Rezension

Wo das Land grün und weit, die Geheimnisse dunkel und schwer sind

Der Sucher -

Der Sucher
von Tana French

Irland – das Land der rauen Küsten, der grünen, satten Weiten und nicht zuletzt der wortkargen, dabei jedoch sehr freundlichen Menschen machen die Insel noch heute zum Traum vieler Auswanderer. Doch dieses scheinbare Paradies zeigt Risse, hat dunkle Seiten und tiefe Abgründe, die Tana French auch in ihrem neuen Kriminalroman kunstvoll offenlegt und die Leserin und den Leser damit auf eine spannungsvolle Reise fernab der bekannten Postkartenmotive mitnimmt.
All diese Bilder, Sehnsüchte und Klischees hat möglicherweise auch Cal Hooper im Kopf als er die grüne Insel als Sitz für seinen Ruhestand wählt, um so der Kriminalität, Gewalt und dem Lärm Chicagos zu entkommen. Sein Plan scheint aufzugehen, Ruhe und Einsamkeit umfangen ihn, durchbrochen nur vom Geplauder seines Nachbarn und dem abendlichen Dorfklatsch bei Bier, Musik und Kartenspiel.
Doch die dunkle Seite des Landlebens sucht sich ihren Weg zu ihm und auch, wenn Cal sich ihr zuerst verschließen will, nimmt der Kriminalbeamte in ihm doch bald ihre Spur auf und demontiert so Stück für Stück die vermeintliche Idylle. Was er zu Tage befördert, lässt nicht nur ihn erschauern, sondern gefährdet den Frieden und das Zusammenleben des gesamten Dorfes. Dass dessen Bewohnerinnen und Bewohner dem nicht untätig zusehen, versteht sich fast von selbst.
Weit und ruhig wie das Land hat Tana French auch ihren neuen Roman angelegt – nur nach und nach erhält der Schrecken Einzug in die Geschichte, wird das Grauen sichtbar unter der alles überdeckenden Schönheit der Natur, den vielen Schichten Geheimnis, Lügen, irischem Torf. Auch, wenn ich mir hin und wieder eine schnellere Gangart gewünscht hätte, fühlen sich Fortgang und Tempo für die Erzählung doch stimmig an. Und schon jetzt empfinde ich nicht nur eine Sehnsucht nach diesem wunderschönen und sehr vielschichtigen Land sondern auch nach einem weiteren Roman dieser großartigen Autorin. Hoffentlich bald!