Rezension

Die Geschichte der Kommunikationsunfähigkeit..

Die Geschichte der Bienen - Maja Lunde

Die Geschichte der Bienen
von Maja Lunde

Bewertet mit 3.5 Sternen

„Die Geschichte der Bienen“ ist der erste Erwachsenenroman der bekannten norwegischen Drehbuch- sowie Kinder- und Jugendbuchautorin Maja Lunde.

 

2017 scheint das Jahr der Bienen zu sein, zumindest was den Buchhandel betrifft. Überall begegnen einem liebevoll in Szene gesetzte Schaufenster, die Romane, Sachbücher, Kinderbücher und Bilderbücher zu dem Thema hervorheben. Nicht ohne Grund, denn das Bienensterben ist etwas, das uns alle angeht. Zudem etwas, wie ich mir selbst bewusst machen musste, dass in vielen Köpfen gar nicht als so drastisch wahrgenommen wird. Ein fataler Fehler, wie Maja Lunde in ihrem Familienroman klar aufzeigt.

 

Worum geht es?

In 3 Handlungssträngen lernen wir Ursache, Wirkung und Konsequenz des Bienensterbens kennen. Zum einen befinden wir uns in England im Jahr 1852. Dies ist Williams Geschichte, ein Biologe, der in einer Depression gefangen zu sein scheint und so stark blockiert ist, dass er seiner Leidenschaft, seiner Berufung, nicht mehr nachkommen kann.

Dann gibt es einen aktuellen Handlungsstrang, der von George erzählt. Einem Imker, der unmittelbar vom Bienensterben betroffen ist.

Außerdem ist da Tao, deren Handlungsstrang im zukünftigen China spielt. Die Menschen sind gezwungen, die Arbeit der Bienen zu übernehmen, Blüten per Hand zu bestäuben. Tao und ihre Familie fristen ein trostloses Dasein, bis ein Unfall alles verändert. Ein Unfall, der das Leben ihres geliebten Sohnes Wei-Wen aufs Spiel setzt.

 

Maja Lunde hat einen ziemlich flüssig lesbaren Schreibstil, weder zu nüchtern, noch zu sachlich, aber auch nicht zu blumig (schade für die Bienen). Obwohl ich einige Kritikpunkte an dem Buch üben muss, kann man der Autorin keinen stockenden Schreibstil vorwerfen.

Was mich jedoch ziemlich störte und meinen Lesefluss beeinträchtigte, waren die kurzen Kapitel, die von einer Perspektive in die nächste springen. So war es schwer möglich, einen Handlungsstrang zu vertiefen, da man nach wenigen Seiten direkt wieder rausgerissen wird (die Verbindung der einzelnen Stränge wird erst zum Schluss klar, obwohl die Geschichte doch relativ vorhersehbar war …). Daran zeigt sich womöglich, dass die Autorin bisher eher Drehbücher und Kinderliteratur schrieb, für welche kurze Kapitel gewinnbringend sind.

 

Die Charaktere erschienen mir allesamt plastisch (obwohl ich sehr lange brauchte, um zwischen dem historischen und dem aktuellen Strang zu unterscheiden, da sich beide Protagonisten ziemlich ähneln). Obwohl ich im Fazit sagen muss, dass das männliche Geschlecht in der Geschichte nicht gerade brilliert, fand ich die Charaktere eindringlich beschrieben. So eindringlich, dass sie mich teilweise aber eben auch wütend machten und mich anekelten. Aber auf einer durchaus authentischen Ebene.

 

Im Großen und Ganzen ist „die Geschichte der Bienen“ aber die Geschichte von drei Familien, die sich aufgrund ihrer eigenen Kommunikationsunfähigkeit und ihrer eigenen Starrköpfigkeit das Leben unnötig schwermachen. Der biologische Aspekt kam meiner Meinung nach viel zu kurz. Dennoch gelang es der Autorin, mich für das Thema zu sensibilisieren und mein Interesse zu wecken.

 

Alles in allem hat mich das Buch zwiegespalten zurückgelassen. Einerseits hat die Geschichte durchaus fesselnde Momente, ist die meiste Zeit über glaubwürdig und hat mir die Thematik des Bienensterbens nähergebracht, andererseits habe ich mir gerade in der Hinsicht mehr gewünscht. Außerdem war ich sehr unglücklich mit der Kapitelaufteilung und den sich ähnelnden männlichen Charakteren, die mich persönlich auch bis zur Mitte hin überhaupt nicht ansprachen. Bei einem Buch mit über 500 Seiten kann es dann ganz schön anstrengend werden, wenn 2/3 der Handlungen einen kaum interessieren und zudem recht vorhersehbar sind.

Kommentare

naibenak kommentierte am 16. Mai 2017 um 10:54

Eine sehr schöne Rezi, milkshake!

Aber echt schade, dass dich das Buch nicht so mitnehmen konnte. Mich zum Beispiel haben die Familiengeschichten enorm gefesselt - jede einzelne. Und für mich gab es zu keinem Zeitpunkt eine Verwechslungsgefahr, da ich die Herren George und William überhaupt nicht zum Verwechseln ähnlich finde... aber sei's drum ;)  So unterschiedlich ist es nunmal immer wieder mit dem Lesegeschmack und dem Leseerlebnis ;)

katzenminze kommentierte am 05. Juni 2017 um 18:16

Ich bin da ganz bei dir. Mir ging es ganz ähnlich mit dem Buch. Und mit der Rezi dazu habe ich mich jetzt auch eine ganze Zeit lang rumgequält... XD Hätte ich gleich deine nehmen können. ;)