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Lesung von Schätzings neuem Roman

Was muss ich mir gefallen lassen?

Der Zeitungsartikel mit der Kritik zur Lesung von Frank Schätzing hat nicht nur die Lesung selbst, sondern auch mich als dessen Zuschauer und Leser angegriffen. Darf er das?

Einigen Leseratten haben es vielleicht mitbekommen: Frank Schätzing ist mit seinem neuesten Roman "Breaking News" gerade auf großer Lesetour. Und für den dicken und aktiongeladenen Schmöker mit knapp tausend Seiten ist dem Autor eine einfache Lesung nicht genug. Während Schätzing liest, wird das Geschehen akkustisch untermalt. Stimmengewirr und Hupen während sich die Protagonisten auf einem Marktplatz befinden. Quitschende Reifen und Motorendröhnen begleiten die gelesene Vervolgungsjagd. Zwischendurch unterhält der charismatische Autor seine Zuhörer mit Anekdoten über die Entstehung des Romans und seine Recherchen und gibt Einblicke in die Schwierigkeiten ein so umfangreiches Thema wie den Nahost-Konflikt umzusetzen, ohne jemanden dabei gewaltig auf die Füße zu treten. Schätzing erzählt das alles mit Witz und Augenzwinkern und hat mir persönlich Lust auf sein neues Werk gemacht. Und: Nach der Anzahl der Zuschauer die direkt zugegriffen und das Buch vor Ort gekauft haben, nicht nur mir!

Natürlich gefallen die gewaltigen und detailverliebten Romane Schätzings nicht jedem. Vielen sind sie schlicht zu umfangreich. Zu weitschweifig. Zu viel. Geschmäcker sind naturgemäß verschieden. Nun war auch die Heidelberger Presse bei der Lesung vertreten und wartete heute mit einem einzigen Verriss der Veranstaltung auf. Wie gesagt, Geschmäcker sind verschieden. Aber was muss ich mir als Zuschauer und als Leser von einem Journalisten gefallen lassen?

Beschwert wurde sich über die "Geräuschkulisse vom Typ Action-Film-Soundtrack", die ich bei einem Action-Thriller nun nicht wirklich bedenklich finden. Auch kamen die "Disco-Schmalz-Songs von der islaelischen Sängerin Ofarim", die in Wirklichkeit Ofrin heißt, nicht gut an. Ja, eine Sängerin hätte es nicht gebraucht, aber schlecht war's beileibe nicht. Von der Respektlosigkeit und der schlechten Arbeit den Namen falsch anzugeben gar nicht zu reden...

Muss ich mir von einem Reporter sagen lassen, einer meiner liebsten Autoren würde "in schnoddrig aufgepeitschter Bildzeitungsprosa" erzählen? Wenn Schätzings Sprache Bildzeitungsprosa ist, was ist dann Tommy Jauds? Was ist dann Nele Neuhaus'? Es gibt so viele gute und erfolgreiche deutsche Autoren. Bildzeitungsniveau hat keiner von denen.

Muss ich mir sagen lassen, ich lese gerne Romane deren "Faktenmaterial nur zusammengegoogelt" ist? Im Ganzen: "Hauptsächlich schwadroniert der Autor in der Show von seinen Recherchen im nahen Osten, in Israel und in den Palästinensergebieten. Will er damit den Vorwurf entkräften, dass er sich das Faktenmaterial nur zusammengegoogelt habe?" Und das von einem Journalisten, der die anwesende Sängerin falsch betitelt? Überhaupt frage ich mich, wo der Vorwurf herkommt. Mir ist er komplett neu.

Und zuletzt nochmal zu der Frage was ich mir gefallen lassen muss. Der letzte Satz des Artikels lautet: "Wagt man nach dem Applaus und der langen Schlange vor den Signiertischen eine Einschätzung, so scheinen doch erstaunlich viele die einfache Weltsicht des populären Großschriftstellers zu teilen." Ich habe also eine einfach Weltsicht, weil mir die Lesung gefallen hat? Weil ich mich gerne von seinen Romanen unterhalten lasse? Weil ich Fiktion mag?

Ehrlich, mir ist es egal worüber Schätzing oder jeder andere Autor schreibt. Das Meer, der Mond, der nahe Osten. Ich will gut unterhalten werden. Ich will eine schöne Sprache, eine spannende Story, eine berührerde Geschichte. Wenn ich mich über den Nahost-Konflikt informieren will lese ich ein Sachbuch. Ich habe die Bücherdiebin auch nicht gelesen, um mich über das dritte Reich zu informieren. Niemand hat das. Und ich bin auch nicht böse, wenn jemand mit meinen Lieblingsbüchern nichts anfangen kann. Aber muss ich mir sagen lassen, ich habe eine einfach Weltsicht, in die Bücher mit zusammengegoogeltem Inhalt und Sprache auf Bildzeitungsebene nur allzu gut reinpassen?

 

Was mein ihr dazu? Ist das noch im  Rahmen? Steckt auf meiner Seite zu viel persönliche Meinung dahinter oder auf Seiten des Journalisten?

Breaking News

Kommentare

bundc kommentierte am 08. November 2014 um 18:58

Schreib doch mal einen Leserbrief! Wäre interessant zu sehen, wie sich die Redaktion dazu stellt...

naibenak kommentierte am 08. November 2014 um 19:45

Uff... da war wohl ein Reporter dran, der Schätzing nicht besonders schätzt ;)

Natürlich sind Geschmäcker verschieden, aber diese Respektlosigkeit, wie Du sie beschreibst, finde ich unter aller Kanone. So etwas gehört nicht in die Zeitung. DAS ist Bildzeitungsniveau... nein, eigentlich sogar schlimmer als das!!! Ich finde auch, da solltest Du einen Leserbrief schreiben!!!

Ansonsten aber rate ich immer gern (auch wenn es mir selbst durchaus schwer fällt ^^): Unrat vorbeiziehen lassen! *hüstel* :D 

katzenminze kommentierte am 08. November 2014 um 19:49

Jaah... deswegen schreib ich's auch lieber hier als als Leserbrief. Bei Konzerten kommt es auch oft vor, das das Publikum - vor allem die Damelwelt - sich über Artikel beschwert. Das wirkt immer so Fangirl-mäßig. :)

Jeco01 kommentierte am 08. November 2014 um 20:20

Letztendlich ist und bleibt doch alles eine Geschmacksfrage

Fornika kommentierte am 09. November 2014 um 10:16

Ich kenne die genannnte Zeitung nicht, würde sie aber mal spontan in die Kategorie regionale Tageszeitung einordnen. Sollte die Einschätzung falsch sein, bitte berichtigen. Warum ich das denke? Weil genau diese Art der "Kritik" auch in meinem regionalen Käseblatt regelmäßig zu lesen ist. XYZ schreibt sich mal so richtig den Frust von der Seele, dass er jobmäßig genötigt wurde zur blöden, doofen Veranstaltung ABC zu gehen (= doof, weil am Wochenende. Oder nach Feierabend. Oder oder). Und weil das Ganze Kritik heißt, muss man als ordentlicher Reporter kritisieren. Ob die Kritik berechtigt ist, oder nicht. An deiner Stelle würde ich gerade im Hinblick auf die falschen Informationen (Name der Sängerin etc.) mal einen Leserbrief schreiben. Das sind schließlich eindeutige Fehlinformationen, die der Autor hier verbreitet. Und dann schön den Bogen zum zusammengegoogleten Wissen von Schätzing schlagen. Den Sängernamen hätte google bestimmt in 2 Sekunden ausgespuckt ; )

katzenminze kommentierte am 09. November 2014 um 20:29

Ja, alles spontan richtig getippt. Bin beeindruckt! ;) Den richtigen Namen hab ich ja auch gegoogelt. :) So Kritiken gibt's sonst meist zu Konzerten, mit den obligatorischen Beschwerde-Leserbriefen hinterher. Nur bisher war's noch nie so arg! Wie gesagt, die Veranstaltung ist Geschmackssache. Aber pauschal den Anwesenden einen mit reinzudrücken find ich unangemessen.

Leia Walsh kommentierte am 09. November 2014 um 17:26

Mal ehrlich: hätte der Schreiberling jetzt total geschwärmt, wäre Dir der falsch geschriebenen Name auch Wumpe gewesen. ;-)

Verschiedene Kritiker haben verschiedene Geschmäcker und damit verschiedene Meinungen. Ich persönlich finde auch, dass diese "Show" bei einer Lesung nichts zu suchen hat, aber Dir gefällt es. Wer hat Recht und wer nicht? Keiner!

Sich so aufzureiben wegen eines Artikels in der Tageszeitung? Find ich viel zu viel Zeitverschwendung. Lies lieber! ;-)

katzenminze kommentierte am 09. November 2014 um 20:32

Naja, ich find ja auch, dass die Sache an sich Geschmackssache ist. Da kann man sich bis in zur Unendlichkeit - und noch viel weiter - drüber streiten. Aber die Anwesenden gleich mit zu kritisieren muss ich mir vom Typ gefrusteter Reporter nicht geben.

Generell bin ich da ganz bei dir und Naibenak: "Unrat vorbeiziehen lassen!" Aber hey, es war Samstag, ich hatte grad nix besseres vor. ;)

Nadine B. kommentierte am 10. November 2014 um 12:05

Die Überschrift des Zeitungsartikels ist schon reißerisch auf BILD-Niveau.

Und wenn der Artikel noch mit Fehlern und anderen Flüchtigkeitsfehlern untermalt ist, würde ich schon behaupten, dass Herr Raab (wenn ich es richtig lese) den Artikel a la Brechstange geschrieben hat.

Steffi_the_bookworm kommentierte am 10. November 2014 um 12:26

Auch wenn es eine Kritik ist finde ich, dass ein Redakteur zu Neutralität verpflichtet ist.
Außerdem habe ich oft das Gefühl, dass Berichte zu Veranstaltungen meistens nicht in das Interessengebiet des jeweiligen Redakteurs fallen.

Ich weiß noch wie ich mich vor knapp 20 Jahren über die Konzertberichte meiner Lieblings-Boyband aufgeregt habe. Ganz ehrlich was anderes als einen Veriss zu so einem Konzert kann man von einem Mann Ü40/50 erwarten?! Sowas wird der Veranstaltung doch niemals gerecht.

Kritik ist ja angebracht, wenn es einem nicht gefällt, aber das sollte sprachlich doch etwas angemessener geschehen. Wenn der Artikel dann noch mehrer Fehler enthält, ist es eigentlich nur noch peinlich.

wandagreen kommentierte am 10. November 2014 um 13:03

Ich könnte mir vorstellen, dass der vermeintliche Schreibfehler eine Anspielung war, nämlich auf die (schmalzige??) Sängerin Esther Ofraim seinerzeit.

Grds haben wir Meinungsfreiheit.

Ich habe schon oft festgestellt, wenn ich selbst eine kritische Rezension geschrieben habe, zu einem Buch, das der Masse (sag ich jetzt mal bewusst provokativ) gut gefallen hat, dass ich dann auf amazon viele Negativbutton bekomme, sicherlich nicht, weil meine Rezension falsch gewesen wäre, sondern, weil ein Teil der Leserschaft es einfach nicht ertragen kann, wenn man den Lieblingsautoren oder das Lieblingsbuch nicht hypt, sondern dahin holt, wo es oft hingehört, auf den irdischen Boden "weniger guter" Literatur. Man darf ja gar nicht mehr sagen, es sei schlechte Literatur, weil ich sofort den Aufschrei höre: "Wer will denn das beurteilen!" Und es gäbe keine objektiven Merkmale, um Literatur zu beurteilen. (Was Quatsch ist).

Schätzings letzten Roman habe ich ähnlich besprochen. Ich finde, er schreibt eher schlecht als gut. Wobei diese Google-Aussage tatsächlich grenzwertig ist. Insofern denke ich, dass der Journalist eben diesen Nerv getroffen hat, wer "meinen" Autoren angreift, wobei als Angriff schon begriffen wird, dass man ihn schlecht schreibend nennt, greift mich an. Das ist albern.

Jedoch bei aller Meinungsverschiedenheit: beleidigend sollte es nicht werden. Bleibt die Frage: Was ist beleidigend? Ich finde es beleidigend, wenn meine Rezensionen aus oben genanntem Grund negativ gebuttet werden.

Maralisi kommentierte am 10. November 2014 um 22:20

Ich finde es absolut nicht gut, was du da beschreibst. Ist es aber nicht sehr oft so, dass Journalisten die als Kritiker schreiben und auch die ganzen selbsternannten Buchkritiker, oft gar nicht zu überlegen scheinen, dass sie auch die Leser und Hörer diskreditieren? Sowas ist schon unterste Schublade, aber leider scheint eine sachliche und auch subjektive Kritik wenigen geläufig zu sein. Jeder hat einen anderen Geschmack.

Ärgere dich nicht so sehr, geniesse das was du liest und dir Spaß macht. Jeder hat eine andere Einstellung zum Lesen und zur Literatur. Die einen lesen nur Klassiker und das was die Literaturpäpste empfehlen, die anderen lesen einfach nur zur Enspannung ein Buch oder Roman, dass was ihnen gefällt. Ein Beispiel dazu: eine Freundin von mir liest nur sogenannte "Groschenromane". Als ich ihr einmal ein Buch von mir anbot, sagte sie mir: "Sei nicht böse, aber Bücher sind mit einfach zu lang. Ich arbeite den ganzen Tag körperlich sehr hart. Wenn ich dann im Bett noch lese, schaffe ich nicht viele Seiten und irgendwann will ich auch das Ende noch erleben." Meine Freundin ist weder dumm noch zurück geblieben, sie hat einfach keine Lust sich auf die Inhalte konzentrieren zu müssen. Für sie ist es eine Story zu lesen und sich zu entspannen.

Lieber Gruß

Marianne

Margit Bußmann kommentierte am 12. November 2014 um 13:19

Ärgere dich nicht über so einen Dummbolzen.  Wie du schon mehrfach betont hast sind Geschmäcker verschieden. Aber wie man seine Meinung rüberbringt ist eine andere Sache. Ich kann mir nur denken, das der Reporter von Frank Schätzing mal eine Abfuhr erteilt bekommen hat und sich auf diese billige Art und Weise rächen will. Das spricht nicht für die Qualität seiner Reportagen.

Cthulhu kommentierte am 13. November 2014 um 17:49

Wo liegt das Problem? Der Journalist hat doch absolut Recht... :-P

wandagreen kommentierte am 15. November 2014 um 09:10

*lol* Du wieder!

schatzye kommentierte am 13. November 2014 um 18:13

Also ich keine deine Empörtheit absolut verstehen. Habe zwar nur Der Schwarm von Herrn Schätzing gelesen und empfand das Buch leider stellenweise auch sehr langatmig - aber jedem das seine. Geschmäcker sind verschieden, das sagst du ja auch. Mir wäre es mindestens genauso aufgestoßen, wenn der Journalist in höchsten Tönen von dieser vortrefflichen und einzigartigen Lesung geschwärmt hätte. Nachrichten und berichte möchte ich so objektiv wie möglich lesen. Klar muss da auch eine subjektive Einschätzung rein, aber die Zitate von dir klingeln eher nach "Gehässigkeit" und so, wie man über den Aufsatz von seinem ehemals besten Freund aufzieht mit dem man gerade Knatsch hat, weil er die Sandburg kaputt getreten hat ;) Reg dich nicht allzu sehr auf und genieß seine Bücher weiter :) Danke aber auf jeden Fall für den informativen Artikel :)

Liddy kommentierte am 15. November 2014 um 08:00

Ich frage mich ernsthaft was daran so schlimm ist.

Okay, der Journalist stellt andere Kriterien an seine bevorzugte Lektüre als du. Geschenkt - kommt vor. Okay, der Journalist bewertet in seinem Artikel das ihm vorgesetzte Event aus einem anderen Blickwinkel als du. Geschenkt - kommt vor. Okay, der Journalist hat nen Buchstabendreher in seinem Artikel gehabt (und das an einer Stelle, die absolut trivial ist, denn es geht doch ums Buch und um das Event und nicht bloß um die Identität der Sängerin, oder?). Geschenkt - auch das kommt vor!! Wenn ich meinen Namen nicht jedem buchstabiere, der ihn aufschreibt kommt auch immer krudes Zeugs raus - so ist das Leben.

Der Journalist zieht eine gewagte Verbindung zwischen Publikum und Buch (welches er negativ-kritisch bewertet hat). Doch ist das so falsch? Würdest du über ein Justin Bieber Konzi schreiben, würdest du auch ein paar Zeilen übers anwesende vollpubertierende meist weibliche kurz vor dem Ohnmachtsanfall stehende Publikum verlieren - oder nicht?

Die Fueilleton-/Kultur-Ecke jeder Zeitung lebt davon nicht nur Tatsachenberichte zu produzieren, sondern auch mal ein bisschen Katharsis in die Artikel zu schmeißen. Dass das nicht jedem Geschmack gerecht werden kann ist doch klar! Die Leser wollen wissen WIE es sich anfühlte dort zu sein und nicht wie es nüchtern dort WAR. Da die einzige Referenzgröße das Innenleben des Journalisten ist, ist es auch von ihm abhängig was dann letzten Endes in der Zeitung steht. Und wo kämen wir denn ohne kritische Berichte hin? Wenn jeder nur das beschreibt was er geil findet. Ein bisschen Dissonanz muss man abkönnen (ist btw auch absolut notwendig für eine mündige Urteilsfindung).

 

MadlyInLoveWithBooks kommentierte am 18. November 2014 um 02:37

Grundsätzlich stimme ich dir, was Dissonanz und negative Kritik betrifft, vollkommen zu. Ich lese gerne negative Kritiken, sie sind mitunter die aufschlussreichsten. Was den Großteil seiner Spitzen betrifft, habe ich auch kein Problem. Nichtsdestotrotz stelle ich selbst einen gewissen Anspruch an die Review/Rezensionseiten einer Zeitung und der beinhaltet: "Ich fand das hier alles scheiße, weil ..." und nicht "Das ist hier ist Dreck und jeder der das liest ist unterbelichtet" - denn das ist die Aussage, die ich aus dem "einfachen Weltbild" nunmal heraushöre. Ist doch klar, dass die Leute sich da angegriffen fühlen. Wer gerne Trivialliteratur liest, weiß, dass er kein "Ulysses" oder "Schuld und Sühne" in der Hand hält. Ich lese ab und zu gerne Nora Roberts, die Schmonzetten-Königin der anspruchlosen Liebesgeschichten schlechthin, habe ich deswegen ein "einfaches Weltbild"? Bin ich ein ungebildeter Bauer?

Ich habe noch kein einziges Schätzing Buch gelesen, will mich deswegen zu dem Autor auch nicht äußern und kann mir auch nicht vorstellen, dass mir diese Art von Lesung gefallen hätte. Was ich allerdings sicher weiß ist, dass für mich derart versnobtes, blasiertes Geblubber nicht in eine Zeitung gehört. Denn diese Art von Aussagen gehört für mich nicht mal mehr in die Kategorie "Ich provoziere jetzt mal ein bisschen" oder "Ich sag's mal überspitzt", sondern klingt einfach nur so, als würde der gute Mann sich für was Besseres halten als der Rest der Welt. Wenn er es in Ordnung findet derart über das Werk eines Autor herzuziehen, ist das seine Sache. Ich persönlich versuche ja solche direkten Angriffe zu vermeiden, weil ich sie unangebracht finde und zumindest versuche ein gewisses Maß an Objektivität zu bewahren. Dass ein Käseblatt da etwas reißerischer vorgeht - gut deren Sache. Eine ganze Lesergruppe zu verunglimpfen - da kann ich nicht zustimmen, sorry.

JA2085 kommentierte am 21. November 2014 um 12:10

Gut gesagt, Liddy.

Miss.mesmerized kommentierte am 22. November 2014 um 07:30

Ich weiß jetzt nicht genau, worüber Du Dich aufregst. Du kannst doch Deine Meinung haben und der Kritiker seine eigene. Wenn ich auf eine Buchvorstellung gehen würde und man würde mich mit ohrenbetäubendem Lärm beschallen, würde mich das auch nicht begeistern. Geht man gezielt zu einem niveaulosen Ballerfilm ins Kino, ist man auf so eine Show vorbereitet - auf einer Lesung trifft einem das vermutlich eher unerwartet und es ist nun mal nicht jedermanns Sache. 

Die inhaltiche Kritik an Schätzings Roman konnte man aber so in quasi allen Medien lesen. Stark verkürzt, dafür überzogen und die Wahrheit so weit zurechtgebogen, dass es zur fiktiven Handlung passt - das ganze aber als authentisch vermarkten. Ich bin kein Experte für diese Thematik und kann das nicht beurteilen. Wenn Du so versiert bist und belegen kannst, dass Schätzings Aussagen fundiert sind und der gängigen wissenschaftlichen Erkenntnis entsprechen, lohnt sich eine entsprechende Gegendarstellung vermutlich. 

katzenminze kommentierte am 24. Januar 2015 um 18:09

Ich reg mich drüber auf beleidigt zu werden. Sorry.

Das mit "wenn ich auf eine Lesung gehe und..." finde ich kurz gedacht. Dass der Roman aktionreich ist, war vorher klar. Dass es ein "Medienereignis" und keine normale Lesung wird war auch vorher klar. Also auf keinen Fall unerwartet. Das mit dem "niveaulosen Bauernfilm" trifft es aber glaube ich. Lesungen haben halt so einen intellektuellen Touch. Warum? Das Buch soll mit Aktion unterhalten und muss inhaltlich nicht mit geschichtlich korrekten Fakten überzeugen. Ich glaube das war das Problem. Das Niveau war für eine Lesung vielleicht einfach zu niedrig. Zu sehr Bauernfilm. Und deswegen sind - laut Reporter - alle denen das gefällt, alle die applaudiert haben, eben auch auf Bauernniveau. Nur weil man an ein Buch und an eine Lesung höhere Ansprüch hat als an einen Film oder ein Konzert von mir aus. Ist das ok? Nö.

AnnaBerlin kommentierte am 10. Dezember 2014 um 14:03

Ich kann dich verstehen. Ich hatte mal einen Artikel bzw. ein Interview bei Spiegel Online gelesen, wo zwei Leute den neuen Thriller von Sebastian Fitzek "Passagier 23" verrissen haben. Ich denke oft, diese Leute suchen in jedem Buch die große Literatur und jeder, der einfach nur aus Freude liest, ist anspruchslos, dumm und seicht. Wirklich, es kommt mir so vor, dass es nur gut ist, wenn man die "Klassiker" liest, alles andere sei niveaulos. Dabei liest die große Mehrheit gerne Bücher, die unterhalten und auf ihre eigene Art Wissen und Fantasie anregen. Ich schätze jeden, der liest, egal was, sei es Manga, Fantasy oder eben nur Goethe. Wichtig ist, dass man liest.Und ich denke, jeder, der solche Kritiken übt, sollte sich bewusst sein, wie die Zielgruppe ist, wieso man eben doch gerne Schätzing liest und wieso das Buch deswegen vielleicht doch nicht soooo schlecht ist. 

Geschmäcker sind verschieden und das sollte auch jeder, der eine Kritik schreibt, akzeptieren. :)

FantaSie fantasierte am 08. Januar 2015 um 09:19

Das Gefühl hab ich auch manchmal.... generell denken sehr viele Menschen sie seien etwas besseres.... ich hasse sowas. Wie du schon sagtest soll doch jeder lesen was er möchte und ihn unterhält.

Anchesenamun kommentierte am 03. Januar 2015 um 17:16

Alles ist Geschmackssache, aber ich finde nicht, dass man dem Autor oder dem Publikum Geschmacksverirrung oder sonstiges unterstellen darf. Wie du schon geschrieben hast, soll dich ein Roman unterhalten. Und wenn er das tut, dann passt es doch. Herr Schätzing hat ja einen fiktiven Roman vorgestellt und keine wissenschaftliche Arbeit, die auf Fakten basiert. Wer weiß, welche Laus dem Journalisten da über die Leber gelaufen ist... Und wenn Herr Schätzing seine Leseung mit Soundeffekten und Musik aufpeppt, finde ich das doch eine tolle Idee! :-)

Ich weiß, der Artikel ist nicht mehr aktuell, bin aber jetzt erst drauf gestoßen.

Arbutus kommentierte am 25. Januar 2015 um 00:01

Hm. Sagt mal, liest jemand von Euch eigentlich regelmäßig Feuilletons? Ich habe früher viele Konzert- und Theaterkritiken gelesen und gesammelt und verstehe die ganze Aufregung hier nicht. Obwohl ich mich auch schon über Kritiker geärgert habe. Und ich war auch schon mal bestürzt, wenn mir ein Schreiber ein Idol zurechtstutzte. Ich gehöre außerdem zu dem Personenkreis, der auch schon selber verrissen worden ist. Aber viel demütigender ist es, wenn eine Lokalkritikerin sich mit lauter Belanglosigkeiten aufhält (zum Beispiel dass die alten Damen in der zweiten Reihe so unruhig waren), in der Pause nach Hause geht und dann schreibt, was für bezaubernde Klänge die Künstlerin doch im zweiten Teil dem Piano entlockt hat....

Aber mal im Ernst. Um auf Deine Frage zu antworten, Katzenminze: Muss ich mir das als Zuschschauer von einem Journalisten gefallen lassen? Nun, ich denke, wir alle haben bereits viel zu laut "Je suis Charlie" gerufen, als dass wir eine andere Wahl hätten, oder?