Leserunde

Leserunde zu "Wir sehen uns unter den Linden" (Charlotte Roth)

Wir sehen uns unter den Linden - Charlotte Roth

Wir sehen uns unter den Linden
von Charlotte Roth

Bewerbungsphase: 25.04. - 09.05.

Beginn der Leserunde: 16.05. (Ende: 06.06.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Droemer Knaur Verlags – 20 Freiexemplare von "Wir sehen uns unter den Linden" (Charlotte Roth) zur Verfügung.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch. 

ÜBER DAS BUCH:

Ein aufwühlender Roman über den Mauerbau, das Leben in der jungen DDR und über zerrissene Familien und Freundschaften von der Bestseller-Autorin Charlotte Roth

Berlin nach dem 2. Weltkrieg.
Von ihrem geliebten Vater Volker, einem Lehrer, hat Susanne gelernt, an den Sozialismus zu glauben. Ohne je das Vertrauen in die Menschheit zu verlieren, hat er gegen das Naziregime gekämpft – und wurde vor den Augen seiner sechzehnjährigen Tochter kurz vor Kriegsende erschossen. Nie hat Susanne dieses Erlebnis vergessen, das sie für ihr Leben geprägt hat.. Um das Vermächtnis des Vaters zu erfüllen, widmet sich Susanne von ganzem Herzen dem Aufbau eines besseren Deutschland. 

Erst als sie den lebenslustigen Koch Kelmi kennen- und liebenlernt, beginnt sie allmählich zu begreifen, was um sie herum passiert. Zu tief jedoch ist der Glaube an den Sozialismus im Osten Deutschlands in ihr verwurzelt, zu stark das Band, das sie mit dem toten Vater verbindet.
Dann kommt der 13. August, und plötzlich verstellt die Mauer Susanne jegliche Möglichkeit einer Alternative …
»Eine berührende Liebesgeschichte und eine erschütternde Familientragödie, spannend geschrieben.« Mechtild Borrmann, Autorin des SPIEGEL-Bestsellers Trümmerkind

ÜBER DIE AUTORIN:

Charlotte Roth, Jahrgang 1965, ist gebürtige Berlinerin, Literaturwissenschaftlerin und seit zehn Jahren freiberuflich als Autorin tätig. Charlotte Roth hat Globetrotter-Blut und zieht mit Mann und Kindern durch Europa. Sie lebt heute in London, liebt aber Berlin über alles.
Ihr Debüt, „Als wir unsterblich waren“, war ein Bestseller, dem seitdem zahlreiche weitere Romane über Frauenschicksale vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte folgten.

08.06.2019

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
florinda kommentierte am 19. Mai 2019 um 09:33

Ich vermochte dieses Buch kaum zu unterbrechen und bin deshalb bereits mit der Lektüre fertig. Selbstverständlich diskutiere ich hier weiterhin mit, möchte aber meine Eindrück möglichst früh schriftlich festhalten.

Der letzte Leseabschnitt hatte es erneut "in sich". Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich den "Schlenker", dass Hillchen in Wahrheit die Flugblätter verfasste/verteilte, wirklich nötig hatte. Aber die Autorin wird sich schon etwas dabei gedacht haben, und sei es auch nur, aufzuzeigen, dass es neben den großen Täuschungen ("Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen!") auch viele Täuschungen/Selbsttäuschungen (Lischkas oder Ilos Familie als Denunzianten) im persönlichen Bereich gegeben hat und gibt.

Auch Hillchens "Rettung" der kleinen Birgit könnte man auf lange Sicht eigentlich als im höchsten Maße übergriffig ansehen. Mit welchem Recht glaubt sie, entscheiden zu können, dass es für das Kind im Westen wirklich besser ist? Und dies auch noch ohne Mutter!? Ich erhielt also erheblichen Stoff zum Nachdenken! Auch etwas, was ich an guten Büchern schätze. Bis zur Erstellung einer Rezension werde ich das Ganze also noch etwas "sacken lassen", bin mir jedoch heute bereits ziemlich sicher, dass dieses Buch sich mit "Als wir unsterblich waren" (das Frankreichbuch kenne ich noch nicht) Platz 1 bei mir teilt! (Und mich langsam den "Ramadamaarmanamarna"-Wirrwarr überwinden lässt*g*)

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
cybergirl kommentierte am 25. Mai 2019 um 13:35

Den Hinweis, dass Hiltrud die Flugblätter verfasst hat fand ich auch unnötig. Vorher hatte nichts darauf hingewisen. 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
florinda kommentierte am 25. Mai 2019 um 13:58

Schade, dass auf die im Bewerbungsthread gestellte (oder durch Korrektur dorthin gerutschte) Anfrage der Autorin, ob sie mitmachen dürfe, vom Team her keine Zustimmung erfolgte. Frau Lyne/Roth hätte dazu gewiss etwas zu sagen gehabt...

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
nikolausi kommentierte am 25. Mai 2019 um 15:52

Ich glaube nicht, dass Hille vorhatte, Birgit im Westen ohne Mutter sein zu lassen. Ihr Plan ging wohl dahin, Birgit als Druckmittel in den Westen zu bringen, damit Sanne möglichst bald nachkommt.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
florinda kommentierte am 25. Mai 2019 um 21:03

Das denke ich auch. Aber das konnte sie nur hoffen, nicht wissen. Sie hat also billigend in Kauf genommen, Mutter und Kind zu trennen. Ich verurteile sie ja auch gar nicht. Mich beschäftigt das nur...

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
lenisvea kommentierte am 25. Mai 2019 um 08:59

So, ich konnte gestern auch nicht mehr aufhören und habe das Buch auch bereits beendet. 

Das Ende hat mich ja schon ein wenig zerstört. Da kann man ja nur hoffen, dass Sanne noch rechtzeitig die Flucht ergriffen hat, auch wenn ich nicht wirklich daran glaube. 

Dass Volkers Schwester die Flugblätter damals verfasst und verteilt hat, hatte ich nicht mit gerechnet. 

Sie tat mir insgesamt total leid. Sie hatte ja wirklich kein schönes Leben. Erst kümmert sie sich aufopferungsvoll um ihre kranke Schwester und später um ihre Schwägerin. 

Ich fand es auch schlimm, wie ihr einfach die Schwester entrissen wurde und sie sie ja nie wieder gesehen hat. 

 

Insgesamt war dies ja mein erstes Buch der Autorin, obwohl ich ihre anderen Bücher fast alle auf dem SuB habe. 

Ich muss sagen, mir ist der Einstieg echt schwer gefallen. Nur gut, dass ich dran geblieben bin, denn die Geschichte an sich wurde ja richtig interessant.

Wenn ich jetzt den Titel durchlese, ist die Geschichte sofort wieder präsent. 

Erwähnen muss ich dabei, dass ich zwar schon Anfang 40 bin, aber mit Ost und West nie wirklich konfrontiert war. Wir haben immer im Westen gelebt und habe auch keine Verwandten im Osten gehabt. Ich kannte es daher nur aus den Nachrichten. 

Daher ist die Lektüre für mich auch ein wenig Geschichtsunterricht gewesen, habe also noch dazu gelernt. 

Ich hatte letztes Jahr ein Highlight, das auch das Thema DDR betraf. Das war Kranichland von Anja Baumheier. 

Von mir gibt es hier 5 Sterne. Die Rezension folgt in den nächsten Tagen. 

LG

Sandra 

 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
cybergirl kommentierte am 25. Mai 2019 um 13:36

Kranichland habe ich auch gelesen, sehr zu empfehlen.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
cybergirl kommentierte am 25. Mai 2019 um 13:34

Auch der 3. Abschnitt hat sich gut gelesen, lässt mich aber mit gemischten Gefühlen zurück.
Es freut mich, dass Kelmi es geschafft hat ein Restaurant zu eröffnen. Es ist zwar nicht das alte Kranzler geworden aber im Ostteil hätte es sowieso nicht lange Bestand gehabt. Kelmi hätte sich dann entscheiden müssen in Ostberlin zu leben und damit Bürger der DDR zu werden. Aber das wusste bis dato ja noch niemand.
Er und Susu kommen wieder zusammen. Ich finde es nett wie er versucht Susu bei einer Klage gegen die Zeitschrift zu unterstützen.
Susu kommt mir etwas starrköpfig vor, sie lässt nur ihre Meinung gelten.
Westdeutschland ist schlecht. Was über die DDR schlechtes gesagt wird ist Propaganda vom Westen.
Es fragt sich anscheint keiner warum so viele Menschen weglaufen.
Grundsätzlich finde ich es gut wenn man sich seinem Land so verbunden fühlt und mithelfen will es neu aufzubauen.
Vielleicht hätte man aber manches Hinterfragen sollen, dann hätte es vielleicht besser geklappt.
Ich glaube mal es war für beide nicht ungefährlich, dass sie sich immer wieder getroffen haben und das Susu dann ein Kind von Kelmi bekam. Wie hatte sie die Schwangerschaft bis zur Geburt verbergen können?

Ich finde es so traurig was aus Ilo geworden ist. Auch was mit Schnuffeken passiert ist finde ich furchtbar. Dabei glaube ich nicht an eine Lungenentzündung. Ich habe das Buch „Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg gelesen. In einem Handlungsstrang ging es da um Euthanasiemorde in der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg. Daran hat mich der Krankenhausaufenthalt von Schnuffeken sehr erinnert.
Dass jetzt rauskam, dass Hiltrud die Flugblätter verfasst hat wundert mich ein bisschen. Sie hat ja immer erklärt, dass sie von Politik keine Ahnung hat. Ob das von Anfang an geplant war?

Jetzt zum Ende, ich fühle mich etwas im Regen stehen gelassen.
Hiltrud hat die kleine Birgit in den Westen gebracht, in der Nacht wurde die Grenze gesichert so, dass kein Ostbürger mehr in den Western kann.
Gut, sie hat Susu einen Brief hinterlassen und die hätte tagsüber noch nachkommen können was Hiltrud sicher bezwecken wollte.
Aber ich denke die wusste nicht dass die Grenze geschlossen wird oder wollte es nicht glauben.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Kelmi seine Tochter einfach im Westen behält, noch kann ich mir vorstellen, dass Susu nicht alles unternimmt ihre Tochter wiederzubekommen.
Auch zwischen Ost und West wird man eine Kindesentführung nicht einfach ignorieren.
Dieses offene Ende ist für mich sehr unbefriedigend.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
florinda kommentierte am 25. Mai 2019 um 14:06

"Wie hatte sie die Schwangerschaft bis zur Geburt verbergen können?"

Das ist gar nicht sooo selten, wie man auf Anhieb glauben nöchte! Es kommt sogar vor, dass unerfahrene Frauen überhaupt nicht bemerken, dass sie schwanger sind (manche glauben, beim 1. Mal könne nix passieren, andere bekommen weiterhin ihre Regel usw.). 

 

"Dabei glaube ich nicht an eine Lungenentzündung." 

Ich auch nicht. So etwas kam auch in der Kurz-TV-Serie "Die Charité" andeutungsweise vor und in Gerald Greens "Holocaust" ebenfalls.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
florinda kommentierte am 25. Mai 2019 um 14:08

"glauben nöchte" = "glauben möchte"
;-)
 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
florinda kommentierte am 25. Mai 2019 um 14:11

Danke euch für die Erwähnung von "Kranichland" und "Die Vergessenen"! Werde sie in mein Wunschregal übernehmen:-)

 

Meine Rezension folgt auch zeitnah.

Habt ein erholsames Wochenende!

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
cybergirl kommentierte am 26. Mai 2019 um 12:03

Beide Bücher sind sehr zu empfehlen.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 353 bis Ende
nikolausi kommentierte am 25. Mai 2019 um 15:59

Ein paar Überraschungen hatte der letzte Leseabschnitt parat, insbesondere dass Hille die Ermordung ihres Bruders indirekt durch das Schreiben von Flugblättern verursacht hat. Es gab auch so manche traurige Ereignisse - Ilos Tod aufgrund ihrer "Fresssucht", Schnuffekens Tod in der Anstalt (bestimmt war sie schon zeitnah mit ihrer Aufnahme getötet worden und galt der Briefverkehr mit Hille nur als Alibi). Wenig Verständnis kann ich für Kelmi und Sanne aufbringen, aus denen aufgrund ihres unterschiedlichen politischen Verständnisses keine Paar wird. Sanne erscheint mir sehr verbohrt. Aber vielleicht fehlt mir da als Westdeutscher ohne jeglichen Bezug zur früheren DDR das nötige Verständnis. Alles in allem fand ich die geschichtlichen Hintergründe sehr informativ.