Leserunde

Leserunde zu "Darktown" (Thomas Mullen)

Darktown - Thomas Mullen

Darktown
von Thomas Mullen

Bewerbungsphase: 25.10. - 08.11.

Beginn der Leserunde: 15.11. (Ende: 06.12.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Dumont Verlags – 20 Freiexemplare von "Darktown" (Thomas Mullen) zur Verfügung.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch. 

ÜBER DAS BUCH:

»Faszinierend, düster und aufrüttelnd.« THE GUARDIAN

1948 ist Atlanta eine geteilte Stadt: auf der einen Seite die reichen, weißen Viertel. Auf der anderen Seite »Darktown«, das Viertel der schwarzen Einwohner, »beschützt« von der ersten schwarzen Polizeieinheit. Die Situation für die acht Männer dieser Einheit ist alles andere als einfach: Ihre weißen Kollegen begegnen ihnen mit tiefer Feindseligkeit, sie haben keine Erlaubnis, weiße Verdächtige zu verhaften, sie dürfen noch nicht einmal das Polizeipräsidium durch den Hauptgang betreten. 
Als eine junge schwarze Frau tot aufgefunden wird, scheint das niemanden weiter zu interessieren – bis auf Lucius Boggs und Tommy Smith, zwei schwarze Cops dieser Einheit, die sich gemeinsam auf die Suche nach der Wahrheit machen. Zwischen zwielichtigen Alkoholschmugglern, scheinheiligen Puffmüttern, korrupten Gesetzeshütern und unter permanenter rassistischer Unterdrückung riskieren Boggs und Smith ihre neuen Jobs – und ihr Leben –, um den Fall zu lösen. 
›Darktown‹ ist ein hochatmosphärisches, komplex erzähltes und mitreißendes Krimi-Epos, eine kluge literarische Erkundung der Themen Rassismus, Korruption und Gerechtigkeit.

»A brilliant blending of crime, mystery, and American history. Terrific entertainment.« Stephen King
»Dieser Roman wird Sie umhauen!« THE NEW YORK TIMES BOOK REVIEW

ÜBER DEN AUTOR:

Thomas Mullen wurde 1974 in Rhode Island geboren. Er ist der Autor mehrerer Romane, darunter ›The Last Town on Earth‹ (2006), für den er den James Fenimore Cooper Prize erhielt. ›Darktown‹ stand auf der Shortlist für den Los Angeles Times Book Prize, den Southern Book Prize und den Indies Choice Book Award, außerdem war der Roman für zwei CWA Dagger Awards nominiert. Thomas Mullen lebt mit seiner Familie in Atlanta.

08.12.2018

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Elisabeth Bulitta kommentierte am 20. November 2018 um 06:07

Der Rassismus zieht sich durch Dunlows Familie. Seine Familie ist überhaupt gut dargestellt, richtig unsympathisch. Feige ist Dunlow auch: Um den Schein zu wahren, hetzt er seine Söhne auf. Das ist ja mal ein Held.

Ich frage mich, was die "Rust Division" genau für eine Truppe ist. Auf jeden Fall sehr unheimlich und brutal.

 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Fornika kommentierte am 01. Dezember 2018 um 11:42

Ich frage mich die ganze Zeit, warum er seine Söhne vorschickt. Er hat ja nun wirklich keine Hemmungen, prügelt auf Negroes ein, etc., deswegen denke ich eigentlich nicht, dass er sich nicht "traut" der Schuldige zu sein. Ich glaube eher daran, dass er seine Söhne dazu erziehen will, zu hassen und diesen Hass auch auszuleben.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Elchi130 kommentierte am 01. Dezember 2018 um 16:41

Er hat ja in Gedanken erläutert, dass er in der heutigen Zeit seinen Job verlieren kann, wenn er dabei erwischt wird, wie er gegen den schwarzen Nachbarn vorgeht. Die guten alten Zeiten, in denen die Feuerwehrmänner und Polizisten die Häuser der Farbigen angezündet haben, sind zu seinem Leidwesen vorbei.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
marsupij kommentierte am 02. Dezember 2018 um 17:08

Er ist im Grunde seines Herzens wohl einfach ein Feigling und will seinen Job nicht riskieren.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Lelu kommentierte am 06. Dezember 2018 um 17:51

Ich denke auch eher, dass es darum geht, seine Haut zu retten, denn dass er bereit ist zu handeln, das hat er ja oft genug bewiesen. Und es wird dann - quasi als praktischer Zusatz - auch noch ein Erziehungsmittel.
Ich wäre vorsichtig mit der Aussage, dass sich der Rassismus durch Dunlows Familie zieht, denn die Jungs sind ja eindeutig nur ihrem Vater hörig, zumindest der eine...sie scheinen ja gerade nicht aus sich selbst heraus sich zu so einer Handlung entschlossen zu haben. Mir tut seine Familie eher leid, selbst Dunlow ist tragisch, alle dort sind verbittert und desillusioniert und unglücklich. Sie sind eigentlich ein Paradebeispiel, denn ihr Unglück entlädt sich im Hass auf die Farbigen.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Elisabeth Bulitta kommentierte am 21. November 2018 um 05:25

Die Szene bei Otis‘ Familie fand ich wirklich bedrückend. Alles Unglück der Welt scheint sich hier zu fokussieren: Lily tot, Otis ebenfalls und dann auch noch der Brand. An dieser Stelle habe ich mich dann auch gefragt, wie ich nur so blind sein konnte, zwischendurch habe ich’s geahnt, aber die Ahnung immer beiseitegeschoben: Lily war Prescotts Tochter.

Die Heimfahrt von Smith und Boggs sowie ihre Begegnung mit dem örtlichen Sheriff fand ich ebenfalls sehr dramatisch und bedrückend.

Auch Dunlow hat also seine Geschichte, wie sich zeigt, als er sich Rake „zur Brust nimmt“. Für mich ist seine Geschichte nicht wirklich nachvollziehbar, er hätte halt wenigstens versuchen müssen, etwas gegen die Zustände im Bordell und der Lebensweise der Farbigen zu unternehmen, statt einen „Rachefeldzug“ zu starten, aber aus seiner Sicht ist sein Hass stimmig. Als er praktisch allein dasteht, wie ein in die Ecke Getriebener, versucht er allein, mit Boggs fertigzuwerden und ihn umzubringen, was für ihn den Tod bedeutet. Dass Boggs zum Mörder wird, gefällt mit, ehrlich gesagt, nicht so gut, tut der Qualität des Buches an sich aber keinen Abbruch,

Die Prescott-Sippe ist mir nun auch richtig unsympathisch. Aber an ihr wird ja auch wirklich kein gutes Haar gelassen.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Lelu kommentierte am 06. Dezember 2018 um 17:57

Was Dunlows Geschichte betrifft: Wenn ich versuche, das Gesagte logisch nachzuvollziehen, weiß ich nicht, wo die Enttäuschung oder das Misstrauen herkommt (oder ich hab's schon wieder vergessen). Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die Ursache eigentlich sein Vater ist. Er hatte Angst vor ihm und um ihm gerecht zu werden, steigert er sich in den Hass, den sein Vater von ihm verlangt. Aber es war schon arg tragisch...ich hätte drauf verzichten können.

Wie "Kontrolle" durch die Peacedale Sheriffs fand ich tatsächlich ziemlich...unglaubwürdig. Wenn da bewaffnete Farbige vor Polizisten auftauchen, hätten diese dann nicht einfach drauflos geschossen? Bevor auch nur der erste hätte den Mund aufmachen können?
Ich mochte viel mehr, dass Boggs sich mal so richtig seiner privilegierten Herkunft bewusst wird!

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Elisabeth Bulitta kommentierte am 22. November 2018 um 05:12

Was soll ich zum Ende schreiben? Wirklich vollständig aufgeklärt wird der Fall nicht, von den Weißen hat auch niemand wirkliches Interesse daran.

Dass McInnis den Namen Underhill aus den Protokollen gestrichen hat, um seine farbigen Untergebenen zu schützen, spricht für ihn, auch wenn dahinter auch eine große Portion Eigenschutz steckt. Auch Rake läuft nicht wirklich auf die Seite  seiner farbigen Kollegen über. Wobei das vielleicht auch zu viel verlangt wäre und zutiefst menschlich ist. Die Strukturen sind festgefahren, was ebenfalls menschlich ist, in diesem Buch aber einen umso bittereren Geschmack hinterlässt.

Die Umwandlung der Müllkippe und die Reparatur der Straßenlaterne haben schon einen symbolischen Charakter: Sie sind ein Schritt auf den Weg in eine Zukunft, die allerdings bis heute noch in Arbeit ist. Und nicht nur in Bezug auf den Rassismus in  den USA, sondern allgemein auf das Leben der Menschen miteinander.

Smith und Boggs sind für Dunlows Tod bzw. der Entsorgung des Leichnams verantwortlich. Auch sie haben also Dreck am Stecken.

Insgesamt handelt es sich bei diesem Buch um ein – meiner Meinung nach – großartiges Porträt dieser Zeit.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Fornika kommentierte am 01. Dezember 2018 um 11:45

"Auch Rake läuft nicht wirklich auf die Seite  seiner farbigen Kollegen über."

Das fand ich auch ganz stimmig, das wäre sonst viel zu unrealistisch und Friede, Freude, Eierkuchen geworden.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Lelu kommentierte am 06. Dezember 2018 um 18:01

"Was soll ich zum Ende schreiben? Wirklich vollständig aufgeklärt wird der Fall nicht, von den Weißen hat auch niemand wirkliches Interesse daran."

Das ist so aber nicht richtig. Der Fall IST vollständig aufgeklärt, er werden nur zugunsten eines "hohen Tiers" die Zusammenhänge und dir Wahrheit verschleiert. Alle Beteiligten (und darüber hinaus) wissen Bescheid.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
karin1966 kommentierte am 26. November 2018 um 09:04

Ich habe jetzt auch das Buch beendet. Die Prescotts find ich auch sehr unsympathisch. Ich hatte mal kurz vermutet, dass Lily eventuell die Tochter sein könnte, es aber dann irgendwie auch nicht weiter verfolgt.

Dieser Rassismus, der sich irgendwie durch das ganze Buch durchzieht, finde ich schrecklich. Aber passend zum titel und Cover, alles ist einfach sehr erdrückend und düster.

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Naddiwise kommentierte am 26. November 2018 um 09:10

Gestern Abend habe ich den dritten Teil beendet und muss sagen, dass mir dieser Teil doch auch wieder besser gefallen hat, als die Mitte. Sehr schön fand ich, dass Dunlow und Prescott ein angemessenes Ende gefunden haben. Eine Verurteilung für Prescott wäre wahrscheinlich eh nicht zustande gekommen.

Alles in Allem war  "Darktown" ein gelungener Spannungsroman und weniger Krimi mit gewissen Längen, die man aber gut verschmerzen kann.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
marsupij kommentierte am 02. Dezember 2018 um 17:11

Ich glaube auch nicht, dass er verurteilt worden wäre, da hätte jemand anderes für büßen müssen.

Ich habe das Buch auch gar nicht als Krimi aufgefasst, ich fand die Einblicke ins System und die Zeit gut gelungen.

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Fornika kommentierte am 02. Dezember 2018 um 19:45

Als reinen Krimi hab ich das auch nicht gesehen, der Fall war ja oft eher Nebensache.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
marsupij kommentierte am 04. Dezember 2018 um 18:16

Ja, und das fand ich auch nicht schlimm. Ich fand die Einblicke in die Zeit sehr interessant.

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Lelu kommentierte am 06. Dezember 2018 um 18:03

Ich glaube nicht einmal, dass man einen anderen Sündenbock herangezogen hätte, die Zusammenhänge wären auch so vollständig vertuscht worden. Nicht einmal Rake war ja am Ende daran gelegen, den Fall aufzudecken.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Leapunch kommentierte am 27. November 2018 um 18:00

Also der letzte ABschnitt hat mir nochmal richtig gut gefallen, die Spannung ist ordentlich angezogen worden und ich hatte Schwierigkeiten das Buch aus der Hand zu legen! Die Entwicklungen der einzelnen Charaktere hätte ich so nicht erwarten und ich fand es super noch so viele Überraschungen zu erleben. Ein weiterer Pluspunkt die Palette an Emotionen, die der Autor dann auch noch eingebaut hat. 

Dunlow ist wirklich sehr aussagekräftig gestaltet, die rassistische Ader zeiht sich ja auch durch die ganze Familie, aber das ist ja meistens so, deswegen finde ich es auch gut das der Autor es aufgegriffen hat.

Ich hätte wirklich nicht gedacht,dass mir das Buch so gut gefallen würde!

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Elchi130 kommentierte am 01. Dezember 2018 um 16:53

Ich bin noch nicht durch. Im Moment bin ich gerade da, wo Rake nachts zu dem geheimen Treffpunkt geht und gefoltert wird, weil er gestehen soll, dass er Underhill getötet hat. Ermittelt da eigentlich niemand, werden die Schuldigen da nur per Folter ermittelt?

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Fornika kommentierte am 02. Dezember 2018 um 09:53

Berechtigte Frage ; )

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marsupij kommentierte am 02. Dezember 2018 um 17:10

Schon alles sehr brutal. Aber das waren ja auch keine Cops mehr. Andererseits wurde ja auch im Verhörzimmer ordentlich verprügelt.

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Elchi130 kommentierte am 02. Dezember 2018 um 16:26

So, ich bin auch durch. Üble Zeit. Die ersten farbigen Cops haben wichtige Pionierarbeit geleistet. Aber sie hatten wirklich eine undankbare Aufgabe zu erledigen und ich kann jeden verstehen, der schnell aufgegeben hat. Da brauchte man viel Idealismus, um sich das anzutun.

Das Buch hat eine spannende Geschichte erzählt, mir etwas beigebracht und mich noch einmal für das Thema Rassenhass sensibilisiert.

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Fornika kommentierte am 03. Dezember 2018 um 13:27

Ich fands ein bisschen schade, dass es kein Nachwort gab. Ich hätte gerne etwas Aufklärung gehabt, was Fiktion und was Realität war. Aber ansonsten war ich auch schwer angetan vom Buch.

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marsupij kommentierte am 04. Dezember 2018 um 18:17

Oh ja, ein Nachwort fehlte hier. Gerade bei solchen Büchern mag ich so etwas, damit ich Fiktion und historischen Kontext unterscheiden kann und noch etwas dazu lerne.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
stefanb kommentierte am 12. Dezember 2018 um 12:41

Finde ich auch schade, dass es kein Nachwort und ggfs. Quellenangaben gab. Das war bei "Black Hand" besser gemacht. Da konnte man nochmals tiefer abtauchen.

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buecherwurm1310 kommentierte am 04. Dezember 2018 um 16:05

Das Ende ist traurig, aber auch schlüssig. MCInnis hat seine Leute schützen wollen und deswegen das Protokoll umgeschrieben. Rake konnte Dunlows Vorgehen nicht akzeptieren, aber sich offen auf die Seite der schwarzen Polizisten zu stellen, das wollte er wohl auch nicht.

Dunlow ist so ein unangenehmer Typ und er gibt all das an seine Söhne weiter.

Dass Lily Prescotts Tochter war, hatte ich nicht gedacht.

Es ist ein Buch, das wirklich unter die Haut geht und das man nicht einfach mal so runterliest. Mir hat es sehr gut gefallen.

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Worttaenzerin kommentierte am 05. Dezember 2018 um 14:05

Ein sehr gelungenes skrupelloses Ende, was gut zum gesamten Roman passt. Dunlow hat bekommen was er verdient hat. Schade nur, dass seine Söhne auch schon in seine Fußstapfen treten. Auch wenn es moralisch gesehen vielleicht nicht richtig ist, was Boggs am Ende getan hat, wobei er sich auch nur selbst gerettet hat, hoffe ich sehr, dass er damit durchkommt. 
Am Ende kennen wir noch immer nicht alle Fädenzieher in der Rust Division  und irgendwie würde ich gerne noch mehr darüber erfahren. 

Die Aufklärung mit Lily, Prescott und seinem Sohn fand ich sehr überraschend und gelungen. Warum mir diese Idee zuvor nicht gekommen ist?

Insgesamt hat mir der Roman gut gefallen, auch wenn es kein leichtes Thema war und es immer wieder Wut in einen aufkeimen ließ. 

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stefanb kommentierte am 11. Dezember 2018 um 14:51

Ich muss sagen, dass ich in den ersten zwei dritteln deutlich mehr Wut empfand, als gegen Ende. Wahrscheinlich auch, weil der Kriminalfall in den Vordergrund gerückt ist.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
Lelu kommentierte am 05. Dezember 2018 um 21:29

So schnell ging's dann zu Ende. Was dem Roman bisher an Action/Handlung gefehlt hatte, hat er nun versucht zu kompensieren. Zum Schluss ist ja noch einiges passiert.
Was ich ganz persönlich aber machte, war zum einen die Tatsache, dass es eine weit weniger umfassende Verschwörung war, als ich gedacht hatte, im Gegenteil war's sogar recht simpel, fast platt, und schon wieder sooo ein Klischee, dass es mich wundert, dass ich Depp nicht vorher drauf gekommen bin. Was aber natürlich nicht heißt: dass die Lösung schlecht war. Eigentlich ist mir (wenn ich es mir recht bedenke) der Kriminalfall am Ende herzlich egal gewesen, interessanter empfand ich das drumherum. Und da es nicht der KKK war und Boggs und Rake nicht DIE Verschwörung aufgedeckt und das ganze Polizeisystem revolutioniert haben, war ich persönlich mit dem Ende ziemlich glücklich. Zumal - und das führt mich zu dem zweite Punkt - mochte ich genau das, dass zwar da dieser Fall war und sich die Dinge überschlagen haben (mit Dunlow und Prescott Jr. und dem Bündnis und und und), aber am Ende geht alles seinen Weg, alles bleibt beim Alten. Ich find's nicht gut, und ich wollte ob der Ungerechtigkeit immer noch schreien, aber ich finde es glaubhaft und damit hatte mich der Roman von Anfang an. Selbst, dass Rake am Ende nur seine Vorteile mit seinem Schweigen erkauft war stimmig (fraglich wäre ja eh: Hätte es anders kommen können? Wäre es nicht trotzdem vertuscht worden? Aber ich hab mich doch geärgert, dass er da nicht mehr Moral an den Tag gelegt und meine Hoffnung nicht bestätigt hat. Am Schlimmsten war aber noch sein Verhalten bei dem Brand!). 

Ob Boggs und Smith Dunlow einfach so hätten loswerden können und am Ende niemand so recht nach ihm sucht - ebenso fraglich, aber ich mochte die Art und Weise wie die farbige Gemeinschaft in diesem speziellen Fall noch einmal dargestellt wurde und im Härtefall zusammen hält.

Mich hat die Handlung gefesselt und ich hätte noch gut und gern 100 Seiten mehr dem Leben nachstöbern wollen.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
stefanb kommentierte am 11. Dezember 2018 um 14:48

Mir ging es auch so, dass das drumherum noch viel interessanter für mich war. Der Kriminalfall war zwar gelungen, aber die Einblicke in die vergangene Zeit waren wirklich der Hammer.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 324 bis Ende
luna81de kommentierte am 08. Dezember 2018 um 11:53

Was für ein ereignisreicher und spannender dritter Teil, inkl. Cliffhanger, als ein Kapitel mit der auf Rakes Kopf gerichteten Waffe und einem "Bang" endete. Dunlows Geschichte und Argumentation ist schon sehr an den Haaren herbei gezogen, wobei das wahrscheinlich das typische Denkmuster von Rassisten ist. Vielleicht war die einzige Möglichkeit für ihn, mit der Trauer um den Jungen fertig zu werden, diese in Hass umschlagen zu lassen. Sehr schade - er hätte soviel sinnvolleres damit anstellen können.

Die Fahrt von Smith und Boggs in die Pampa von Georgia wurde sehr gut beschrieben. Ich konnte die Angst der beiden förmlich spüren, die Atmosphäre bei den Ellsworths war sehr bedrückend und die Konfrontation mit der Polizei auf dem Heimweg - uiuiui. Das ging mir fast zu glimpflich aus. Haben die Dorfpolizisten tatsächlich geglaubt, dass ihnen Konsequenzen drohen, wenn sie Schwarze Cops erschießen?

Dann hat Dunlow es tatsächlich beinahe noch geschafft, Boggs in die Sch*** zu reiten. Als er verblutet ist, dachte ich kurz, Mist, das drehen die so, dass Boggs wegen Mordes verurteilt wird, wenn sie ihn nicht gleich an Ort und Stelle erschießen. Gut, dass er das verhindern konnte.

Der eigentliche Kriminalfall - der Mord an Lilly - wurde für mein Empfinden etwas zu unspektakulär gelöst. Diese Erkenntnis, dass sie Prescotts Tochter war und das Geständnis seines Sohns, sind einfach so verpufft. Passt aber natürlich, dass das heimlich, still und leise unter den Teppich gekehrt wurde.