Rezension

Eine wunderschöne Familiengeschichte

Mit jedem Jahr - Simon Van Booy

Mit jedem Jahr
von Simon Van Booy

Bewertet mit 5 Sternen

Es ist so eine Sache mit den Herzensbüchern. Manche trifft man und merkt erst am Ende des Weges, wie viel sie einem bedeuten. Doch manchmal gibt es Bücher, da weiß man schnob den ersten Zeilen, dass es ein wunderbares, herzerwärmendes Leseerlebnis wird.
Für mich war Mit jedem Jahr ein Buch, das mich ab der ersten Seite warm willkommen hieß und sich unfassbar schnell in mein Herz drängte.

Erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven mit diversen Zeitsprüngen. 
Der Leser trifft Harvey, ein kleines Mädchen, das circa sechs Jahre alt ist, von ihrer Familie erzählt und in Amerika lebt. Ein Zeitsprung versetzt den Leser 20 Jahre in der Zeit vor und trifft auf die nun mehr 26-jährige Harvey, die in Paris lebt und ganz gespannt auf ihren Vater wartet. Zum Vatertag haben sie beschlossen, dass er sie in ihrer neuen Heimat besuchen wird und Harvey stellt ein großes Paket voller kleiner Überraschungen für ihren Vater zusammen, die alle mit ihnen beiden und gemeinsam Erlebten zusammenhängen. Schnell wird dem Leser klar, dass es nicht der Vater ist, den er in den ersten Kapitel traf. Denn Harveys Eltern hatten einen Autounfall, bei dem sie tödlich verunglückten und Harvey wird von Jason, dem Bruder ihres Vaters adoptiert.
Jason und sein Bruder hatten keine glückliche und einfache Kindheit, was unter anderem dazu führte, dass Jason schon in jungen Jahren aggressiv wurde. Nach einer Prügelei landete er im Gefängnis und brach den Kontakt zu seinem Bruder vollends ab. 
Die gesamte Familiengeschichte um Harvey und Jason ist realistisch, authentisch und ergreifend. Als Leser spürt man, wie die beiden miteinander wachsen und langsam Vertrauen aufbauen. Beide Charaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen.
 Schlichtweg geht es um Familie, was die Menschen, die wir lieben aus uns herausholen können und wie sehr jeder einzelne von uns sein Leben ändern kann.
Das Ende war mir persönlich etwas zu viel, doch sehe ich darüber einfach hinweg, da der Rest der Geschichte absolut umwerfend war.
Der Schreibstil ist wirklich toll. In Harveys jungen Jahren ist er sehr bildlich und die Sätze sind relativ kurz, Nebensätze gibt es fast gar nicht. Eine Entwicklung der älter werdenden Harvey ist durch den veränderten Satzbau kenntlich gemacht, was mir sehr gut gefiel. Zwar ist das ganze Buch gespickt von eher kurzen, beschreibenden Sätzen, doch benutzt Harvey mehr Nebensätze, je älter sie wird.
Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut, spiegelt es doch auf eine schöne Weise den Inhalt wieder und lässt erkennen, dass es sich um eine Familiengeschichte handelt. 
Ich vergebe mit Freude die volle Punktzahl für dieses Buch. Es hat mich gefangen genommen, mit den Charakteren weinen und lachen lassen, nachdenken lassen und glücklich an meine eigene Familie denken lassen.