Rezension

Die letzte Fahrt

Der letzte Satz - Robert Seethaler

Der letzte Satz
von Robert Seethaler

1911: Der Ozeandampfer von Amerika nach Europa hat einen weltberühmten Passagier: Gustav Mahler. Er sitzt auf einer Stahlkiste an Deck, warm eingehüllt in Decken, umsorgt vom Schiffsjungen - und er weiß, dass er todkrank ist und bald sterben wird. Und so schweifen seine Gedanken: Zum Komponierhäusel, in dem er seine Werke schuf, nach Paris, wo er Rodin Modell saß, nach New York, wo er hochgelobte Konzerte mit den Philharmonikern gab, nach Wien, wo er die Oper erneuerte und seine Frau kennenlernte, zu seiner kleinen Tochter Anna, die oben in der Kajüte spielt, zu seiner anderen Tochter Maria, die vor einigen Jahren gestorben ist...

Gustav Mahler hatte ein bewegtes Leben, und eine umfassende Biographie müsste schon sehr umfangreich sein. Robert Seethaler wählt einen anderen Weg: In seinem schmalen Buch skizzierte er einige Episoden aus Mahlers Leben. Und auch aus diesen Schnipseln ergibt sich wie ein Mosaik das Bild eines Ganzen. Wie in einem Musikstück tragen hier die Celli ein Thema vor, gibt die Solo-Oboe eine Antwort, fügt das Schlagwerk einen neuen Rhythmus bei, und aus all diesen unterschiedlichen Teilen entsteht etwas Neues.

Ich kenne viele von Mahlers Kompositionen und weiß auch einiges über sein Leben. So habe ich nicht viel Neues erfahren, aber ich konnte die Zusammenstellung der Teile genießen, mich an der Sprache erfreuen und mir Gedanken machen, auf was ich am Ende meines Lebens zurückblicken werde.

Das Buch steht auf der Nominierungsliste zum Deutschen Buchpreis 2020.

Kommentare

naibenak kommentierte am 02. März 2021 um 10:49

Das hast du sehr schön in Worte gefasst, Firi! Mir ging es ganz ähnlich mit der Lektüre :)