Rezension

Sehr lesenswert

Tell
von Joachim B. Schmidt

Bewertet mit 5 Sternen

Der Bauer Wilhelm Tell wohnt mit seiner Familie in den Bergen in einer Hütte. Als er mit seinem Sohn auf der Jagt ist, treffen sie auf einen Adligen und dessen streitkräftigen Höllenfürst. Diese kurze Begegnung hat weitreichende Folgen, die dazu führen, dass das ruhige Bergleben der Familie Tell seinen Frieden verliert.

Als Nationalheld der Schweiz gefeiert, ist Wilhelm Teil vor allem ein Querkopf im Widerstand, was die Geschichte erst ins Rollen bringt. Eigenbrötlerisch, angsteinflößend und wortkarg nach außen, offenbart er seine Gedanken nur selten. Dadurch entsteht ein ganz eigenwilliges Bild dieses Antihelden, der hauptsächlich in der Wahrnehmung anderer dargestellt wird, und lediglich in drei Kapiteln sein Inneres preisgibt, was ihn schließlich menschlicher werden lässt. Neben der Gewalt, dem Tod und dem harten Überleben im 14. Jahrhundert geht es um sexuellen Missbrauch und den Zusammenhalt der Familie. Der Aufbau ist schnell, baut an Spannung auf und macht süchtig. Dazu trägt die originelle Idee bei, die Story in hundert Sequenzen zu erzählen. Kurze Kapitel mit wechselnden Ich-Perspektiven, die einen umfassenden Einblick und Umblick gewährleisten. Die Protagonisten sind eindrücklich und mir gefiel die authentisch wirkende Sprache und Denkweise für diese Zeit. 

Der Schreibstil von Joachim B. Schmidt ist zum niederknien. Schon der Roman „Kalmann“ war ein Highlight und wenn es um eisige Kälte und Bären geht, fühlt man sich bei Schmidt gut aufgehoben. 

Fazit: 

Eine grandiose Adaption eines berühmten Stoffs - modern erzählt, als gelungene Mischung aus spannender Unterhaltung, literarischer Kulturreise und Tiefsinn, die mich rundum begeistert hat. Unbedingt lesen!