Rezension

Endlosschleife

Zeiten der Langeweile -

Zeiten der Langeweile
von Jenifer Becker

Bewertet mit 5 Sternen

Geht in die Tiefe

Mila ist in ihren Dreißigern, hat einen Doktortitel und arbeitet als Dozentin. Wie alle anderen auch nutzt sie auf allen Ebenen die sozialen Netzwerke. Doch beschleicht sie mit der Zeit dass Gefühl, dass es besser wäre mit ihren vielen Einträgen komplett aus den Foren herausgelöscht zu werden, alle Einträge herauszunehmen oder herausnehmen zu lassen. Ich bin mit der Erzählung der Protagonistin in meine eigene Jugendzeit geswitcht. So viele Jahre haut man schon in die Tasten und veröffentlicht Bilder und Texte, kommentiert... Mir tat Mila die gefühlt alles im Leben hat leid, weil sie so viel Zeit in die Rückwärtsrolle "raus aus dem Netz" investiert. Mila gerät dabei in eine Endlosschleife. Dabei verfolgen sie Erinnerungen und Gedanken an die wohl vier wichtigsten Personen in ihrem Leben. Eine davon ist ihre Oma, die wohl vieles von dem was Mila als moderne Frau mit ihren Freundinnen bespricht, nicht einmal gedacht hätte. So entsteht auch hier wieder ein Konfliktpotential und man kann die Einsamkeit und Resignation Milas beim Lesen förmlich spüren. Bleibt noch ihre beste Freundin. Von ihr fühlt sie sich wärend der einjährigen Phase der Internet-Abstinenz voll verstanden. Mir kam das von Seiten der Freundin nicht authentisch vor. Ob ich mit meinem Gefühl Recht hatte müsst ihr selber lesen. Das Buch kann ich empfehlen. Es trifft den Zeitgeist und wirft Fragen auf. Die Geschichte an sich hat keine großen Spannungsbögen. Mehr geht der Inhalt in die Tiefe und regt im Nachhinein zum Nachdenken an. Das Cover finde ich wegen der Tristesse welche es ausstrahlt gut gewählt, zusammen mit der Farbgebung ergibt das Bild eine ansprechende Optik.

Kommentare

wandagreen kommentierte am 01. September 2023 um 19:56

Mila hat weder "gefühlt" noch wirklich "alles" im Leben: sie hat eine gestörte Familie, keinen Job, keinen Partner und nur eine Freundin. Obwohl sie materiell versorgt ist, schwimmt sie nicht gerade in Geld. Spannungsbogen - damit hast du recht - dafür ist das Buch voller witziger Sätze.