Rezension

Ein Geist in der Kehle

Ein Geist in der Kehle
von Doireann Ní Ghríofa

Bewertet mit 3 Sternen

"Ich kuschle nicht mit ihm, während er Die Oktonauten anschaut. Ich setze mich nicht mit ihm aufs Sofa und schließe dort nicht für zehn Minuten meine müden Augen. Stattdessen eile ich in die Küche, wische den Boden fertig, leere die Mülleimer und streiche diese Aufgaben dann schwungvoll von der Liste."

In diesem Buch geht es um eine Schriftstellerin, Frau und Mutter, die ihre Leidenschaft gefunden hat. Die Leidenschaft für eine andere Frau, die irische Dichterin Eibhlín Dubh Ní Chonaills und ihr Leben, ihr geschriebenes - die Totenklage.

Das Buch vereint Poesie, die Alltagspflichten einer liebenden Mutter und zweier Leben in verschiedenen Epochen von zwei unterschiedlichen Frauen, die sich ähneln und doch wieder nicht. Während die Protagonistin sich ihrem Leben als Mutter widmet und auch von Erschöpfung berichtet, deckt sie nebenher das Leben von der irischen Dichterin auf - schwimmt förmlich dahin, wenn sie sich mit ihr beschäftigt und scheint mir oft auch ein wenig verbissen. Sie sucht die Orte auf, stöbert in Archiven, will alles förmlich aufsaugen und zu Papier bringen. Zwei Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten, auch aufgrund der Epochen. Man kann förmlich miterleben, wie es den beiden erging, obwohl die Frau von früher nicht für sich selbst spricht, sondern die Protagonistin von ihr erzählt. Die Rückblenden sind interessant, nicht aber durchweg. Während der Suche bemerkt sie, dass frühere Geschichten von Männern dominiert worden sind und Frauen so gut wie gar nicht Gehör gefunden hatten. Hier spricht auch der Feminismus und spielt eine Rolle.

Toll fand ich die Verse der Totenklage, die jedem Kapitel vorangegangen waren. In den Sprachen Irisch-Gälisch, Englisch und Deutsch fanden sie bei mir Anklang. Es ist etwas Wiederkehrendes, was ich gut fand. Was ich weniger gut fand war, dass es zwar eine Handlung gibt, die aber nur daraus besteht, dass die Frau etwas herausfinden möchte. Nebenher wird über das Muttersein gesprochen, über das Stillen und die Zeit als Mutter, die Freiheit sucht - Stille, vielleicht auch etwas Neues, aber es nicht so richtig finden und greifen kann. Sie sucht die Erfüllung, so schien es mir in der irischen Dichterin. Was mir sehr imponiert hat, war der Schreibstil. Lyrisch, poetisch - durchzogen mit tollen Metaphern und Sätzen, in denen ich mich wiederfand.

Dennoch konnte es mich nicht gänzlich überzeugen, weshalb ich zum Ende hin nur noch quergelesen habe. Es herrscht in dieser Geschichte keine Spannung, es wird lediglich erzählt und die Erzählung, konnte mich einfach nicht mehr mitreißen irgendwann. Es ist alles langsam und geschieht in einer Stille, die andere Leser*innen vielleicht toll finden werden. Zuerst war ich total fasziniert, nicht nur von der Sprache, später wurde mir das dann aber zu eintönig und ich war froh, als es dem Ende zuging. Vieles wirkte, als würde es keinen Zusammenhang geben, einfach frei erzählt werden. Da hatte ich gar ich so unrecht, aber da gleich mehr zu.

Einige von den Erzählungen sind echt spannend und interessant, dann aber wiederum langweilig. Mich hat das Leben der Mutter mehr interessiert, als ihr Weg etwas über Eibhlín Dubh Ní Chonaills herauszufinden. Das, was ich interessant das über Eibhlín war ihre Kindheit und wie sie aufwuchs. Ihr Mann, um den es später auch geht, hat mich weniger interessiert. Eben weil ich einen Zusammenhang, eine Gleichheit zwischen den beiden Frauen finden wollte. Die Leseprobe fand ich wirklich gut und diese hatte mich in ihren Bann gezogen. Leider traf das nicht auf das ganze Buch zu.

Am Ende bekommt man nochmal das ganze Caoineadh zu lesen - das fand ich toll! Einige Passagen konnten mich erreichen, andere weniger. Auch das Interview mit der Autorin fand ich sehr aufschlussreich und ich kenne das Gefühl, wenn eine Geschichte einfach ihren Weg nach draußen sucht und so geschrieben werden will, wie sie will. Deswegen gibt es auch keine rege Handlung, einen Spannungsbogen oder große Aha-Momente. Und was das Schreiben angeht: Manchmal hat man es einfach nicht in der Hand. Das finde ich super, dass sie da einfach weitergeschrieben hat. Dennoch hat es mich nicht so erreicht, wie ich es mir gewünscht hatte.