Leserunde

Leserunde zu "Die Schweigende" (Ellen Sandberg)

Die Schweigende - Ellen Sandberg

Die Schweigende
von Ellen Sandberg

Bewerbungsphase: 22.10. - 05.11.
Beginn der Leserunde: 12.11. (Ende: 03.12.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Penguin Verlags  – 20 Freiexemplare von "Die Schweigende" (Ellen Sandberg) zur Verfügung. Eine Leseprobe zum Buch findet ihr hier

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch. Darüber hinaus erhaltet ihr zum Abschluss der Leserunde einen Link zu einem Online-Formular, das in Kurzform weiteres Feedback zum Roman abfragt. Für die Teilnahme daran, mit der ihr euch durch eure Bewerbung einverstanden erklärt, erhaltet ihr 1.000 Community-Punkte gutgeschrieben.

Manche Erinnerungen hinterlassen tiefe Narben auf der Seele ...

München, 2019. Im Garten der Familie Remy verdorren langsam die Rosenbüsche, die zur Geburt der drei Töchter gepflanzt wurden. Imke, Angelika und Anne sind längst erwachsen und gehen ihrer Wege – bis zu dem Tag, an dem ihr Vater beigesetzt wird. Denn auf dem Sterbebett nimmt er Imke ein Versprechen ab, das schnell eine zerstörerische Kraft entfaltet – und das sie alles hinterfragen lässt, was sie über ihre Mutter zu wissen glaubt. 

1956. Im Nachkriegsdeutschland wächst eine neue Generation heran. Die lebenslustige Karin spart für ihre erste Jeans, träumt von Elvis Presley und davon, später Ärztin zu werden. Sie ahnt nicht, dass die Schatten der Vergangenheit lang und mächtig sind – und welch verheerenden Folgen eine spontane Entscheidung haben wird. Nicht nur für sie. 

Nach dem großen Erfolg von »Das Erbe« der neue Roman der Bestsellerautorin Ellen Sandberg.

Ellen Sandberg ist eine erfolgreiche Münchner Autorin. Ihre groß angelegten Spannungs- und Familienromane stehen regelmäßig in den Top Ten der SPIEGEL-Bestsellerliste. Sie arbeitete zunächst in der Werbebranche, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Mit ihren Romanen »Die Vergessenen«, »Der Verrat« und »Das Erbe« bewegte und begeisterte sie ihre Leserinnen und Leser. Unter ihrem bürgerlichen Namen Inge Löhnig veröffentlicht sie eine erfolgreiche Krimireihe.

03.12.2020

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 348 bis Ende

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 348 bis Ende
readingpenguin kommentierte am 15. November 2020 um 14:22

Ich muss gestehen, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und bis spät in die Nacht gelesen habe. Gott sei Dank ist heute Sonntag. 

Die Geschichte um Karin und Pelle bekommt immer mehr Struktur. Karin macht sich meiner Meinung nach wahnsinnige Vorwürfe, dass sie ihren Bruder Pelle mit in die ganze Geschichte rein gezogen hat. Diese Schuldgefühle und die ständigen Erniedrigungen der Nonnen/Heimmitarbeiter (exklusive Gertraud) brechen die jugendliche Karin und haben sie zu der Frau werden lassen, die sie heute ist. Im Buch wird eine Stelle beschrieben "Es gab nur eine Möglichkeit zu überleben. Sie musste sich anpassen und unterordnen. Sie musste sich selbst leugnen und eine andere werden."  die für mich den Wendepunkt im grundsätzlichen Verhalten von Karin eingeleutet hat. Es gab zwar danach noch einige Passagen, wo man den "Widerwillen von früher" gespührt hat. Aber die Kämpfernatur Karin (die alte Karin) gab es danach nicht mehr. 

Wie sehr ein Mensch doch Leid verdrängen kann...ihren geliebten Pelle dort im Keller zu finden, muss sie so sehr in ihrem Inneren verletzt haben, dass sie sich an den Gedanken der Flucht geklammert hat. Karin hat die grausame Wahrheit verdrängt, wahrscheinlich hat die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Pelle ihr beim Durchhalten geholfen. 

Auch im letzten Abschnitt hatte ich das Gefühl, dass Imke und zum Schluss auch Geli ihre Mutter immer mehr verstanden haben, vielleicht sogar begonnen haben ihr zu verzeihen? Die Worte des Trauerredners lassen hoffen "Im Verzeihen liegen Stärke und Erlösung."

 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 348 bis Ende
nikolausi kommentierte am 18. November 2020 um 17:35

Ja, ich glaube auch, dass Imke und Geli nun ihre Mutter verstehen. Das war ja genau die Intention ihres Vaters, als er Imke bat, nach Peter zu suchen.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 348 bis Ende
Rebecca1120 kommentierte am 19. November 2020 um 12:24

Ja, die Zeit im Heim hat Karin als Mensch gebrochen. Traurig, dass so etwas gerade unter der Obhut von Nonnen geschehen konnte. Aber es wurde dadurch nicht nur Karins Leben zerstört, sondern auch das ihrer Familie. Da sie keine Liebe zeigen konnte und die Vergangenheit verdrängt hat, war auch ihre Beziehung zu ihren Kindern nicht herzlich. Bewundernswert finde ich ihren Mann Jens. Dass er ihre Unfähigkeit Liebe zu zeigen und auf Menschen zuzugehen, so lange ertragen hat, das finde ich schon bewundernswert. 

Mit Anne habe ich so meine Probleme. Ist sie nun auch durch die Herzlosigkeit ihrer Mutter so selbstbezogen geworden? Ich denke schon.

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silesia kommentierte am 20. November 2020 um 11:44

hm, Karin alleine die Schuld an Annes Verhalten zu geben, finde ich ein wenig zu kurz gegriffen, Imke und Geli sind doch anders... Vielleicht ist vielmehr der Umstand, dass Anne die Jüngste ist und von Anfang an mehr als die anderen erhalten hat, wegweisend zu so einem Verhalten. Auf jeden Fall fand ich alle Charaktere gut ausgearbeitet und schlüssig.

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gaby2707 kommentierte am 21. November 2020 um 11:18

Jens habe ich auch für seine Ausdauer und seine Liebe bewundert. Er muss Karin sehr geliebt haben. Und für die drei Mädels war er der Fels in der Brandung. Ich denke, er hat gewusst, dass Imke nicht aufgeben würde das Rätsel um Peter zu lüften.

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solveig kommentierte am 21. November 2020 um 11:15

"Im Verzeihen liegen Stärke und Erlösung."

Diese Worte habe ich mehr auf das bezogen, was im Erziehungsheim geschehen ist. Und das  -  bei aller Liebe  - könnte ich niemals verzeihen. Obe Karin das jemals kann? Da habe ich meine Zweifel.

Imke und Geli tragen ihrer Mutter nun, denke ich, nichts nach, da sie sie nun wesentlich besser verstehen. Und vielleicht wird auch Anne später über ihren Schatten springen, wenn ihre aktuellen Probleme etwas verblassen und sie einmal in sich geht.

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kelo24 kommentierte am 16. November 2020 um 17:10

Ich habe auch gleich im Anschluss an den 2. Abschnitt weitergelesen, weil ich viel zu gespannt war, wie es weiter geht mit den vielen familiären Baustellen. Das Ende hat mich doch einigermaßen fassungslos und erschüttert zurück gelassen. Was da unter dem Deckmantel von "Barmherzigkeit" geschehen ist ist mit Worten nicht zu erklären. Kinderseelen sind gebrochen worden, um  ordentliche Mitglieder der Gesellschaft zu "erziehen", Missbrauch und Misshandlungen waren an der Tagesordnung und sowohl Nonnen als auch Zivilisten hatten irgendwie Dreck am Stecken. Dass Karin diese Zeit aus ihrem Gedächtnis verdrängt hat kann ich nur zu gut verstehen, obwohl es für sie  und ihre Familie auch schreckliche Folgen gehabt hat.

 

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readingpenguin kommentierte am 17. November 2020 um 09:21

@kelo24: ich war auch einfach zu gespannt, wie es weiter geht, dass ich das Buch nicht mehr zur Seite legen konnte. Ich hatte auch gar kein Gefühl dafür, wie lange ich gelesen habe. Irgendwann war ich dann auf der letzten Seite...

Es ist wirklich unfassbar, das dies vor noch gar nicht so langer Zeit geschehen ist. Und das macht schon wirklich nachdenklich. 

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gaby2707 kommentierte am 21. November 2020 um 11:23

Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie Nonnen, die Barmherzigkeit predigen, solche erniedrigende Maßnahmen und körperliche Züchtigungen tun konnten. Waren sie wirklich überzeugt von ihrem Tun? Das ist alles so furchtbar und will nicht in meinen Kopf.

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nikolausi kommentierte am 18. November 2020 um 17:33

Ein versöhnliches Ende. Karin ist nach Jahrzehnten doch noch einigermaßen mit sich ins Reine gekommen. Und das hat sie Jens zu verdanken, der richtig damit lag, dass Imke auf der Suche nach Peter ihre Mutter verstehen lernen würde.

Die Machenschaften im Heim erschüttern mich einfach nur. Ob es eine solche Häufung tatsächlich in den 1950er/1960er in deutschen Kinderheimen gegeben hat? Sexueller Missbrauch hat ja wirklich in kirchlichen Heimen stattgefunden. Interessant war zu lesen, wie die Autorin zu diesem Roman gekommen ist. Das Buch "Nickel Boys" habe ich auch gelesen und habe es auch als grausam empfunden.

Das Einzige, was mir nicht gefallen hat, ist alles rund um Anne. Auf die Treuetesterin hätte gut und gerne verzichtet werden können. Es wirkt so unrealistisch, während alle anderen Romanfiguren eher bodenständig sind.

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readingpenguin kommentierte am 19. November 2020 um 07:53

Jetzt im Nachhinein hatte ich den Gedanken, dass Imke vielleicht sogar zweifach von Jens' Aufgabe "profitiert" (blödes Wort - mir ist gerade kein anderes eingefallen) haben könnten. Zum einen hat sie ihre Mutter nun besser verstanden und zum anderen war sie beschäftigt Peter zu suchen und hat nicht jede Minuten mit Trauern um ihren Vater verbracht. 

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Rebecca1120 kommentierte am 19. November 2020 um 12:18

Ja, das kann man durchaus so sehen.

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silesia kommentierte am 20. November 2020 um 11:46

stimmt, das ist auch ein guter Gedanke!

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gaby2707 kommentierte am 21. November 2020 um 11:25

Das Buch "Nickel Boys" habe ich auch gelesen und habe es auch als grausam empfunden.

Das werde ich auf alle Fälle noch nachholen.

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dru07 kommentierte am 19. November 2020 um 11:33

bin noch NICHT fertig - aber mir platzt gerade die hutschnur

anne einfach unfassbar. packt die sachen von alex zusammen und schmeisst ihn raus, sagt ihm es ist aus und dann jammert sie, ER hätte sie verlassen.

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silesia kommentierte am 20. November 2020 um 11:47

Ja, an der Stelle habe ich auch gedacht, die ist im falschen Film! Aber andererseits ist dieses Verhalten nur schlüssig zu allem, was wir vorher von Anne gelesen haben, es sind halt immer die Anderen schuld...

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gaby2707 kommentierte am 21. November 2020 um 11:28

Genau wie Pipi Langstrumpf macht sich Anne, wie sie ihre Welt brauchen kann. Ohne Rücksicht auf Andere, ohne den kleinsten Funken von Selbsterkenntnis. 

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dru07 kommentierte am 19. November 2020 um 17:32

wieder kurzer zwischenkommentar

 

YES, Gina Angelucci - find ich mega klasse.

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nikolausi kommentierte am 19. November 2020 um 18:13

Ich bin kein Krimi-Leser. Muss man Gina Angelucci aus Inge Löhnigs Krimis kennen?

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dru07 kommentierte am 19. November 2020 um 21:18

ja sie spielt bei kommissar dühnfort eine rolle und hat auch ein paar eigenen fälle schon bekommen

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gaby2707 kommentierte am 21. November 2020 um 11:30

Ja, hier auf Gina zu treffen, fand ich auch richtig klasse.

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dru07 kommentierte am 19. November 2020 um 21:22

jetzt bin ich auch fertig - schneller als gedacht. aber hat sich ja auch einfach viel zu gut lesen gelassen.

was für ein schluss. pelle tut mir leid und karin hats verdrängt. irgendwie hatte ich schon das gefühl, dass er nicht mehr lebt.

anne. alex hat sie also doch betrogen - was aber auch nicht ganz fair von geli. irgendwie hätte es mich schon noch interessiert ob anne irgendwann einmal wieder normal geworden wäre / ist.

geli und imke verstehen jetzt ihr mutter besser.

schwester agnes war doch nicht so nett wie gedacht und die köchin gertraud, hat zwar den mädls etwas geholfen aber auch nicht alles eingesehen was damals schief gelaufen ist.

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readingpenguin kommentierte am 20. November 2020 um 07:50

@dru07: ich habe Getraud gegenüber auch gemischte Gefühle. Auch jetzt zum Schluß hätte sie noch mit den Unterlagen helfen können, aber sie hat es nicht gemacht :-(

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gaby2707 kommentierte am 21. November 2020 um 11:32

schwester agnes war doch nicht so nett wie gedacht

In ihr habe ich mich auch mächtig getäuscht. Dieses Hintenrum finde ich ja fast noch schlimmer, als das Wiesel.

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hapedah kommentierte am 20. November 2020 um 08:10

Was für ein bewegendes Ende! In diesem Abschnitt konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, Pelles Schicksal hat mich erschüttert - Karins ebenfalls. Wenn ich als Leser so traurig über das Leben einer fiktiven Figur bin, dann hat die Autorin alles richtig gemacht, dieses Buch ist definitiv mein Jahreshighlight 2020. 

Dass Ellen Sandberg offen gelassen hat, wie es mit Anne und Alex weiter geht und auch ob Geli und Niklas zueinander finden, finde ich klug gelöst, so kann jeder seine Fantasie in die gewünschte Richtung laufen lassen. Für Geli habe ich auf ein gutes Ende gehofft, Niklas ist auf jeden Fall offen für ein klärendes Gespräch. Obwohl sie Anne und Alex übel mitgespielt hat, für Anne hatte ich mir ja einen Dämpfer gewünscht, aber auf diese Art war es auch fies. 

Dass Imke und Geli am Ende ihre Mutter unterstützen, hat mir gut gefallen, zumindestens diese drei Frauen haben sich enger zusammen gefunden und Karin setzt sich zum erstem mal wirklich  mit ihrer Vergangenheit auseinander. Dass es diese Grausamkeit in den Heimen tatsächlich gegeben hat, ist unfassbar. 

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gaby2707 kommentierte am 21. November 2020 um 11:35

Dass es diese Grausamkeit in den Heimen tatsächlich gegeben hat, ist unfassbar. 

Dass es wirklich so wahr, macht die Geschichte für mich noch viel grausamer und schockierender. Auch beim Lesen musste ich immer daran denken, dass es zwar fiktive Figuren sind. Dass die Handlung aber real war. Einfach so schrecklich.

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siko71 kommentierte am 20. November 2020 um 15:29

Eine Geschichte, die einen fesselt. Imke kommt langsam hinter alles und bei Karin kommen die Erinnerungen zurück. Sie hat alles Schreckliche verdrängt und einen lieben netten Menschen gesucht. Dieser Mensch, Schwester Agnes, hat sich aber auch als falsch entpuppt. Aber Karin war verwundbar und einsam und ein Kind und hat das nicht gesehen.

Anne ist schon ein ganz schones Miststück. Sie geht echt über Leichen. Naja, wenn es um viel Geld geht, zeigen die Menschen ihren wahren Charakter. Gut... Geli hat vielleicht auch übertrieben. Aber wenn Alex verzeihen kann, warum dann nicht die eigene Schwester?

Rezi folgt.

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anna1965 kommentierte am 20. November 2020 um 18:56

Ich habe zum zweiten Teil gar nichts geschrieben,  weil ich einfach durchgelesen habe. Die Schilderungen der Greueltaten haben mich total berührt. Das Schlimme ist, das es damals gängige Praxis in Heimen war.

Das Karin dann zum Schluss noch mit ihrem Schicksal abschließen konnte, hat mir an dem Buch gut gefallen.

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gaby2707 kommentierte am 21. November 2020 um 11:15

Was für ein emotionaler Abschnitt und leider auch das Ende dieses fantastischen und sehr berührenden Buches.

Edith hat sich aus dem Fenster gestützt. Sie war ja auch nicht die Einzige, die den Grausamkeiten im Heim nicht standgehalten hat.

Als ich hier von der Kerze im Einmachglas gelesen habe, musste ich sofort an das denken, was Imke und Moritz bei ihrem Erkundungsgang im verfallenen Heim in dem einen Raum gesehen haben.

Die alten Akten tauchen bei Gertrauds verstorbenem Bruder auf und bringen so Einiges ins Rollen.

Ich habe mich gefragt, warum Karin keine Himbeeren mehr riechen kann. Hier habe ich nun die Antwort bekommen. Sie haben sie an den Sonntag Nachmittag erinnert, als sie später Pelle im Keller gefunden hat.

"Es gab nur eine Möglichkeit zu überleben. Sie musste sich anpassen und unterordnen. Sie musste sich selbst leugnen und eine andere werden." Allein diese drei Sätze finde ich so schlimm. Aber sie zeigen, warum Karin so geworden ist, wie sie heute ist. Sie hat zwar noch ein paar Mal aufgemuckt. Wurde aber auch immer für die kleinste Kleinigkeit bestraft. Dass sie dann diese ganze Zeit ganz weit hinten in ihrem Kopf verschlossen hat und ncht mehr daran rinnert werden wollte, kann ich sehr gut verstehen.

Umsomehr hat es mich gefreut zu lesen, dass sie ganz langsam wieder Nähe zulassen kann. Ich denke, Karin, Imke und Geli sind auf einem guten Weg. Anne lasse ich da mal außen vor. Mit ihr hatte ich nicht mal Mitleid nach ihren schweren Autounfall.

Wenn Alex ein ganz normales Arschloch ist, wie Anne ihn betitelt, dann passen er und sie ja optimal zusammen.

Sehr berührend finde ich die Trauerrede bei der Beerdigung von Peter. Ein tolles Abschlussbild als die drei Frauen dort am Grab stehen.

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solveig kommentierte am 21. November 2020 um 11:25

Anne lasse ich da mal außen vor. Mit ihr hatte ich nicht mal Mitleid nach ihren schweren Autounfall.

Ganz so schwarz-weiß sehe ich Anne nicht. Sie ist selbst bestraft, so wie sie sich mit ihren Aktionen alle menschlichen Kontakte erschwert bzw. sogar unmöglich macht. Die Chance, in sich zu gehen, vielleicht (in einer Therapie) zu lernen, sich kritisch zu betrachten, sollte man ihr geben, denke ich.

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gaby2707 kommentierte am 21. November 2020 um 11:38

So, wie ich Anne hier kennengelernt habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie zu einer Therapie bereit wäre.

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solveig kommentierte am 21. November 2020 um 11:19

Das Ende habe ich befürchtet. Aber trotz allem, mir gefällt es, dass es kein rührseliges "Happy End" gab, mit einem wieder aufgetauchten Peter und einer plötzlich bekehrten Anne  -  so ist es realistischer.

Auch dass Gertraud sich nicht überzeugen lässt, sondern nach wie vor an die Kirche glaubt und die "Erziehungsmethoden" als in jenen Zeiten normal verteidigt, ist realistisch. Denken nicht auch heute noch genügend Leute, Prügel schaden nicht?

An die "Nickel Boys" habe ich mich ebenfalls erinnert gefühlt  -  obwohl dort der Rassismus eine zusätzliche, große Rolle spielt.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 348 bis Ende
hapedah kommentierte am 22. November 2020 um 19:49

Gertraud hat mich beinahe mehr erschüttert als die grausamen Nonnen. Weil sie zwar Mitleid mit den Mädchen hatte, Karin den heißen Kakao in den Karzer geschmuggelt hat - und auch von dem Missbrauch wusste. Dennoch findet sie es nicht falsch, was geschehen ist, das ist so unfassbar. 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 348 bis Ende
gaby2707 kommentierte am 23. November 2020 um 12:48

Ein, wie Du es schreibst, rührseliges Ende würde für mich auch gar nicht zu der Geschichte passen.

Da "Die Nickel Boys" im Dezember auf deutsch als TB erscheinen, habe ich das gleich vorbestellt.

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anooo kommentierte am 25. November 2020 um 16:16

Der letzte Abschnitt hat es nochmal in sich. Die Beschreibungen aus dem Heim sind wirklich schwer zu ertragen. Aber ich finde es ist sehr wichtig, dass den Heimkindern eine Stimme gegeben wird und diese schlimmen Gräueltaten nicht vertuscht werden.

Es gibt ein Happy End und ich finde es authentisch, dass Anne nicht dabei ist. Sonst wäre es zu schnulzig. Ich werde das Buchliebe auf jeden Fall weiterempfehlen und es wird sicherlich nicht das Letzte von Ellen Sandberg gewesen sein.