Rezension

Der vielleicht beste Thriller des Jahres

Murder Park - Jonas Winner

Murder Park
von Jonas Winner

Ein tolles Setting, eine grandiose Idee, deren Potential voll ausgeschöpft wird, gut ausgearbeitete Personen, eine sympathische Hauptfigur, eine bedrohliche Grundstimmung und atemlose Spannung gekoppelt mit unerwarteten Wendungen - das alles findet man in diesem Buch. Kurz: Der vielleicht beste Thriller des Jahres.

* Die Rezension ist, bis auf einen Absatz, spoilerfrei! Keine Sorge: Vor diesem Absatz wird innerhalb der Rezension noch einmal gewarnt. *

~ Ein tolles Setting, eine grandiose Idee, deren Potential voll ausgeschöpft wird, gut ausgearbeitete Personen, eine sympathische Hauptfigur, eine bedrohliche Grundstimmung und atemlose Spannung gekoppelt mit unerwarteten Wendungen - das alles findet man in diesem Buch. Kurz: Der vielleicht beste Thriller des Jahres. ~

Inhalt

Vor 20 Jahren wurde der Vergnügungspark auf der Insel Zodiac Island geschlossen, nachdem dort ein Mörder drei junge Frauen ermordet hatte. Jeff Bohner wurde gefasst und hingerichtet. In der Gegenwart soll dort nun eine neue Vergnügnungsstätte entstehen, die mit ihrer mörderischen Vergangenheit spielt. Der Investor lädt lange vor der Eröffnung elf Menschen ein, ein Wochenende mit ihm auf der Insel zu verbringen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Auf einmal geschieht jedoch ein Mord und mit der lockeren Atmosphäre ist es vorbei. Niemandem kann man mehr vertrauen. Das Schlimmste? Die Fähre kommt erst in drei Tagen und es gibt keinen Handyempfang auf der Insel…

Informationen

Erzählstil: Figuraler Erzähler, Präteritum;
Perspektive: aus männlicher Perspektive (Paul Greenblatt)
Kapitellänge: kurz bis normal (ca. zwischen 4 und 12 Seiten)

Meine Meinung

Einstieg & Schreibstil
 
Der Einstieg gelang mir nicht ganz so leicht. Dies lag vor allem am besonderen Schreibstil des Autors, an den man sich zuerst einmal gewöhnen muss. Das gelingt aber schon nach wenigen Seiten, und sobald das der Fall ist, wird man wie durch einen Sog ins Buch hineingezogen. Der Schreibstil von Jonas Winner ist flüssig, anschaulich und stets erfolgreich, wenn es darum geht, atemlose Spannung und Emotionen beim Leser zu erzeugen.

Aufbau

Interessant ist in diesem Buch der Aufbau. Klassische Kapitel wechseln sich ab mit Interviews, die vor der Reise von einem Psychiater durchgeführt wurden, um die Teilnehmer auf ihre Tauglichkeit zu testen. Dieser Aufbau ist neu und frisch. Die klassischen Kapitel treiben die Geschichte voran und die Spannung in die Höhe, die Interviewszenen geben einen Einblick in den Kopf der Figuren und helfen sowohl dabei, diese besser einzuschätzen, als auch dabei, deren Verbindung zur Insel zu verstehen. Für alle, die am Anfang bei vielen Figuren gerne mal den Überblick verlieren, stellt der Autor auf der letzten Buchseite ein Personenverzeichnis zur Verfügung.

Protagonist & Personen

Paul Greenblatt ist ein sympathischer, aktiver Protagonist, dem ich gerne in der Geschichte gefolgt bin. Er ist ein junger Mann, den seine Vergangenheit geformt hat, und wie die meisten der anderen Figuren verbirgt auch er so manches Geheimnis. Nach und nach kommen sie allerdings alle ans Licht. Pauls Mitgefühl, seine Hilfsbereitschaft und seine Fähigkeit, kritisch zu denken und Dinge klar auszusprechen haben mir beim Lesen sehr gefallen.

Auch die anderen Personen sind (besonders, wenn man die relativ große Anzahl bedenkt) liebevoll ausgearbeitet, jede von ihnen bekommt ihre Stärken, Schwächen und ihre ganz eigene Vorgeschichte. Im Zuge der Interviews gelingt es dem Autor hier auf wenigen Seiten die Figuren zu charakterisieren und beim Leser Mitgefühl, Verständnis und hin und wieder sogar Bestürzung auszulösen.

Idee & Themen

Dieses Buch beinhaltet eine grandiose Idee, die ebenso grandios umgesetzt wurde. Die Ausgangslage erinnert ein bisschen an Isabel Abedis Buch „Isola“ – und wer mich kennt, weiß, wie sehr ich dieses Buch liebe. Der Schauplatz hat wahnsinniges Potential, das auch genutzt wird. Besonders gefällt mir an diesem Thriller, dass er bei vielen Punkten in die Tiefe geht. Besonders Pauls Gefühlswelt, aber auch die Probleme und Dramen der anderen Figuren werden anschaulich dargestellt und lassen die Personen sehr authentisch wirken.

*Achtung Spoiler!*

Es gibt nur eine Sache, die ich mehr als unglaubwürdig fand. Und zwar die Erklärung, dass Paul eingeladen wurde, um DAMIT seine Ängste zu überwinden. Diese Erklärung fand ich an den Haaren herbeigezogen und die Argumentation dahinter entzieht sich für mich jeder Logik. Wie soll eine solche „Therapie“ einer traumatisierten Person in irgendeiner Weise helfen? Ich denke eher, dass das alles noch viel schlimmer macht und sie Glück hatten, das Paul nicht ganz zusammengebrochen ist. Dass irgendein Psychiater da dahinter stehen würde, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Hier hätte ich mir eine logischere Erklärung gewünscht. Vielleicht ja beim nächsten Buch!

*Spoiler Ende*

Atmosphäre

Die verlassene Insel als Schauplatz ist ein tolles Setting. Der Autor schafft es, die einzigartige Stimmung auf Zodiac Island perfekt einzufangen. Schon das regnerische Wetter bei der Ankunft kreiert eine unheilvolle Atmosphäre. Man hat das Gefühl, den Wind im Gesicht zu spüren, die Brandung in den Ohren rauschen zu hören, dass der laue Sommerregen einen selbst durchnässt. Wenn Paul sich erschreckt, fährt einem selbst der Schreck in alle Glieder. Dadurch kam vor allem in der ersten Hälfte des Buches Gruselstimmung auf. Das ist der erste Thriller seit langem, der mich beim abendlichen Lesen im Bett ein wenig paranoid hat werden lassen. Kompliment dafür!

Spannung

Die LeserInnen werden mit atemloser Spannung verwöhnt, die immer wieder stark ansteigt. Dadurch, dass man irgendwann niemandem mehr vertraut, breitet sich schnell eine bedrohliche Stimmung aus. Außerdem bietet der Autor unerwartete Wendungen und unvorhersehbare Handlungsverläufe. Das Ende ist mehr als unerwartet und sehr gelungen.

Mein Fazit

Ein tolles Setting, eine grandiose Idee, deren Potential voll ausgeschöpft wird, gut ausgearbeitete Personen, eine sympathische Hauptfigur, eine unheimliche Grundstimmung und atemlose Spannung gekoppelt mit unerwarteten Wendungen - das alles findet man in diesem Buch. Kurz: Der vielleicht beste Thriller des Jahres.

Meine Empfehlung: Uneingeschränkte Empfehlung für Thrillerfans. Menschen, die etwas empfindlich sind, wenn es bei der Beschreibung eines Mordes sehr ins Detail geht, sollten dieses Buch mit Vorsicht genießen.

Bewertung:

Idee: 5 Sterne ♥
Ausführung: 5 Sterne
Schreibstil: 5 Sterne
Personen: 4 Sterne
Hauptperson: 5 Sterne
Spannung: 5 Sterne
Atmosphäre: 5 Sterne ♥

Insgesamt:

❀❀❀❀❀♥

Dieses Buch erhält von mir fünf Lilien und ein Herz und somit den Lieblingsbuchstatus!