Rezension

Toller Trilogieauftakt!

Gelöscht - Teri Terry

Gelöscht
von Teri Terry

Bewertet mit 5 Sternen

Inhalt

Kyla wurde geslated. Nicht nur ihr Gedächtnis, sondern ihre ganze Persönlichkeit wurden ausradiert. Nun wird sie einer neuen Familie übergeben, die sie bedingungslos akzeptieren muss und der sie laut Vertrag stets zu gefallen hat - tut sie das nicht, wird sie zurück gegeben, was das Aus für sie bedeuten würde. 
So tut Kyla alles, um sich anzupassen und merkt dabei schnell, dass sie anders ist. Sie lernt schneller, versteht besser und leidet unter Alpträumen, die man fast für Erinnerungen halten könnte. Das darf und kann allerdings nicht sein, denn Kyla begreift schnell, dass Leute, die die falschen Fragen stellen oder nicht konform agieren, ziemlich schnell verschwinden... 

Die Protagonistin

Kyla ist eine clevere und starke Persönlichkeit, die schneller als jeder andere Slater Zusammenhänge begreift und Dinge hinterfragt. Ihre Neugierde ist eine gefährliche Sache, kann doch eine falsche Frage schon den Tod bedeuten. Das muss sie auf die harte Tour lernen, indem immer mehr Menschen aus ihrem Umfeld einfach verschwinden. Dass sie immer wieder von Alpträumen geplagt wird, lenkt die Aufmerksamkeit nicht gerade von ihr ab, doch viel schlimmer ist, dass diese Träume so realistisch wie Erinnerungen sind. Das begreift sie als sie, als eine Art Selbstexperiment, ein Bild mit links zeichnet und ihr dies viel besser gelingt als mit rechts. Im "Traum" wird ihr diese Hand danach aber zerschmettert und Kayla weiß immer noch nicht, wem man überhaupt vertrauen kann...

Eigene Meinung

Gelöscht ist das vielversprechende Debut und der spannende Trilogie-Auftakt von Teri Terry.

Der Schreibstil ist klar strukturiert, flüssig zu lesen und auch sehr bildhaft.Die kurzen Kapitel geben dem Leser das Gefühl, schneller als gewöhnlich zu lesen, halten diesen aber auch mit vielen "Mini-Cliffhangern" auf Trab. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Kyla, wodurch man ein viel tieferes Verständnis für die Slater erhält. Außerdem treibt es auch die Spannung nach oben, erfährt man doch nie mehr als die wissbegierige Protagonistin.
Die Charaktere sind ein Paradebeispiel für die Widerlegung von Schwarz-/Weiß Gestaltungen. Die wenigstens sind das, was sie auf den ersten Blick

zu sein vorgeben und entwickeln sich in oft unvorhersehbare Richtungen. Sie sind unglaublich authentisch und scheinen förmlich aus dem realen Leben gegriffen zu sein. Die einzige Person, die für mich nie ganz greifbar war, war Kylas männlicher Gegenpart, Ben. Rückblickend ist aber offensichtlich, dass sich Terry dabei was gedacht hat und er ihr nicht einfach nur missglückt ist.

Die Geschichte mag vielleicht nicht die Erste ihrer Art sein. In vielen Rezension werden Vergleiche zu Poznanskis Die Verratenen oder Wassermanns Skinned Reihe gezogen, was für mich aber nicht in Frage kommt, da ich beide noch nicht gelesen habe. Auf jeden Fall gehört Gelöscht zu den ruhigeren Dystopien. Dieses Buch lebt von der nervenaufreibenden und paranoid machenden Atmosphäre, von den vielschichtigen Charakteren. Im Vordergrund steht Kylas Entwicklung, wie es ist, geslated worden zu sein und was es bedeutet, als 16-jährige nochmal ganz von vorne anfangen zu müssen. Man fragt sich ununterbrochen, wem man trauen und was man glauben kann. Desweiteren muss man sich unwillkürlich fragen, was unsere Persönlichkeit ausmacht. Sind es wirklich allein unsere Erinnerungen und das bereits Erlebte, das uns zu der Person macht, die wir sind? Oder gibt es grundlegende Eigenschaften, die uns bereits in die Wiege gelegt wurde? 

Man erfährt ausführlich, allerdings erst nach und nach, wie es zu Terrys Zukunftsvision gekommen ist und auch hier muss man erkennen, dass es selbst in der schlechtesten Dystopie Grauzonen gibt. So erkennt man, dass selbst das Slaten, das mir persönlich eine Gänsehaut verursacht, seine guten Seiten haben kann und nicht jeder in der Regierung nur böse Absichten hat.

Natürlich darf auch hier keine Liebesgeschicht fehlen, doch diese ist so zart und gut eingegliedert, dass sie weder besonders positiv noch negativ ausfällt. Es ist nicht weiter überraschend, dass Kaylas aufkommende Beziehung zu Ben der Auslöser für einige Handlungen und Entwicklungen ist, dennoch wird diese Dystopie nicht grundlegend um das Liebespaar aufgebaut.

Das Cover vermittelt genau die richtige Stimmung und ist definitiv ein Hingucker.

Fazit

Teri Terrys "Gelöscht" ist nicht nur ein gelungenes Debut, sondern vorallem ein spannender Trilogie-Auftakt. Im Gegensatz zu vielen anderen Dystopien lebt diese nicht von actionreichen Szenen,  sondern von authentischen Charakteren und einer Atmosphäre, die den Leser selbst paranoid werden lässt. Terry beweist ausdrucksstark, dass nicht alles Schwarz-/Weiß ist und kreiiert eine Geschichte, die sich nicht nur schnell lesen lässt, sondern auch nachdenklich stimmt. Eine klare Empfehlung für jeden Dystopie-Liebhaber, der es auch gerne mal ruhig angehen lässt - 5/5 Bücher!