Rezension

Es sollte tragisch sein.

Das rote Adressbuch - Sofia Lundberg

Das rote Adressbuch
von Sofia Lundberg

Bewertet mit 2 Sternen

Kann man lesen: es gibt Schlimmeres. Kann man auch bleiben lassen: es gibt Besseres.

Schon früh hat Doris ein Trauma erlitten, denn nach dem Tod des Vaters, muss sie sich quasi noch als Kind als Dienstmädchen bei fremden Menschen verdingen und wird sogar aus ihrer Heimat, Schweden, gerissen und nach Paris verfrachtet. Allein anhand eines Wörterbuchs bringt sich das sehr junge Mädchen in kürzester Zeit französisch bei und liest sich trotz harter Tagesmüh, nachts durch die Bibliothek der Hausherrin. Die Sterne fallen, denn im weiteren Romanverlauf zeichnet sich Doris nicht gerade als Intelligenzbestie aus. Dumm ist sie auch nicht, Durchschnitt eben.

Doris wird wundersamerweise als Mannequin entdeckt und entsprechend ausgebeutet. Sie lernt die Liebe ihres Lebens kennen und flieht bei Kriegsausbruch nach New York. Am Ende blickt sie, 96jährig, auf ein bewegtes Leben mit vielen Höhen und Tiefen zurück. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen und man kann sich nicht entscheiden, welche die schlechtere von beiden ist.

Die Protagonistin muss auf Geheiß des Drehbuchs ein Leben leben, das für mehrere Protagonistinnen ausgereicht hätte. Pragmatismus besitzt sie nicht für fünf Cent und erhält die Illusion der verlorenen Jugendliebe, der ewigen, unerfüllten Liebe aufrecht. Hätten sie sich gefunden, wer weiß, möglicherweise, hätte sich die große Liebe abgeschliffen. Wäre sie pragmatisch gewesen, wäre sie, möglicherweise, sogar glücklich geworden. Aber der Plot befand: es sollte tragisch sein.

Fazit: Es sollte tragisch sein.

Kategorie: Unterhaltung
Verlag: Goldmann, 2018