, gab es sicher nicht nur dort, ebenso das Fremdgehen oder Besaufen. Hier wird es wie in einem Zerrspiegel zusammengeführt (und die Erziehungsmethoden sind vermutlich auch in der Epoche noch weiter verbreitet gewesen). Die Hintergrundgeschichte zum Focknhocker  fand ich durchaus spannend. Unverständlich bleibt mir, warum die Mutter sich so aufreibt - das Geld scheint ja nicht das Problem zu sein (ich kann aber verstehen, dass sie als Lehrerin arbeitet, wenn der Mann ihr das Studium erst ermöglicht hat, was die Familie verweigerte). Ihren (nach Klappentext) Wunsch, bürgerlich zu werden, konnte ich bislang noch nicht herauslesen.

Die Erzählerin hat in dieser Episode zumindest den Ort gewechselt, von unter dem LKW ins Fahrerhaus. Und es ist klar geworden, warum sie sich versteckt - ein Spiel mit Luca.

Bleibt abzuwarten, ob Luca zum Ende des Buch bei 1 ankommt, ob die beiden eine Abschlussszene bekommen oder ob sogar der eigentliche Umzug durchgeführt wird.

An den Schreibstil habe ich mich mittlerweile gewöhnt, merke aber auch, dass die beschriebenen Abgründe mich durch die nüchterne Erzählweise nur wenig berühren, die verschiedenen Szenen plätschern dann doch mehr vor sich hin.

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162
leseleucht kommentierte am 21. Februar 2024 um 06:41

Ein ziemlich schräges Dorf voller gestörter Neurotiker. Auch die Ich-Erzäherin wirkt schon ziemlich schräg mit ihren skurilen Träumen.

De Geschichte mäandert so dahin. Zusammengehalten wird sie nur von dem Prinzip, dass zumeist zu Beginn des Kapitels irgendein Dorfbewohner zum ehemaligen Haus der Erzählerin kommt, um irgendetwas in Bezug auf den Umzug zu tun, und sei es auch nur, dumm herumzustehen. Davon ausgehend, entfaltet die Erzählerin ihre Gedanken zu der Person, bisweilen auch sich wiederholend.

Der Todesfall eines Klassenkameraden im Brunnen, der auch mehr als merkwürdig ist, ist ein weiteres verbindendes Element, das sich ab und an wiederholt.

Auch die Nazi-Vergangenheit und Gegenwart einer Dorfbewohner wird hervorgeholt und ins Bild gestellt. Zwar werden Figuren auch aus Sicht der Erzählerin bewertet, aber da kaum einer gut wegkommt und vieles ins Schräge abdriftet, kann man weder Fgur noch Wertung ernst nehmen. Einzig bleibt die Hoffnung, dass ein Dorf nie so in Gänze ein so komiscsher Haufen sein kann.

Wie schon im ersten Teil ist alles lediglich deskriptiv dargestellt, die eigentlich Handlung ist sehr reduziert. Mir fehlt in all den losen Betrachtungen ein Sinn und ZIel.

 

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162
GAIA kommentierte am 21. Februar 2024 um 16:19

"Deskriptiv" passt sehr gut! Die Beschreibung merke ich mir. Danke!

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162
Mel0501 kommentierte am 25. Februar 2024 um 14:48

Irgendwie komme ich immer noch nicht so richtig ins Buch rein. Das Format ist immer noch etwas befremdlich und die Handlung dümpeln etwas vor sich hin. Der Schreibstil ist immer noch detailliert, jedoch wird alles sejr neutral rüber gebracht (der Tod von Franz).

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162
Naibenak kommentierte am 25. Februar 2024 um 19:40

Ihr Lieben, ich tu mich wahnsinnig schwer mit diesem Buch. Die Erzählform hemmt den Lesefluss ganz massiv. Die Handlung (gibt es eigentlich eine?) kommt nicht voran. Die Erzählerin erinnert sich während des Umzugs an vergangene Situationen, an Dorfbewohner und ihre Befindlichkeiten und Macken, und vorallem wird immer wieder deutlich, wie traumatisch das tragische Ereignis mit Franzi für sie war.

Diese Erinnerungen sind zuweilen sehr ausschweifend und ehrlich gesagt, interessiert mich vieles nur so am Rande. Die Autorin kann mich mit dieser Art des Erzählens nicht catchen. Es fehlt mir Substanz, ein roter Faden, eine Handlung als Rahmen - die ist mir viel zu dünn. Hinzu kommt, dass ich viele Gedankengänge einer Elfjährigen nicht so recht abnehmen kann. Und der Dialekt ist teilweise sehr schwer zu lesen und verstehen...Seufz... es ist nicht mein Buch.

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 76 bis 162
rike kommentierte am 28. Februar 2024 um 21:12

Ich tue mich immer schwerer mit dem Lesen und kann gar nucht so genau sagen warum. Es gibt schon spannende Stellen, aber anderes wird in die Länge gezogen. Der Stil, der mir anfangs gefallen hat, hindert nun meinen Lesefluss