Rezension

Beginnt mitreißend und schön, läßt aber immer mehr nach...

Und damit fing es an - Rose Tremain

Und damit fing es an
von Rose Tremain

Bewertet mit 3 Sternen

Gustav und Anton sind Freunde seit ihrer Kindheit. Beide sind in Matzlingen in der Schweiz –in der Nachkriegszeit- aufgewachsen, Gustav als Sohn eines Schweizer Polizisten und Anton ist jüdischer Herkunft. Während Anton eine Pianisten-Karriere anstrebt und sich am liebsten in der Musik verliert, hat es Gustav schwer, ein angenehmes Leben mit seiner depressiven Mutter zu führen. Die sehr enge Freundschaft begleitet Gustav und Anton durch ihr Leben, wird aber auf viele Zerreißproben gestellt…

Rose Tremain erzählt die Geschichte dieser Freundschaft in drei Abschnitten: zuerst das Kennenlernen der beiden Jungs und deren gemeinsame Kindheit. Danach erfahren wir rückblickend aus dem Leben der Eltern von Gustav und im dritten Abschnitt sind beide bereits 50-60 Jahre alt und wir können sehen, was aus ihnen geworden ist. Diese Einteilung ist äußerst sinnvoll gewählt und hat mir gut gefallen. Die Geschichte beginnt schwungvoll und leichtfüßig. Aus dem Leben der Kinder Anton und Gustav erzählt die Autorin in mitreißender, einfühlsamer und berührender Form. Dieser Abschnitt hat mir im Ganzen am besten gefallen.

Was dann folgt, ist auch sehr interessant: im Rückblick erfahren wir über die Zeit der Einwanderung vieler jüdischer Familien in die Schweiz als neutralen Zufluchtsort zu Beginn des 2.Weltkrieges und über die Probleme, die damit einhergekommen sind. Insbesondere auch für Gustavs Familie findet sich zu jener Zeit der Ursprung für die weitere Entwicklung im familiären Miteinander, das für Gustav immer sehr schwer gewesen ist.

Im abschließenden Teil jedoch wird mir die Geschichte zu unglaubwürdig und distanziert. Inzwischen sind Gustav und Anton Männer im besten Alter (um die 50) und leben so vor sich hin. Die Zeitspanne zwischen damals und jetzt wird nur ganz grob umrissen. Das ehemals freundschaftliche Miteinander ist verschwindend gering. Gustav versucht – eher durch Zufall als durch eigenen Antrieb – etwas mehr über seinen Vater herauszufinden. Er verreist mit einer alten Dame aus Gründen, die zwar nobel sind, die ich aber – ehrlich gesagt – nur sehr schwer nachvollziehen kann (zumindest hätte ich dem ganzen mehr Zeit zum "sich entwickeln" gegeben). Anton und seine Gefühlswelt wiederum kann ich zum Teil verstehen, jedoch kommt er in der Erzählung für meinen Geschmack viel zu kurz. Es ist in erster Linie die Geschichte Gustavs, die Rose Tremain erzählt.

Sprachlich bin ich hin – und hergerissen. Einerseits passt die Sprache zum ersten Teil hervorragend: unaufgeregt, einfach, erzählend… Im 2. und besonders im 3. Teil ist sie mir aber „zu“ einfach. Es fehlen Gefühlsregungen, Nähe und Atmosphäre, die der Geschichte meiner Meinung nach gut getan hätten. Außerdem kommen plötzlich vulgäre Ausdrücke vor, die zum Rest überhaupt nicht passen. Das hat mich immer wieder stutzen lassen. Ich habe nur selten eine Beziehung zu den Charakteren aufbauen können, und noch seltener bin ich wirklich berührt worden. Allerdings ist es ein Buch, das sich „flott weg liest“. Immerhin ;)

Fazit: Schöner Anfang, interessanter Mittelteil, schwieriger Schluss. Sprachlich hat mich der Roman nur teilweise überzeugen können. Die Geschichte wird zum Ende hin für mich unglaubwürdig. Schade.

Kommentare

katzenminze kommentierte am 28. Juli 2016 um 13:33

Mensch, du bist ja richtig produktiv gerade! ;) Und zum Glück für meinen SUB diesmal keine 5 Sterne. Puh!

naibenak kommentierte am 28. Juli 2016 um 13:38

hahaha... hatte zeitgleich 2 Rezi-Exemplare gewonnen *puh*... :D jetzt geht's wieder gemächlicher weiter ;)