Rezension

Intim und erschütternd

Der Papierpalast
von Miranda Cowley Heller

Der Papierpalast, ein Ferienhaus, ist ein wichtiger Ort im Leben von Elle. Genau hier passierten die bedeutsamen Momente ihres Lebens. Genau hier soll Elle eine schwerwiegende Entscheidung treffen.

Der Roman beginnt eigentlich fast am Ende der Geschichte. Dem Leser wird nur ein Tag aus dem Elles Leben in der Gegenwart gezeigt. Alles andere, was auf den 400 Seiten berichtet wird, ist die Vergangenheit der Protagonistin und ihrer Familie. Die Erinnerungen, die Elle nicht vergessen kann. Dabei bekommt man ein besseres Bild von Elle und die Antwort auf die Frage: Warum muss sie überhaupt eine Entscheidung treffen? Anhand von ihren lebendigen, intimen und erschütternden Erinnerungen kann man sich gut ihre Kindheit und das Erwachsenwerden vorstellen. All die Alpträume, die Elles Leben ruiniert haben.

Die Beschreibungen der Natur sind sehr wichtig in diesem Roman. Sie spiegeln die inneren Zustände der Charaktere wider, ob es hohen Wellen, Stillwater oder Sturm sind. Diese wechselhaften Landschaftsbilder symbolisieren mal das idyllische, mal das unbeständige Leben der Figuren.

Der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen, das Setting ist wunderschön und passt prima zur Geschichte. Die Figuren sind ganz unterschiedlich, einige sind zärtlich und herzlich, die anderen sind brutal und arrogant. Allein die witzigen und bissigen Dialoge zwischen Elle und ihrer Mutter sind lesenswert. Der ganze Roman war für mich lebendig und authentisch.

Das Landschaftsbild verändert sich mit den Jahreszeiten und wiederholt sich immer wieder. So wie Elle, die jeden Sommer zum Papierpalast zurückkehrt, irgendwie anders aber trotzdem mit der gleichen Geschichte. Ist es nicht so, dass man am Meer geht, um die Freiheit zu finden?

Ein starker Roman über die Vergänglichkeit des Lebens und dass es nie zu spät ist, dein Leben zu verändern.

Das Buch kann ich herzlich empfehlen