Leserunde

Longlist-Leserunde zu "Das Floss der Medusa" (Franzobel)

Das Floß der Medusa
von Franzobel

Bewerbungsphase: 04.09. - 13.09.

Beginn der Leserunde: 25.09. (Ende: 11.10.)

Im Rahmen dieser Longlist-Leserunde stellen wir – 15 Freiexemplare von "Das Floß der Medusa" (Franzobel) zur Verfügung.

ÜBER DAS BUCH:

18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?

ÜBER DEN AUTOR:

Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, ist einer der populärsten und polarisierendsten österreichischen Schriftsteller. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter 1995 den Ingeborg-Bachmann-Preis und 2002 den Arthur-Schnitzler-Preis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Krimis " Wiener Wunder" (2014) und  " Groschens Grab" (2015) sowie 2017 sein Roman " Das Floß der Medusa".

11.10.2017

Thema: Lektüre, Teil III (Seite 419 - 589)

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FIRIEL kommentierte am 28. September 2017 um 20:06

S. 419 bis S. 485

Im Wendekreis des Todes / Überlebenstraining für Romantiker / Human Trash / French fries

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FIRIEL kommentierte am 01. Oktober 2017 um 14:09

Wie sagt Brecht? "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral." Und wenn es kein Fressen mehr gibt, kann es auch keine Moral mehr geben.

Die Kapitelüberschriften haben es in sich - allein darüber könnte man viele Seiten schreiben.

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yvy kommentierte am 08. Oktober 2017 um 15:52

Die Überschriften sind der Hammer. Wirklich großartig. Da bekommt man direkt Gänsehaut.

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parden kommentierte am 20. Oktober 2017 um 14:19

Die Überschriften - allerdings! Galgenhumor par excellence... ☻

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Sursulapitschi kommentierte am 03. Oktober 2017 um 18:11

So, jetzt wird es ernst. Wir haben uns alle in Savigny getäuscht. Er ist nicht der Schlächter sondern der Zweifler bis zuletzt. 

"Wer hätte gedacht, dass fünfzig Stunden reichen würden, um Menschen in Kanibalen zu verwandeln?" 

Das finde ich eigentlich auch. Ist man so schnell so verzweifelt? Vielleicht haben sie auch nebenher einen Sonnenstich. Da ist ja schon der ein oder andere komplett durchgedreht. Ich fand es fast ekelhafter, wie sie den Pickelinhalt schlürfen, als dass sie Leichen zerschneiden. 

Hoffentlich überleben die Piccard Kinder.

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katzenminze kommentierte am 05. Oktober 2017 um 17:29

Die Pickel waren mein Ekel-Höhepunkt bisher.

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yvy kommentierte am 08. Oktober 2017 um 15:54

Ich glaube, ich hätte dabei mein Frühstück wieder hochgewürgt. Gut, dass ich diese Szenen am Wochenende ohne begleitende Mahlzeit gelesen habe.

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Raveneye kommentierte am 11. Oktober 2017 um 16:32

Die Szene fand ich auch sehr abstoßend - hat mich richtig geschüttelt

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schwadronius erwähnte am 18. Oktober 2017 um 22:43

Meine Ekelschwelle ist ziemlich hoch.

Ich dachte mir nur: "Leute, ihr saugt Bakterien pur. Ohne vernünftige Nahrung habt ihr kein intaktes Immunsystem. Tut euch das nicht an!"

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parden kommentierte am 20. Oktober 2017 um 14:20

Ach was, die Magensäure schafft ziemlich viel...

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schwadronius erwähnte am 20. Oktober 2017 um 21:50

Die können sie doch aber gar nicht mehr produzieren, so dehydratisiert wie sie sind.

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wandagreen kommentierte am 03. Oktober 2017 um 20:09

Im Wendekreis des Todes: manchmal ist es ein wenig surreal, z.B. wenn sie plötzlich brüllen: Lang lebe der König und sich dann alle wieder beruhigen. Auf dem Floß geht es zu wie auf einem Gemälde von Hiernoymus Bosch.

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FIRIEL kommentierte am 04. Oktober 2017 um 06:47

Der Vergleich mit Bosch gefällt mir, Wanda!

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yvy kommentierte am 08. Oktober 2017 um 15:55

Der Vergleich passt. Ich dachte, die haben Halluzinationen, als von den nackten Tänzern die Rede war.

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parden kommentierte am 20. Oktober 2017 um 14:23

An Hieronymus Bosch denke ich hier ständig...

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wandagreen kommentierte am 03. Oktober 2017 um 20:12

Franzl nimmt sich noch Zeit, um darüber zu diskutieren, was es bedeutet, Menschenfleisch zu essen.

Ich mein immer noch, sie hätten mit den Leichenteilen auch fischen können. Jemand hätte den Koch und Clutterbucket vom Floß stoßen sollen. Wein geht gar nicht, beim Schiffbruch, erst wieder, wenn man an Land Hütten gebaut hat. Wie wäre Tom Hanks (?) froh gewesen, er hätte bei Castaway (?) Wein gehabt.

Obwohl alles sehr eklig ist, gönnt der Autor dem Leser Pausen. Es gibt zwischendrin Abschnitte über die Schönheit des Wassers, etc. Auch die philosophische Diskussion lockert auf. Alles in allem: sehr gut gemacht, das kann man nicht anders sagen.

 

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katzenminze kommentierte am 05. Oktober 2017 um 17:40

Generell stimme ich dir zu. Was ich mich aber - gerade bei den Floßleuten - gefragt habe: Ist es nicht schade, dass Franz die Leute so in Klassen einteilt? Die Soldaten/Matrosen sind ja eh alle Verbrecher und stürzen sich auch quasi gleich auf das Fleisch. Die Offiziere und der Artz, die ja bessere Menschen sind, zweifeln. Warum? Weil sie mehr Bildung haben? Standesdünkel? Das reicht mir nicht.

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Sursulapitschi kommentierte am 05. Oktober 2017 um 23:43

Na ja, zum einen glaube ich, dass Bildung dir schon einen anderen Blick aufs Chaos verschafft. Und zum anderen ist da immerhin noch Hosea. Und so ganz sind die anderen Offiziere ja nicht auf Seiten des Arztes. 

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yvy kommentierte am 08. Oktober 2017 um 16:06

@ Minzi
Ich habe keine bewusste Einteilung darin wahrgenommen, eher eine zufällige, dem Charakter geschuldete.

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katzenminze kommentierte am 12. Oktober 2017 um 17:45

Ja wahrscheinlich. Und es ist ja auch nicht ausgedacht, wer tatsächlich überebt hat und wer nicht.

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yvy kommentierte am 08. Oktober 2017 um 15:58

Die philosophischen Diskussionen waren unvermeidbar und auch angebracht.

Mit den Leichenteilen fischen. Hmm ... aber hatten die denn Schnur?

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FIRIEL kommentierte am 15. Oktober 2017 um 19:23

Bei den vielen Leichen konnte man doch problemlos aus der Kleidung Schnüre ziehen, denke ich. 

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parden kommentierte am 20. Oktober 2017 um 14:25

"Obwohl alles sehr eklig ist, gönnt der Autor dem Leser Pausen." - Ja, Gott sei Dank, kann ich da nur sagen. Ich habe mich nicht für zimperlich gehalten (so als versierte Thrillerleserin), aber hier geht es ja auch darum, was der Mensch unter seiner Kruste aus Kultur und Moral eigentlich ist. Zusammen mit den überdeutlichen Bildern ist das manchmal schon Hardcore...

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wandagreen kommentierte am 04. Oktober 2017 um 13:55

WO sind eigentlich die anderen alle? Selbst am Anfang sind noch keine 15 People!! Ich geh mal zurück und zähl durch!

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katzenminze kommentierte am 05. Oktober 2017 um 17:28

Vom Floß gesprungen...

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schwadronius fragte am 18. Oktober 2017 um 22:51

Und, wieviele sind es?

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yvy kommentierte am 08. Oktober 2017 um 15:51

Für mich einer der ekligsten und zähesten Abschnitte bisher.
Die Situation auf dem Floß ist grandios beschrieben und man hat den Eindruck ebenfalls den Verstand zu verlieren. Was da abgeht, ist surreal.
Konträr sind da die teilweise romantischen Beschreibungen des Ozeans und des Himmels.

Savigny, der als beinahe Letzter versucht, die Menschlichkeit zu wahren und sich dann doch dem Hunger beugen muss - wer hätte das gedacht.
Für mich nicht ganz nachvollziehbar, dass es noch Männer gibt, die in dieser Situation an Vergewaltigung denken. Haben die keine anderen Bedürfnisse? Oder ist das so eine Art Übersprungshandlung?

Richford treibt mich zur Weißglut. Wie kann der Kerl nur so dreist sein. Boahhhhh!

Irgendwie ist das alles sehr gut beschrieben aber auch nur schwer auszuhalten.

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wandagreen kommentierte am 08. Oktober 2017 um 18:56

Diese Kontraste waren faszinierend. Einen Moment lang sah man die Schönheit der Natur, dann musste man wieder zurück auf das Floß. /Die Vergewaltigungsszene fand ich auch unfassbar!!! Vllt hat der Franzl da doch übertrieben, andererseits liegt doch der Augenzeugenbericht vor. Kann der Franzl sich das aus den Fingern gezogen haben? Die Tanzszene, na ja, da war Alkohol! und leere Mägen!

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yvy kommentierte am 11. Oktober 2017 um 22:29

Die Kontraste verstärken den Schrecken noch mehr, finde ich.

Ich denke, Franz hat es sich sicher nicht komplett ausgedacht aber vielleicht hier und da etwas ausgebaut und überspitzt dargestellt.

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schwadronius fragte am 18. Oktober 2017 um 22:56

Findet ihr das echt alle überraschend grauenhaft?

Wenn ich Nachrichten lese, "knallt" das mehr. "Das Floß der Medusa" ist "nur" ein Roman. Das bewahrt Abstand, auch wenn es wahrscheinlich sogar noch grausamer zuging.

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parden kommentierte am 20. Oktober 2017 um 14:31

"Für mich nicht ganz nachvollziehbar, dass es noch Männer gibt, die in dieser Situation an Vergewaltigung denken." --- Ich glaube, dass im Angesicht des möglichen Todes der Sexualtrieb etwas ganz Normales ist. Schau mal z.B. hier:

http://www.berliner-zeitung.de/wissen/psychologie-zu-tod-und-sex-todesfu...

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calimero8169 kommentierte am 21. Oktober 2017 um 15:41

Nachvollziehbar ist es für mich generell nie, warum Männer an Vergewaltigungen denken. Ich verstehe einfach nicht, was geil daran ist sich eine Frau zu nehmen die keine Lust hat, Angst und Schmerz empfindet. Aber in so einer Situtation ? Keine Ahnung was in den Köpfen abgeht.

Richeford geht mir auch total auf die Nerven. Warum hat dem noch keiner einen Schubs gegeben?

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yvy kommentierte am 08. Oktober 2017 um 16:03

Ach, noch vergessen zu schreiben: Die Sätze zur (fehlenden) Angst fand ich grandios mit dem Fazit: "Alle Angst war Realität."
Das bringt es doch auf den Punkt.

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parden kommentierte am 20. Oktober 2017 um 14:32

Ja, den Satz fand ich auch bemerkenswert.

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schwadronius erwähnte am 16. Oktober 2017 um 00:17

Ich wollte es vorher schon tausendmal erwähnt haben, so wie Franzobel tausendmal schreibt, daß Coudein (wird - da französicher Name - Codein gesprochen) ständig Husten hat. Ein Hustenstiller ist Codein. In letzter Zeit las ich selten so ein humoristisches Buch!

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schwadronius korrigierte am 16. Oktober 2017 um 00:49

Cudein, nicht Codein.

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parden kommentierte am 20. Oktober 2017 um 14:33

Stimmt. Hier muss ich auch ständig an den Hustensaft denken... :) Böser, schwarzer Humor trieft hier durch die Zeilen...

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schwadronius meinte am 18. Oktober 2017 um 22:45

Der Übergang zum Gemetzel auf dem Floß ging mir jetzt zu schnell. Kurz gesonnt, gab es eine Zombieapokalypse!

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parden kommentierte am 20. Oktober 2017 um 14:35

Das ging mir ähnlich. Allerdings glaube ich, wenn erst einmal der Damm gebrochen ist, einer ausbricht bei einer Horde von zumindest latent gewaltbereiten Männern, dann ist echt alles verloren. Man kann sich der Situation ja nicht entziehen!

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calimero8169 kommentierte am 21. Oktober 2017 um 15:45

Denke ich auch, da die eh alle ziemlich viel auf dem Kerbholz haben, reichte ein Funke und die Situation expoldiert.

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schwadronius meinte am 18. Oktober 2017 um 22:50

Gewichtsverlagerung, Prioritäten. Während andere ihre Moral über Bord schmeißen, streicht Hosea Fremdwörter. Haben sie ja aktuell keinen Nutzen.

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FIRIEL kommentierte am 28. September 2017 um 20:08

S. 486 bis S. 543

Jonaskinder / Am Rand / D wie Jones

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Sursulapitschi kommentierte am 03. Oktober 2017 um 22:43

Meine Güte, ist mir schlecht. Gaines und Clutterbucket haben den Tod verdient, aber das war maximal ekelhaft. 

Dieser Abschnitt war sehr leidvoll und bedrückend. Da vergehen sogar dem Franz die Scherze. 

Ich hatte nicht mit einem Nomadenstamm gerechnet, der Gestrandete gefangen nehmen könnte. Ich war mehr auf Hottentotten und Menschenfresser eingestellt. Ob wir wohl noch erfahren, wie es den ganzen "Geretteten" ergeht? Die Picards haben keine guten Karten und die drei Dingsschwestern stehen auch mit nichts da. 

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katzenminze kommentierte am 06. Oktober 2017 um 15:52

Ich fand es jetzt gar nich soooo schlimm. Mein Ekelhöhepunkt waren die Pickel. Da geht nix drüber. ;)

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wandagreen kommentierte am 06. Oktober 2017 um 18:04

Mein Magen hat da auch ordentlich gezuckt.

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parden kommentierte am 21. Oktober 2017 um 13:51

Jepp. Sehr ekelhaft. Aber auch gut, wie Franzobel beschreibt, dass Leute wie der Schiffsarzt noch darüber nachdenken, was das bedeutet, dass diese Grenzen überschritten wurden - für sie persönlich auch. Nie wieder werden sie die Alten sein.

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katzenminze kommentierte am 06. Oktober 2017 um 15:59

Ich fand es erstaunlich, dass die Bootinsassen auch noch so zu leiden hatten. Da das mit dem Lösegeld aber schon früher erwähnt wurde, dachte ich mir, dass es darauf hinausläuft. Das "Aufteilen" der Gefangenen hat dabei auch Sinn gemacht. Und dass alle diesen Gewaltmarsch überlebt haben finde ich bemerkenswert. Hätte ich nicht gedacht. Aber noch nochmal nach dem anderen Booten haben Schmaltz und Chaumayer (o.ä.) suchen lassen! Das wäre das erste gewesen: Ankommen und Booto losschicken um die anderen zu finden! Unmöglich da erstmal seelenruhig mit dem Gouverneur zu Speisen.

Auf den Floß ist es sehr düster! Die Stimmung ist toll beschrieben. Hoffnungslosigkeit, Resignation, Verzweiflung, Verrückt werden, alles dabei. Ich hoffe so, dass Viktor nicht an seinen Verletzungen stirbt.

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yvy kommentierte am 11. Oktober 2017 um 22:27

Ja da waren so einige Aufreger dabei.
Mit dem Lösegeld das hatte ich auch vermutet und deshalb nicht wirklich Angst um unsere Geiseln.
Der Marsch durch die Wüste hat mich da schon eher an ihr Scheitern denken lassen.

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schwadronius erwähnte am 19. Oktober 2017 um 22:15

Gleicher Fluch für alle der Medusa!

Freiwillig möchte ich nie solcher Situation ausgesetzt werden, aber der Wissenschaft dienend interessierte mich schon, wann welche spezifischen Substantive einträten.

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yvy kommentierte am 11. Oktober 2017 um 22:24

Die Story geht mehr und mehr an die Substanz bei mir. Ich habe das Gefühl Franz bringt sich selbst und uns ebenfalls dazu an die eigenen Grenzen zu gehen.

Grandios beschrieben fand ich die Erkenntnis, dass selbst wenn sie gerettet werden, sie niemals wieder zurück zu ihrem früheren Ich kehren können. Es wird immer ein alles entscheidender Unterschied zu anderen Menschen da sein.

Die Überlebenden aus den Booten gehen durch ihre eigene Hölle und geben dennoch nicht auf. Ich muss zugeben, das nötigte mir ein wenig Respekt ab.

Savignys Erkenntnisse in Jonaskinder, seine Gedanken als es um das Menschenessen geht und das die Floßwelt die selbe ist wie die da Draußen - das regt alles sehr zum Nachdenken an und bringt mir den für arrogant und abgeklärt gehaltenen Arzt noch näher.

Was mag uns nun noch in den letzten Kapiteln erwarten? Ich habe beinahe Angst, es herauszufinden ...

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katzenminze kommentierte am 12. Oktober 2017 um 17:47

Stimmt, auf dem Floß wird mir Savigny auch sympathischer. Und auch danach kann ich ihn total verstehen. Warum Hosea nur am Anfang so negativ auf seinen Namen reagiert, habe ich nicht ganz verstanden.

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yvy kommentierte am 13. Oktober 2017 um 18:24

Stimmt, etwas seltsam aber vielleicht verbindet Hosea Savigny am stärksten mit Viktor, weil der ja für ihn gearbeitet hat.

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schwadronius erwähnte am 19. Oktober 2017 um 22:20

Alles in Deinem Leben macht Dich zu dem, der Du bist - die Summe Deiner Einzel - Ichs. Und dieses Ganze wäre dann mehr als Summe!

Worrüber denkst Du nach, yvy?

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parden kommentierte am 21. Oktober 2017 um 13:58

Diese nachdenklichen Einschübe gefallen mir hier auch am besten. Es ist auch gut, dass Franzobel sich für einen laufenden Szenenwechsel entschieden hat. Wenn das eine unerträglich wird, kommt eben das andere. Interessant finde ich, dass Savigny - wohl um sich ein Rest Menschenwürde zu erhalten - als einziger auf seine Kostümierung nicht verzichtet. Mit Perrücke bei 40°C im Schatten (welcher Schatten?). Das nenne ich konsequent... Woher weiß Franzobel eigentlich, dass Dünndarm salzig schmeckt?! Uäh...

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schwadronius erwähnte am 19. Oktober 2017 um 22:08

"Europa hat die Uhr, Afrika hat die Zeit."

D(e)wie Jones - die Kapitelüberschriften sind - wie immer - sehr treffend und klug konzipiert.

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FIRIEL kommentierte am 28. September 2017 um 20:09

S. 544 bis S. 589

Die Trunkenen / Die Letzten / Himmelswasser

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FIRIEL kommentierte am 01. Oktober 2017 um 17:08

Ende, aus. Für die Überlebenden allerdings wird es wohl nie zu Ende sein. Zumindest nicht für die vom Floß - bei denen aus den Beibooten sieht das wohl anders aus. Meine Lieblinge, der Kapitän, der Gouverneur und Toni, können die Katastrophe und ihren Anteil daran wohl anscheinend recht gut verdrängen.

Warum ist Hosea so sehr auf Savigny fixiert? Das habe ich noch nicht verstanden.

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FIRIEL kommentierte am 03. Oktober 2017 um 15:37

Ich möchte ja nicht spoilern, also versuche ich es mal ohne Namen. Franz hat einen Überlebenden offensichtlich erfunden; der taucht in den historischen Berichten jedenfalls nicht auf. Dass der zum Schluss noch Hosea Thomas aktiv aus dem Weg geht und auch noch Hupfs Mutter begegnet, ist mir dann doch ein bisschen zu konstruiert. Nun ja; ich bin dem Autor ja dankbar, dass einer mehr überlebt.

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Sursulapitschi kommentierte am 04. Oktober 2017 um 00:53

Klar ist das konstruiert, aber es ist wenigstens noch ein klein wenig etwas Erfreuliches am Ende. Die ganze Geschichte ist unglaublich, auch wenn sie sich vermutlich so abgespielt hat. Da ist ein unglaubliches Ende der netteren Art doch ganz hübsch.

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yvy kommentierte am 13. Oktober 2017 um 18:26

Viktor musste überleben, denn er symbolisiert, bzw. vertritt ja uns Leser und ist vielleicht deshalb eine Art Übermittler.
Deshalb konstruiert ja aber als Zweckmittel vertretbar.

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schwadronius erwähnte am 21. Oktober 2017 um 00:21

Das Buch hat einen humoristischen Vergleich nach dem anderen, nur bei der letzten Geschichte um Viktor gibt es keine(n).

Er - die Geschichte - siegte.

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schwadronius erwähnte am 21. Oktober 2017 um 00:41

Irgendwo las ich, daß Hosea auch eine erfundene Figur ist. Hosea und Viktor, Heil / Rettung und Sieg.

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Sursulapitschi kommentierte am 04. Oktober 2017 um 00:49

Huch, da bekommen wir ja glatt noch sowa wie ein Happy End, jedenfalls so happy, wie es bei so einer Geschichte sein kann. Mit Victor hatte ich jetzt nicht mehr gerechnet. Wie nett vom Franz. Alles andere war ja wohl mehr als frustrierend.

Chaumareys kommt mit schlappen drei Jahren davon und das auch nur, weil es durch die Presse ging? Das ist unglaublich. Da möchte man doch gleich wieder nach Revolution schreien, wenn die Obrigkeit nicht sehen will, was unbequem ist. 

Ich bin jetzt fertig mit der Welt. Was für ein Buch!

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FIRIEL kommentierte am 04. Oktober 2017 um 06:50

Wenn man das Buch liest, hält man alles für eine groteske Übertreibung - aber die historischen Grundlagen stimmen! Und das ist heute nicht anders als vor zweihundert Jahren; auch heute passieren noch Dinge, die man nicht glauben mag.

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katzenminze kommentierte am 09. Oktober 2017 um 16:36

Ich fand das gar nicht happy, das End. Dass Viktor überlebt hat mich zum einen gefreut, aber um welchen Preis? Er kann Hosea nicht unter die Augen treten. Der soll am nächsten Tag hingerichtet werden. Ihr erinnert euch? Viktor, der einzige, der das verhindern könnte, kneift. Er kann nicht drüber reden, hat sich unendlich weit von seinen Eltern entfernt und noch nichtmal Hupfs Mutter kann er die Wahrheit sagen. Ich fand es sooo bedrückend und traurig am Ende!

Da gab es einen Satz mit Wahrheit und Zeitpunkt am Ende im Zusammenahng mit Hupfs Mutter. Den fand ich tol. Habe das Buch leider gerade nicht zur Hand.

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wandagreen kommentierte am 09. Oktober 2017 um 16:41

Warum kann er nicht? Ich geb zu, hmpf, gegen Ende habe ich ein paar Seiten überschlagen, es war mir einfach zuviel. Klär mich auf, Minzi.

 

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katzenminze kommentierte am 12. Oktober 2017 um 17:48

Also wirklich, Wanda. Das ist die allerletzte Seite. Wie kann man das denn überblättern? :p

Hosea (im Armenhaus) ruft "Viktor! Viktor!" Sein Vater erzählt ihm das und Viktor lässt ihn extra nochmal reingehen, um den rufenden nach William Shakespeare zu fragen. Und auch auf die Auskunft hin, dass Hosea darauf "Groß- und Focksegel aufgeien" gesagt hat, meint er nur "Nein, das kann nicht sein." Viktor wirkt einfach total resigniert, deprimiert und weit entfernt von allem.

Hier auch der Satz, nachdem Viktor Hupfs Mutter nichts von dessen Tod sagen kann:
"Generationen später sollte eine Dichterin sagen, die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar ... Ja. Aber auf den Zeitpunkt kommt es an."

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yvy kommentierte am 13. Oktober 2017 um 18:37

Ich fand es auch nicht happy.
Viktor verstehe ich zwar einerseits, hätte mir aber auch gewünscht, dass er Hosea zeigt, dass er noch am Leben ist. Er ist resigniert und möchte das Ganze hinter sich lassen und was Hupfs Mutter angeht - hmmmm, "ist es an ihm ihr das Kind zu nehmen"? Er hätte erklären müssen, dass er sinnlos gestorben ist und er hätte ALLES wieder erzählen müssen. Genau das kann er nicht.

Der Satz war toll und die Zeit, die Wahrheit zu sagen ist unter anderem jetzt mit diesem Buch. EIn Augenöffner.

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Raveneye kommentierte am 11. Oktober 2017 um 16:41

Ich hatte Victor auch schon abgeschrieben, deswegen hat es mich gefreut ihn doch wiederzusehen.
Das dieser inkompetente Kapitän so glimpflich davon gekommen ist hat mich dann aber geärgert. Wäre es nicht öffentlich geworden, hätte er nicht mal ein Klapps auf die Finger bekommen. Denn die Oberschicht ist ja siwas von unfehlbar.

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katzenminze kommentierte am 12. Oktober 2017 um 17:57

Immerhin. Aber Richeford, der eigentliche Verursacher der ganzen Misere bekommt gar keinen Ärger. Ich wäre an Savignys Stelle auch sowas von vor den Kopf gestoßen, wenn ich das alles durchgemacht hätte, nur ein klitzekleines bisschen Gerechtigkeit möchte und dann hören müsste, wie mir jemand sagt: Was willst du eigentlich, du hast Leichen gefressen und hast nu gar nix mehr zu wollen. Argh! Diese blasiertheit!

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parden kommentierte am 21. Oktober 2017 um 16:59

Ja, diese Art, alles Unangenehme nach Möglichkeit zu vertuschen - da kam mir auch die Galle hoch. Im Grunde hätten die es doch besser gefunden, wenn kein einziger von dem Floß wieder aufgetaucht wäre. Nur noch lästig, das Pack. Entsprechend kümmert sich ja auch niemand um die Überlebenden. Savigny hatte schon Recht: auf dem Floß ist es auch nicht anders als an Land...

Thema: Lektüre, Teil III (Seite 419 - 589)
wandagreen kommentierte am 07. Oktober 2017 um 15:30

Ist es in diesem Abschnitt gewesen, wo der Mann der schwarzen Madame gemeuchelt wird? Das fand ich auch schlimm. Stellt euch das mal vor! Zusehen zu müssen, wie der eigene Mann ermordert wird und dann noch "nett" sein zu müssen, damit man eine kleine Überlebenschance hat. Und jung waren die alle, die Frau war erst 35!

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schwadronius antwortete am 20. Oktober 2017 um 23:57

Nein, war es nicht.

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yvy kommentierte am 13. Oktober 2017 um 18:50

Ich bin fertig - mit dem Buch und der Welt. Was für eine heftige und bedrückende Geschichte, die Wirrwarr an Gefühlen zurücklässt.

Es ist so viel passiert auf nur wenigen Seiten in diesem Abschnitt und doch ist ALLES passiert.
Die Obrigkeit ist wie erwartet relativ ungeschoren davongekommen und lebt mit Verdrängung gemütlich weiter. Haben die überhaupt ein Gewissen?
Nicht alle der 15 Geretteten haben überlebt, diese Schicksale haben mich besonders berührt, nach allem, was sie durchmachen mussten. Das Leben geht weiter und es ist nicht immer alles gerecht.

Savigny versucht sein Möglichstes, die Wahrheit ans Licht zu bringen, wenn auch anfangs, um die Erlebnisse besser verarbeiten zu können. Damit beweist er die größte Stärke von allen. Das kam unerwartet.

Viktor, nun ja, ich war froh, dass er überlebt hat aber sein Leben ist dennoch vertan, zumindest scheint es so. Auch er trägt große Schäden davon.
Ich habe mich oft gefragt, ob es besser ist als Überlebender aus so einer Katastrophe hervorzugehen?

Dass es noch Überlebende auf der Medusa selbst gab, kam unerwartet für mich. Nun ja aber auch sie sind weit weg vom Leben.

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schwadronius meinte am 21. Oktober 2017 um 00:15

"Auch er trägt große Schäden davon.
Ich habe mich oft gefragt, ob es besser ist als Überlebender aus so einer Katastrophe hervorzugehen?"

Das Hirn muß einiges verarbeiten. Wenn man sich dabei immer wieder vor Augen hält, daß man es geschafft hat, man lebt, kommt eines Tages das Lebensgefühl zurück. Savigny fragt sich das: "Aber ich lebe doch nicht mehr? Lebe ich?" Alles scheint verloren, aber es war eine Extremsituation. Sie muß den Sinn für das Weiterleben haben.

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FIRIEL kommentierte am 01. Oktober 2017 um 17:09

Fazit und was es sonst noch zu sagen gibt

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FIRIEL kommentierte am 01. Oktober 2017 um 18:54

Harter Toback; die Lektüre hat mir zugesetzt. Jetzt muss ich mal schnell ein bisschen verdrängen...

Jedenfalls: Danke an die Mayersche, die fünfzehn Exemplare gespendet hat - diesmal kamen sie ja nicht vom Verlag.

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katzenminze kommentierte am 06. Oktober 2017 um 16:05

Möchte jemand über die Charaktere sprechen? Es gab ja fast nur Klischeepersonal (Der Jude, die Schwarzen, der Pirat, die zickige Ehefrau, der überhebliche Gouverneur, die rohen Soldaten, etc.). Niemand ist groß aus dieser Rolle ausgebrochen. Mich hat das aber erstaunlicherweise gar nicht gestört. Ich glaube weil ich das Gefühl hatte, dass Franz genau weiß was er macht und sich/seine Figuren da selbst nicht so ernst genommen hat. Ging es jemandem anders? Hat das jemanden gestört?

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yvy kommentierte am 13. Oktober 2017 um 18:57

Klischeepersonal - ja stimmt auch ich habe es zwar wahrgenommen aber überhaupt nicht als störend empfunden. Ob er sich und seine Figuren ernstgenommen hat oder nicht ... hmmm, gute Frage. Ich denke schon, es brauchte diese Klischee-Folien, um das auszudrücken, was er wollte. Hätte es zu viel Spielraum gegeben, wäre seine Aussage womöglich untergegangen. Außerdem hat er so die Spannbreite an Personenfolien abgedeckt und damit jedem Leser einen passenden "Anzug" (Identifikation) gegeben. Was man kennt, kann man nachvollziehen.

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Raveneye kommentierte am 11. Oktober 2017 um 16:47

Zum Abschluss kann ich sagen, dass das Buch mich zuallererst überrascht hat, denn ich hatte mit einer viel umständlicheren Sprache gerechnet.
Die Schonungslose Darstellung und die vielseitigen Charaktere haben mir gut gefallen. Dadurch empfand ich das Buch viel eindringlicher.
Die Rezension werde ich aber erst Morgen schreiben um das Ganze noch etwas sacken zu lassen.

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schwadronius erwähnte am 21. Oktober 2017 um 01:09

Die Sprache war phantastisch.

Die Ereignisse und Handlungsabläufe auf dem Floß fand ich jetzt nicht überraschend. Fluchtberichte durch den Sudan, Tschad bis Libyen zeigen ähnliches auf - das Floß ist ein Container oder Lastwagen.

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parden kommentierte am 21. Oktober 2017 um 17:08

So, Buch zugeschlagen - Ende. Harter Tobak, in der Tat. Jetzt muss ich mich erst einmal erholen, hatte heute eindeutig eine 'Überdosis' - sonst habe ich immer nur wenige Seiten am Stück gelesen, aber ich wollte endlich fertig werden. Über die Rezension denke ich frühestens morgen nach, mir reicht es ehrlich gesagt für heute... Aber toll, dass ich hier mitlesen konnte. Ein eindringliches Leseerlebnis war es in jedem Fall!

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Rotschopf kommentierte am 11. Oktober 2017 um 15:14

Im dritten Teil löst sich die dünne Schicht der Zivilisation, Moral oder wie man es auch nennen möchte endgültig auf - spätestens, als der Tumult um den Wein ins Töten umschlägt. Ich bin nicht sicher, ob die Erklärung, dass die Menschen auf dem Floß wider das Leben und für den Tod kämpfen, zutrifft.

Die Schilderung des Hungers, der alles andere verdrängt - genauso stelle ich mir das vor.

Ich hatte - vermutlich in Erinnerung an "Im Herzen der See" - erwartet, dass es mehr Tote infolge von Kannibalismus und nicht von "Mord" geben würde. Bei dem Verweis auf die Walfänger in der Kannibalismus-Diskussion musste ich wieder an "Im Herzen der See" denken. Hat noch jemand das Buch gelesen oder vielleicht den Film gesehen?

Das ganze Geschehen finde ich grausig, man will es sich gar nicht vorstellen und tut es doch. Das Kapitel "Die Trunkenen" ist besonders schlimm.

Den Abspann nach der Rettung finde ich interessant und empfinde fast so etwas wie minimale Genugtuung, dass der Kapitän doch nicht völlig davon gekommen ist. Das letzte Kapitel über Viktor mutet im Gegensatz zum Rest des Buchs fast wie ein glückliches Ende an, ganz und gar Fiktion.

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katzenminze kommentierte am 12. Oktober 2017 um 18:03

Interesant, dass du das auch so siehst mit dem glücklichen Ende. Sursu schrieb das auch. Ich fand es total deprimierend. Aber wahrscheinlich ist das Interpretationssache. Meinst du, Viktor ist zu Hosea reingegangen? Ich glaube nämlich nicht. Er wirkte so resigniert.

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Rotschopf kommentierte am 12. Oktober 2017 um 20:07

Nein, ich glaube auch nicht, dass Viktor reingegangen ist. Ein glückliches Ende sehe ich aber schon alleine darin, dass und wie Viktor überlebt hat.

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FIRIEL kommentierte am 15. Oktober 2017 um 19:28

Ich denke auch nicht, das Viktor zu Hosea gegangen ist. Dabei hat der ihm doch so viel geholfen; ich denke, auch das Leben gerettet! Aber Viktor heißt zwar Sieger, aber über ein solches Erlebnis kann ein fühlender Mensch gar nicht siegen.

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schwadronius fragte am 21. Oktober 2017 um 01:18

Warum nicht, Firi? Er kann, er / es benötigt (s)eine Zeit. Das Hirn ist erstaunlich. Alle anderen können dies jedoch nicht, weil sie es nicht erlebten. Genau das ist der Zwiespalt. Es gibt Menschen, die dasgleiche durchmachten. Zusammen könnten sie das Geschehene aufarbeiten, aber es wird erneut die Hölle! Die damalige Zeit erschwerte, zeigt sie doch wenig Akzeptanz.

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yvy kommentierte am 13. Oktober 2017 um 18:53

Ja, die Trunkenen war heftig. Da musste ich oft schlucken. Hier geht jegliche Menschlichkeit über Bord und das Rohe und die Gewalt bleiben. Das ist wie ein Schlag in den Magen.

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Curin kommentierte am 21. Oktober 2017 um 11:34

Wahnsinn, wie Franzobel es gelingt, diese Leben bzw. Überleben auf dem Floß zu schildern. Schrecklich kann man da nur sagen und hoffen, dass man niemals in eine ähnliche Situation gerät.

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calimero8169 kommentierte am 21. Oktober 2017 um 15:38

Meine Güte - 50 Stunden! So wie sich auf dem Floss benommen wir, dachte ich, dass die schon länger unterwegs sind. Jegliche Hemmungen fallen und der Hunger ist bereits so groß, dass begonnen wird, die Leichen zu essen. Mich schaudert es bei dem Gedanken und ich frage mich die ganze Zeit, welchen Standpunkt ich vertreten würde. Ob ich überhaupt noch einen vertreten würde und ob und wann bei mir irgendein Punkt erreicht wäre an dem ich mich entscheiden würde - grausam.

Auf der Pinasse - Richeford ist immer noch dabei große Reden zu schwingen und sich für unfehlbar zu halten. Er gehört zu denen, die nicht einsehen oder lernen. Laura tut mir leid und ich hoffe nicht, dass die Kleine stirbt.

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schwadronius meinte am 21. Oktober 2017 um 17:15

Das dachte ich auch - zu dem Zeitaspekt. So lange sind sie doch noch nicht auf dem Floß und dann drehen alle durch. Wie labil oder weich gekocht wurden sie vorher.

Ich würde freiwillig niemals ins Meer springen. Schon gar nicht von solchem Floß. Die Vorstellung auf dem schaukelnden Ding und weit und breit kein Land in Sicht, ist purer "Horror" für mich. Für die restliche Zeit wäre ich wohl ziemlich ruhig, um meine Energie nützlich einzusetzen. Käme es zu einem Überlebungskampf, würde ich alles der Notwehr entsprechende tun, um am Leben zu bleiben.

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schwadronius fragte am 21. Oktober 2017 um 17:20

Ich möchte gerne wissen, wie es sich anfühlt, daß euch ein Buch zusetzte und ihr euch erstmal erholen müßt, oder ähnliche Formulierungen ... ?

Ich kenne sowas gar nicht.