Rezension

Weder schlecht noch gut...

Pinguinwetter - Britta Sabbag

Pinguinwetter
von Britta Sabbag

Bewertet mit 1.5 Sternen

Endlich erhält Charlotte den ersehnten Posten – denkt sie jedenfalls. Was sie tatsächlich bekommt, ist aber ihre Kündigung. Als wäre das nicht das einzige Problem, empfängt sie merkwürdige SMS von ihrer Mutter, die sich in Untersuchungshaft befindet. Ihr Freund für gewisse Stunden sagt ihr, dass er heiraten will. Das zieht Charlotte den Boden unter den Füßen weg. Sie schlüpft in Jogginghose und verwurzelt sich mit ihrem Sofa. Für Ablenkung sorgt da nur Finn, ihr Patenkind. Und im Zoo begegnen ihr dann nicht nur exotische Tiere...

„Pinguinwetter“ ist ein leichter und seichter Roman, den man schnell durchlesen kann und der durchaus auch zu unterhalten vermag. Charlotte ist ein Charakter, mit dem man erst warm werden muss. Sie war mir am Anfang nicht sympathisch, aber auch nicht wirklich unsympathisch. Sympathie entwickelte sich erst im Laufe der Geschichte, wenn man sich dazu durchringen kann. Charlotte ist außerdem eine kleine Chaotin, die ziemlich zynisch über Menschen denkt, die nicht in ihr Raster passen.
Dadurch, dass sie ihren Job verloren hat, muss Charlotte ihr Leben neu ordnen. Das ist aber gar nicht so einfach. Sie tritt unterwegs in viele Fettnäpfchen und kommt in mehr oder weniger urkomische Situationen, die mehr oder minder auch ziemlich peinlich sind. Gekrönt wird dies alles noch durch Finn, den Sohn ihrer guten Freundin Trine, die momentan ihr zweites Kind erwartet und ab und an mal Abstand von ihrem Erstgeborenen braucht. Charlotte geht dabei nicht immer zimperlich vor und manchen Lesern mag ihr Verhalten etwas gegen den Strich gehen. Wer den Roman mit einem Augenzwinkern betrachtet, der kann darüber hinweglesen, andere werden an manchen Szenen doch Anstoß nehmen.
Charlotte ist auch ein Mensch, der gerne mal Lügen, oder nett ausgedrückt, Halbwahrheiten erzählt bzw. nicht aufklärt.  Genau deswegen stürzt sie auch von einem Schlamassel in den nächsten.
Am Besten hat mir, ehrlich gesagt, die Mutter von Charlotte gefallen, die zwar nur am Rand erwähnt, aber ziemlich genial dargestellt wird. Immerhin lebt sie momentan in Grönland, sitzt in U-Haft und ist mit einem wesentlich jüngeren Kerl zusammen. Die SMS, die sie ihrer Tochter schickt, waren für mich mit das unterhaltsamste am ganzen Roman.
Dem Schreibstil von Britta Sabbag lässt sich ziemlich gut folgen und man hat den Roman schnell durchgelesen, wenn der Leser sich auf die Hauptfigur einlassen kann.

Fazit

„Pinguinwetter“ ist weder ein besonders guter, noch ein besonders schlechter Roman.  Er lässt sich flüssig lesen und wenn man es schafft, mit der Hauptfigur warm zu werden, kann er auch gut unterhalten. Ansonsten sollte man ihn vielleicht einfach wieder weglegen.