Rezension

Zählt mit zur Elite unter den Jugenddystopien

Die Auslese - Joelle Charbonneau

Die Auslese
von Joelle Charbonneau

"Zu meinem großen Bedauern muss ich euch mitteilen, dass eine Prüfungskandidatin gestern Abend ihrem Leben ein Ende gesetzt hat." Einige Prüflinge schnappen nach Luft oder schreien auf, aber ich sehe auch mehr als ein hämisches Grinsen, das bedeutet: eine weniger. (S. 129)

Nachdem ein verheerender Weltkrieg den ganzen Planeten an den Rand der Zerstörung gebracht hat, hat sich das Commonwealth der Aufgabe verschrieben, die ehemaligen USA wieder bewohnbar zu machen. Und dazu brauchen sie die klügsten Köpfe ihres Landes, die in der jährlichen Auslese auf ihre Qualitäten geprüft werden. Nur die Besten bekommen die Chance, an der Universität zu studieren, um die zukünftige Führungselite des Landes zu bilden. Die junge Malencia kann ihr Glück kaum fassen, als sie tatsächlich für die Auslese ausgewählt wird. Doch schon bald muss sie feststellen, dass die Tests unheimlich hart sind. Und Fehler werden nicht toleriert...

Dem Hype um die neueste Jugenddystopie "Die Auslese" konnte man sich vor ein paar Wochen kaum entziehen und als Liebhaberin des Genres konnte ich mir das Buch natürlich auch nicht entgehen lassen. Zwar würde ich das Buch nicht so in den Himmel loben wie manch anderer begeisterter Leser, aber trotzdem zählt das Buch für mich mit zur Elite der Jugenddystopien.

Cia Vale ist gerade einmal sechzehn Jahre alt und weiß doch schon genau, was sie will: zur Auslese zugelassen zu werden, um als eine von zwanzig Auserwählten die Chance zu haben, an der Universität zu studieren. Doch warum ist ihr Vater, der doch selbst einmal bei der Auslese triumphiert hat, so wenig begeistert von der Idee, seine jüngste Tochter könnte auserwählt werden? Immerhin ist es doch eine Ehre, in Betracht gezogen zu werden. Als sich jedoch Cias Hoffnungen erfüllen und sie tatsächlich zur Auslese zugelassen wird, muss sie bald schon erfahren, dass die Vorbehalte ihres Vaters nicht ganz unbegründet waren...

Der deutsche Untertitel - "Nur die Besten überleben" - verrät eigentlich schon, was Cia in der Auslese erwartet: ein harter Wettkampf, bei dem die Konkurrenz vor nichts zurückschreckt. Mal davon abgesehen, dass ich mich von Anfang an an dem Gedanken gestört habe, dass die Regierung ihre klügsten Köpfe bei der Auslese im Ernstfall einfach hops gehen lässt (denn mal ehrlich, wie weit könnte dieses Land schon wieder sein, wenn sie das nicht machen würden?), fand ich das Buch wirklich faszinierend, auch wenn es gar keine sonderlich neuen Ideen präsentiert hat. Das hat jedoch auf keinen Fall dazu geführt, dass ich mich beim Lesen gelangweilt habe. Im Gegenteil! An sich kann ich das hier eigentlich auch nur als Meckern auf hohem Niveau bezeichnen, denn das Buch ist wirklich sehr gut und unheimlich spannend geschrieben. Die Autorin geizt zwar nicht mit brutalen Szenen, beschreibt sie jedoch in einem erträglichen Maß.

Mehr Wert noch als auf einen fesselnden Plot scheint sie allerdings auf eine nachvollziehbare Charakterentwicklung gelegt zu haben. Im Kampf um die wenigen Plätze an der Universität offenbaren sich von Anfang an die menschlichen Abgründe, die auch schon in den Jugendlichen lauern. Und auch Cia hat oft mit ihrem Gewissen zu kämpfen. Wie weit ist sie bereit zu gehen? Wem will sie ihr Vertrauen schenken, und wer will sie nur hintergehen? Joelle Charbonneau spielt hier gekonnt mit den Erwartungen der Leser und konnte mich so einige Male überraschen. Denn erst ganz am Schluss offenbart sich, wer Freund und wer Feind ist. Bis dahin befindet man sich die ganze Zeit in der Schwebe und hofft und bangt an Cias Seite.

Da sich in diesem ersten Band der Trilogie alles um die Auslese an sich dreht, erfährt man über die restliche Gesellschaft außerhalb des Auswahlprozesses und das vereinigte Commonwealth erstmal noch nicht so viel. Da habe ich jedoch große Hoffnungen und Erwartungen an den Nachfolgeband, denn von meinem bisherigen Eindruck her bin ich fest davon überzeugt, dass mich die Fortsetzung umhauen wird :-)